AGES-Chef: Gastro in Vorarlberg nicht Schuld an hoher Inzidenz

28. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Im Interview mit Anchor Thomas Mohr sagt AGES-Chef Franz Allerberger, dass die hohe Inzidenz in Vorarlberg mit der Ankunft der britischen Variante und nicht mit der Gastro-Öffnung zu tun. Trotzdem sollte man die Gastronomie anderswo noch nicht öffnen.

Seit einigen Wochen steigen die Infektionszahlen in Vorarlberg rapide an, die Inzidenz ist inzwischen schon höher als in allen anderen Bundesländern. "Ist die hohe Inzidenz in Vorarlberg noch vertretbar?", fragt deshalb PULS 24 Anchor Thomas Mohr den Infektiologen und AGES-Chef Franz Allerberger. "Ja", sagt dieser. Denn die Entwicklung in Vorarlberg sei nichts anderes als das, was im Rest Österreichs bereits vor wenigen Wochen eingetreten sei: nämlich die Dominanz der britischen Variante, so Allerberger.

Dass die Anstiege auch mit der Gastro-Öffnung zusammenhängen könnte, könne man natürlich nie ausschließen, meint Allerberger. Aber es deute vielmehr darauf hin, dass es sich um eine "wellenförmige Bewegung" bei den Inzidenzen handle, wie auch schon in anderen Bundesländern beobachtbar gewesen sei. Das habe mit der Dominanz der britischen Variante zu tun, die jetzt einfach zeitversetzt in Vorarlberg ankomme und sich durchsetze.

Experten beklagen aber aktuell diesbezüglich die unvollständige Datenlage, was das Contact-Tracing betreffe.

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Warum man dann nicht einfach überall die Gastronomie öffne, wenn es ohnehin egal sei, fragt Mohr. "Weil es in letzter Instanz um die sozialen Kontakte geht", sagt das AGES-Chef und um diese einzuschränken gebe es sonst keine effizienten und zielgerichteten Maßnahmen.

Mohr zitiert daraufhin eine Studie aus Norwegen, die zeigt, dass gerade die Gastronomie dort ein stärkerer Infektionstreiber war, als angenommen. Dass im Gastro-Bereich ein höheres Risiko bestehe, sei natürlich klar, "aber das ist ja auch vorhersehbar", da Gastro-Mitarbeiter einfach mit mehr Menschen in Kontakt kämen. Allerberger erklärt die Studienergebnisse aber damit, dass es in Norwegen sehr viel länger keine Maskenpflicht gab.

Impftermine für alle in NÖ "muss man pragmantisch sehen"

Zuvor sprach Allerberger auch über den Entschluss Niederösterreichs, Impftermine für alle anzubieten. Ob das sinnvoll sei, fragt Mohr. "Aus meiner Sicht ja", so Allerberger. Ob es da nicht die Gefahr gebe, dass Risikogruppen zu kurz kommen? "Das muss man pragmatisch sehen", meint Allerberger. Am Ende des Tages würde jeder Geimpfte das Risiko in der Gesellschaft als Ganzes senken und helfe, Infektionsketten zu unterbrechen.

Soll man AstraZeneca-Impfungen bereits für alle anbieten, nachdem sich viele dafür abmelden? Durch die "sehr seltenen, aber belegbaren Nebenwirkungen" würde in ganz Europa wahrscheinlich mehr AstraZeneca zur Verfügung stehen, vermutet Allerberger. "Wenn AstraZeneca überbleibt, soll man es anbieten. Man kann jedem nur raten, Impfangebote wahrzunehmen", so Allerberger.

"durchgemachte Infektion hat die gleiche Wirkung wie eine Impfung"

Dass man bereits drei Wochen nach der Erstimpfung für den Grünen Pass berechtigt ist, ist für den AGES-Chef "aus epidemiologischer Sicht zu bekräftigen". In ganz Europa könne man belegen, dass bereits eine Erstimpfung die Sterblichkeit und schwere Verläufe deutlich senke. "Ja, auch eine einmalige Impfung stellt einen gewaltigen Schutz dar", und zwar bei allen zugelassenen Impfstoffen, betont Allerberger. "Eine durchgemachte Infektion hat die gleiche Wirkung wie eine Impfung", stellt Allerberger fest.

Quelle: Redaktion / hos