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300.000 erwartet: Airpower soll heuer "klimaschonend" sein

02. Sept. 2022 · Lesedauer 6 min

Die Flugshow Airpower22 des Bundesheeres, Red Bull und des Landes Steiermark hat am Freitag im obersteirischen Zeltweg mit einem Fahnensprung und einem "Skytext" sowie einem donnernden Eurofighter-Überflug begonnen.

Mit einem umfassenden regionalen Umweltkonzept durch kürzere Transportwege, klimafreundliche Anreise und viel Regionalität will  man trotz über 200 Fluggeräten auf die Umwelt achten. Befragte Experten bewerten die gesetzten Maßnahmen teils positiv, teils unzureichend.

300.000 Fans erwartet

Zur Gratis-Veranstaltung am 2. und 3. September werden rund 300.000 Fans erwartet. Die 200 Fluggeräte, davon rund 50 vom Bundesheer, kommen aus 20 Nationen, die gemeinsam mit mehreren Kunstflugstaffeln für das Programm am Boden sowie in der Luft sorgen werden. Inwiefern eine klimaschonende Flugshow realisierbar ist, wird wohl erst danach beurteilt werden können und hängt unter anderem vom Anreiseverhalten der Besucher ab. Dieses Jahr werden mehr Züge und Busse bereitgestellt und die Zahl der Parkplätze wurde von 36.000 auf 18.000 halbiert.

Den Auftakt machte Freitagfrüh eine PC-6 Turbo Porter, der Flying Bulls, die mittels künstlichem Rauch "Welcome to Airpower22" in den Himmel schrieb, was aber in dieser Höhe nur wenige Sekunden lesbar gewesen ist. Dann folgte ein krachender Überflug eines Eurofighters des Bundesheeres, der eine sogenannte Platzrunde drehte. Bei einem Fahnensprung glitten Fallschirmspringer mit steirischen und österreichischen Fahnen zu Boden.

Hundertprozentige Regionalität

Beim Catering und der Infrastruktur wurde erstmals auf eine hundertprozentige Regionalität aus den Bezirken Murtal, Leoben und Murau geachtet, wie der Leiter des Airpower-Projektbüros, Oberstleutnant Michael Hendel, betonte. Beispielsweise komme das Bier nun aus der nahe gelegenen Privatbrauerei Murau. Auch das Thalheimer Bier aus der westlich von Zeltweg liegenden Gemeinde Pöls-Oberkurzheim werde an einem Stand ausgegeben. Wichtig sei zudem, woher die Produkte stammen, weshalb vertragliche Kriterien zwischen Airpower-Veranstalter und Caterer geschlossen wurden. So werde fast ausschließlich auf regionale beziehungsweise nationale Küche gesetzt. Die Grundzutaten seien dabei alle regionaler Herkunft: "Wir wollen keinen Lachs aus der Nordsee und keine Exklusivspeisen", so Hendel gegenüber der APA. In den vergangenen Airpower-Jahren wurde lediglich darauf geachtet, dass das Catering aus Österreich stamme.

Zwei Tage Programm

Das Showprogramm dauert von 9.00 bis 17.00 Uhr und ist an beiden Tagen fast ident. Ein Highlight soll der Überflug zweier US-amerikanischer B-52-Bomber "Stratofortress" sein - allerdings ist noch nicht klar, wann die Amerikaner "vorbeischauen". Es findet auch eine Leistungsschau von Luftfahrtindustrie und Forschungseinrichtungen statt, mit Fokus auf alternative Treibstoffe und Antriebe. Im Gegensatz zur letzten Flugshow 2019 lässt sich die hohe Politik - damals war wohl die Klimadebatte ausschlaggebend - diesmal durchaus im Aichfeld blicken. Am Freitag am späten Nachmittag kommt der neue steirische LH Christopher Drexler (ÖVP) zu einem Empfang, am Samstag gegen 11.00 Uhr wird der Bundesheer-Oberbefehlshaber und wahlkämpfende Bundespräsident Alexander Van der Bellen vorbeischauen. Eingesetzt werden seitens des Bundesheeres rund 6.000 Soldaten.

