Luf: Umsetzung der Gewaltschutzgesetze "zahnlos"

17. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Laut einer neuen Studie der "Statistik Austria", ist jede dritte Frau Opfer von Gewalt. Alia Luf, Juristin bei den "Autonomen Österreichischen Frauenhäusern" verlangt im PULS 24 Interview mehr Geld für Aufklärungsarbeit und mehr sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen.

Eine neue Studie der "Statistik Austria" hat gezeigt, dass jede dritte Frau zwischen dem Alter 18 und 74 Jahren Gewalt erlebt hat. Alia Luf, Juristin bei den "Autonomen Österreichischen Frauenhäusern" sagt im PULS 24 Interview, dass die Zahlen "alarmierend" seien. Bisher habe man sich auf eine Studie der "Agentur der Europäischen Union für Grundrechte" aus dem Jahr 2014 bezogen, wo noch jede fünfte Frau betroffen war. 

Luf sagt, dass vor allem die Krisen der letzten Jahre für den Gewaltanstieg verantwortlich seien. Besonders die Coronapandemie habe viel Gewalt auslöst. Bei der Frauenhelpline habe man "ganz deutlich" gemerkt, dass mehr Frauen nach Hilfe angesucht haben. 2021 fanden 3.000 Frauen Schutz und Zuflucht in den Frauenhäusern. Die Jurstin betont, dass annähernd so viele Kinder wie Frauen in Frauenhäuser unterkommen, denn "Frauenhäuser sind Kinderschutzeinrichtungen". Man wisse schon lange, wie viele Kinder von Gewalt betroffen sind: "jedes dritte Kind und jedes dritte Mädchen". 

Die Gewaltschutzmaßnahmen in Österreich bezeichnet Luf als "gut", doch die Umsetzung sei "zahnlos". Es brauche eine "klare Strafverfolgung von Gewalttätern und eine lückenlose Ermittlung". Sie kritisiert außerdem, dass Frauen nicht genügend zugehört werde und Verfahren regelmäßig eingestellt werden, bevor es überhaupt zu Ermittlungen kommt. 

Mehr Aufklärungsarbeit 

Besonders große Sorgen bereite die hohe Anzahl an Femiziden. Für die Juristin ist klar, dass es mehr Aufklärung benötige. Man brauche Geld, um in allen Berufungsgruppen Schulungen durchzuführen. Auch Workshops in Kindergärten, Volksschulen und weiterführenden Schulen brauche es. Denn "je jünger wir die Menschen erreichen, desto mehr können wir verändern und bewirken". Man müsse früh mit einer Sensibilisierung beginnen und Aufklärungsarbeit betreiben, was Gewalt überhaupt ist und eine klare Haltung dagegen entwickeln. Bereits im Kindergarten sollte man Kindern erklären, was toxisches Verhalten ist - Mädchen wie auch Burschen.

Präventionsarbeit mit Männern findet die Juristin ebenfalls für wichtig. Genau hier wolle man mit dem Projekt "StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt" ansetzen. So findet in Wien etwas regelmäßig ein Männerstammtisch statt, wo man sich über Gewalt austauscht. 

Auf der politischen Ebene fordert Luf mehr sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen. Hier treffen Polizei, Ministeriensowie andere Gewaltschutz-Stellen zusammen. Luf würde sich auch wünschen, dass Opferschutzeinrichtungen dazu eingeladen werden, denn es gehöre viel mehr getan und viel mehr Fälle besprochen. 

Hilfe für Opfer von Gewalt

Opfer von Gewalt können sich österreichweit, rund um die Uhr und kostenfrei an die Frauen-Helpline unter der Telefonnummer 0800 / 222 555 wenden. Auch beim "[email protected]auf der Seite "www.haltdergewalt.at" kann täglich von 18 bis 22 Uhr und jeden Freitag von 9 bis 11 Uhr Hilfe gefunden werden. Alle Kontaktaufnahmen werden anonym behandelt. 

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz