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Tote bei ukrainischen Drohnenangriffen auf Russland

14. Jan. 2026 · Lesedauer 4 min

Bei gegenseitigen Drohnenangriffen zwischen Russland und der Ukraine hat es Tote und Schäden bei der Energieversorgung gegeben. In der Region Belgorod wurde nach Angaben von Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow in der Nacht auf Mittwoch eine Frau im Dorf Sosuli bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Demnach wurde ein Auto getroffen, der Fahrer sei verletzt worden. Am späten Dienstagabend sei ein Mann bei der Explosion einer Drohne in der Stadt Schebekino umgekommen.

In der südrussischen Stadt Rostow seien vier Menschen bei einem ukrainischen Angriff verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, bei Telegram. Es sei zu Feuern in mehreren Wohnungen mehrstöckiger Häuser gekommen, in einer davon wurde demnach ein toter Mann gefunden. Sljussar sprach außerdem von zwei Feuern im Industriegebiet der Stadt. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Russland nahm bei frostigen Temperaturen erneut die ukrainische Energieinfrastruktur ins Visier. Moskaus Streitkräfte attackierten in der Großstadt Krywyj Rih im Südosten der Ukraine Militärverwaltungschef Olexander Wilkul zufolge am Abend und in der Nacht die zivile Infrastruktur. Demnach gab es Notabschaltungen der Stromversorgung für 45.000 Kunden, in mehr als 700 Häusern auch der Fernwärme. In der Früh habe sich die Lage wieder stabilisiert, schrieb er bei Telegram.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von Angriffen auf den Energiesektor seines Landes in der Nacht. Demnach setzte Russland 113 Drohnen und drei ballistische Raketen ein und attackierte die Regionen Dnipropetrowsk, Schytomyr, Saporischschja, Charkiw und Cherson. Das Hauptziel seien die Energieversorgung und kritische Infrastruktur gewesen, Heizung und Strom, schrieb Selenskyj in Sozialen Medien. Die Priorität der Ukraine sei die Stärkung der Flugabwehr, sagte er und appellierte an die westlichen Partner des Landes. Wenn die Ukraine die russischen Angriffe zu 100 Prozent parieren könne, mache Russlands Terror keinen Sinn mehr, schrieb er.

Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion. Als Teil ihres Abwehrkampfes greift sie auch Ziele in Russland an. Die Zahl der Opfer und das Ausmaß der Schäden steht dabei in keinem Verhältnis zu den verheerenden Folgen russischer Angriffe in der Ukraine.

Kinder gefährdet

Die ukrainischen Behörden gaben unterdessen angesichts jüngster, russischer Geländegewinne die Evakuierung von Kindern aus mehreren Dörfern in der südlichen Region Saporischschja bekannt "Wir haben eine schwierige, aber notwendige Entscheidung getroffen: die Evakuierung von Kindern zusammen mit ihren Eltern oder Erziehungsberechtigten aus fünf Ortschaften in der Region Saporischschja anzuordnen", erklärte Vize-Regierungschef Oleksij Kuleba in Onlinediensten. Um welche Dörfer es sich handelt, wurde nicht mitgeteilt.

Der Erklärung zufolge sollen 40 betroffene Kinder in die zentrale Region Tscherkassy gebracht werden. Eine Zwangsevakuierung sei "immer ein schwerer Schritt", erklärte Kuleba. Doch sei sie angesichts des "dauerhaften Beschusses die einzige verantwortungsvolle Möglichkeit, Leben zu retten".

Moskau hatte Saporischschja sowie die Regionen Donezk, Luhansk und Cherson nach seinem Einmarsch in der Ukraine 2022 für annektiert erklärt. Die gleichnamige Hauptstadt der wichtigen Industrieregion Saporischschja hatte vor dem Krieg rund 840.000 Einwohner. Nach Angaben ukrainischer Militärblogger ist die Frontlinie derzeit nur 30 Kilometer von der Stadt Saporischschja entfernt.

Die ukrainischen Behörden fordern die Einwohner in Frontgebieten regelmäßig zur Evakuierung auf. Zwangsevakuierungen deuten jedoch darauf hin, dass sich die Sicherheitslage in den betroffenen Gebieten drastisch verschlechtert hat. Die Frontlinie in Saporischschja galt im Vergleich zu anderen Frontabschnitten weiter östlich lange als relativ stabil. Russische Streitkräfte scheinen ihre Angriffe jedoch verstärkt zu haben und rücken auf die Stadt Saporischschja vor.

Russischer Vormarsch im nordöstlichen Sumy

Das russische Verteidigungsministerium meldete am Mittwoch die Einnahme des Grenzdorfes Komariwka in der Region Sumy im Nordosten der Ukraine. Auch dort rückt die russische Armee auf die gleichnamige Gebietshauptstadt vor.

Zusammenfassung
  • Bei gegenseitigen Drohnenangriffen zwischen Russland und der Ukraine wurden in den russischen Regionen Belgorod und Rostow mindestens drei Menschen getötet und mehrere verletzt.
  • Russland attackierte mit 113 Drohnen und drei ballistischen Raketen die ukrainische Energieinfrastruktur, was in Krywyj Rih zu Stromabschaltungen für 45.000 Kunden und Ausfällen der Fernwärme in über 700 Häusern führte.
  • Angesichts verstärkter russischer Angriffe ordneten die ukrainischen Behörden die Evakuierung von 40 Kindern aus fünf Dörfern in der Region Saporischschja an, da die Frontlinie nur noch 30 Kilometer von der Stadt Saporischschja entfernt ist.