APA - Austria Presse Agentur

601 mehr Todesopfer in Italien, Bilanz steigt auf 6.077

23. März 2020 · Lesedauer 4 min

Die Zahl der Coronavirus-Todesopfer und der Infizierten in Italien ist am Montag erneut angestiegen, allerdings langsamer als in den vergangenen Tagen. 602 mehr Todesopfer als am Vortag wurden am Montag gemeldet. Der Zuwachs ist niedriger als am Sonntag, als die Zahl der Todesopfer um 651 gestiegen war. Die Bilanz der Todesopfer überschritt somit die 6.000-Marke und stieg auf 6.077.

Die Zahl der Infizierten kletterte von 46.638 auf 50.418, das sind 3.780 mehr als am Sonntag, teilte der Zivilschutz in Rom am Montag mit. Auch die Zahl der neu angesteckten Personen wuchs etwas langsamer als in den vergangenen Tagen. 3.204 Personen befinden sich auf der Intensivstation, das sind sechs Prozent aller Infizierten. 7.432 Patienten sind inzwischen genesen. Italien ist das weltweit am stärksten von der Coronavirus-Epidemie betroffene Land.

In der Lombardei, der innerhalb des Landes am stärksten betroffenen Region, wurden um 320 Todesopfer mehr verzeichnet (insgesamt 3.456). Am Samstag war die lombardische Bilanz noch um 546 zusätzliche Toten an einem einzigen Tag gestiegen. Die Zahl der Infizierten in der Lombardei wuchs von 17.885 auf 18.919. 9.266 Menschen liegen in den lombardischen Krankenhäusern, 1.183 auf der Intensivstation, 41 mehr als im Vortag. 580 neue Infektionsfälle wurden in der schwer betroffene Stadt Bergamo gemeldet.

Als positiv betrachten die Gesundheitsbehörden, dass die Zahlen in der Millionenmetropole Mailand am Montag zum zweiten Tag in Folge etwas weniger als am Tag zuvor gestiegen sind. "Das ist die Zeit, um uns noch mehr anzustrengen, um die Zahl der neuen Infektionen weiterhin einzugrenzen, wir sehen Licht am Ende des Tunnels", sagte der lombardische Gesundheitsbeauftragte Giulio Gallera. Er warnte jedoch vor allzu großem Optimismus. "Es reicht nicht aus, zwei Tage eine Verlangsamung der Ansteckung zu sehen, um zu sagen, dass alles in Ordnung ist", sagte Gallera.

Nach der Lombardei sind nach wie vor die Emilia Romagna und Venetien die am stärksten betroffenen Regionen. In Kärntens Nachbarregion Friaul Julisch Venetien starben bisher 54 Personen, die Zahl der Infizierten kletterte auf 771.

Die Sanitäter zahlen einen hohen Preis für ihren Einsatz im Kampf gegen die Pandemie. 17 Ärzte sind seit Beginn der Seuche vor einem Monat gestorben, darunter elf Hausärzte. Circa zehn Prozent aller Infizierten sind Sanitäter. In der Hauptstadt Bergamo haben inzwischen mehr als ein Fünftel der Ärzte sich selbst und ihre Familien infiziert. Das verschärft die ohnehin angespannte Lage zusätzlich. Im Krankenhaus Oglio Po bei Cremona sind 25 von 90 Ärzten infiziert.

Die Polizei wird in italienischen Städten unterdessen Drohnen zur Überwachung der Ausgangssperre wegen des Coronavirus einsetzen. Dafür gab am Montag Italiens Luftfahrtbehörde ENAC Grünes Licht. Die Drohnen dürfen von der Polizei bis zum 3. April eingesetzt werden, teilte ENAC mit.

Die Polizei will so kontrollieren, ob Vorschriften eingehalten werden und sich Menschen nicht zu nahe kommen. Der Einsatz von Drohnen war zunächst in den vergangenen Tagen von der Exekutive in Rom getestet worden.

Zwei Millionen Italiener wurden seit dem 11. März von der Polizei zur Überprüfung angehalten, 96.000 Personen erhielten Anzeigen wegen Missachtung der Ausgangssperre. Auch 2.277 Shopinhaber wurden angezeigt.

Wer sich nicht an die Vorschriften hält, verletzt Paragraf 650 des italienischen Strafgesetzbuches, der Missachtung von Behördenverordnungen ahndet. Dabei drohen drei Monate Haft oder eine Geldstrafe von bis zu 206 Euro. Während der Quarantäne dürfen Italiener nur aus beruflichen oder dringenden Gründen auf die Straßen sowie, um kurze Einkäufe zu erledigen.

Die Adria-Hafenstädte Venedig und Triest verweigern unterdessen einem italienischen Kreuzfahrtschiff die Landung, aus Sorge dass sich unter den 727 Passagieren mehrere Coronavirus-Infizierte befinden könnten. An Bord des Kreuzfahrtschiffes "Costa Victoria", das derzeit unweit der ägyptischen Küste unterwegs ist, sind auch 34 Österreicher, wie die Genueser Reederei Costa Crociere auf Anfrage der APA mitteilte.

Das Kreuzfahrtschiff mit mehrheitlich australischen Passagieren und keinem Italiener an Bord sollte am kommenden Samstag in Venedig eintreffen. Die "Costa Victoria" ist seit zwei Monaten auf Reisen, berichteten italienische Medien. Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, will jedoch dem Schiff die Landung verweigern. Es gebe keine Garantien zum Gesundheitszustand der Passagiere. Das wegen der Coronavirus-Epidemie ohnehin schon schwer belastete regionale Gesundheitssystem sei nicht in der Lage, weitere Patienten aufzunehmen, sagte Zaia bei einer Pressekonferenz. "Die venezianischen Patienten haben Vorrang", meinte der Politiker.

Auch die Stadt Triest will die "Costa Victoria" nicht in ihren Hafen lassen. In dieser Phase habe die Sicherheit der Bürger höchste Priorität, sagte der friaulische Präsident Massimiliano Fedriga am Montag.

Die Costa Crociere berichtete, dass die Sicherheit der Passagiere und der Crew höchste Priorität habe und dass die Hygieneprotokolle an Bord noch mehr verschärft worden seien. Die Reederei sei in Verbindung mit den Botschaften und den Konsulaten der Herkunftsländer aller ausländischer Passagiere, um ihre Heimkehr zu organisieren. Unklar ist jedoch, wo das Schiff anlegen soll. Die Costa Crociere hat inzwischen alle Kreuzfahrten bis einschließlich 30. April 2020 abgesagt.

Quelle: Agenturen