Umweltexperten skeptisch

Umweltexperten schätzen die Großveranstaltung unterschiedlich ein. Franz Prettenthaler, Institutsleiter für Klima, Energie und Gesellschaft bei Joanneum Research, erklärte, dass es wichtig sei, dass jede Airpower um 14 Prozent weniger emittieren müsse, damit Österreichs Klimaneutralität bis 2040 erreicht werden könne. Auch gab er zu bedenken, dass Regionalität nicht automatisch Klimaneutralität bedeute. Er halte die Maßnahmen für einen wichtigen Schritt, mit dem es aber "noch nicht getan" sei. Insgesamt habe er aber den Eindruck, dass das Ziel der Klimaneutralität hier ernsthaft verfolgt würde. Auch der Ökonom Oliver Fritz vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung bewertet insbesondere die Maßnahmen, die im Bereich der An- und Abreise von Besuchern gesetzt wurden, als positiv und betonte, dass man zumindest sehe, dass der Umweltgedanke hier ein Thema sei.

Um einiges kritischer beurteilt Gottfried Kirchengast vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel die Durchführung der Airpower. Er betrachtet die Großveranstaltung als "vertane Chance", die im Jahr 2022 das klare Signal setze, dass Klimaschutz nicht ernstgenommen werde. Mit einer Besucherlimitierung von 100.000 auf 50.000 Besucher täglich, wie das etwa auch bei Konzerten oder ähnlichen Veranstaltungen üblich sei, hätte man die Emissionen massiv reduzieren können, so Kirchengast im Gespräch mit der APA. Auch fordert er bei einem derartiges Event, das von Land und Bund mitfinanziert wird, mehr Verantwortung von der Politik.

Strengere Vorgaben gebe es dieses Mal auch für Standbetreiber: Kompostierbares Material, wie Holz oder Bambus, ist verpflichtend zu verwenden. Die vergangenen Male basierte die Verwendung von nachhaltigeren Materialien auf Freiwilligkeit. Zusätzlich wurde auch bei der Wahl der Betreiber der Regionalitätsaspekt berücksichtigt: Demnach kommen sechs von 14 Verkaufsständen, 31 von 34 Getränkeständen, 19 von 20 Speiseständen sowie 15 von 18 Merchandisingständen aus der Steiermark. Seitens der Betreiber rechnet man aufgrund der geplanten Maßnahmen außerdem mit weniger Plastikmüll. Auch wurde mit einem Becherpfand in der Höhe von zwei Euro ein Anreizsystem geschaffen, die bis zu 500 Mal wiederverwendbaren Becher nicht in den Müll zu werfen, sondern zurückzubringen. Zusätzlich ist ein Team der Dosenrecyclingsinitiative "Jede Dose zählt" dabei und klärt Besucher über Recycling auf. Daneben wurde bei der Müllentsorgung auf eine verdichtete Anzahl von Müllcontainern gesetzt, damit Besucher einen Weg von höchstens 50 Metern zurücklegen müssen. Außerdem sei eine aus Soldaten gebildete Umweltkompanie im Einsatz, die das in neun Sektoren eingeteilte Veranstaltungsgelände abgehe und Abfälle einsammele.

Anreise mit Öffis

Auch schuf man seitens der Veranstalter Anreize bei der Anreise mit Öffis: Gemeinsam mit der ÖBB wurden Sonderzüge von Villach, Salzburg, Linz und Wien eingerichtet. Außerdem können Besucher die Kurzsprinter- und Shuttlezüge von Kraubath und Knittelfeld nutzen. Durch eine entwickelte Bus Alliance ist es außerdem möglich, aus ganz Österreich mit dem Bus anzureisen. Die Kapazitäten des Regionalverkehrs wurden erhöht. Gleichzeitig soll die Anreise mit dem Pkw durch eine kostenpflichtige Vorabbuchung eines 20-Euro-Parkscheins unattraktiv gemacht werden. Was die Flüge der ausländischen Teilnehmer betrifft, seien diese im Kontingent ihrer Übungsstunden enthalten und würden, so Hendel, keine zusätzlichen Emissionen verursachen. Der Projektbüroleiter erklärte außerdem, dass Biofuels in Zukunft definitiv ein Thema seien, aber die Marktreife dafür noch fehle.

Quelle: Agenturen