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2,5 Jahre Haft nach Schüssen auf Wiener Polizeibeamte

Ein 33-Jähriger ist am Donnerstag am Wiener Landesgericht wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 2,5 Jahre Haft verurteilt worden, weil der bisher unbescholtene Mann in der Nacht auf den 17. August 2022 in Penzing auf zwei Wiener Polizisten drei Schüsse abgegeben hatte.

Die Beamte der Polizeiinspektion Storchengasse waren von Augenzeugen alarmiert worden, weil der Mann zuvor alkoholisiert randalierte. Die Schüsse verfehlten die Polizisten.

Die Geschworenen verneinten die an sie gestellten Fragen bezüglich des ursprünglich angeklagten Mordversuchs. Sie glaubten den Angaben des Beschuldigten, dass die Schüsse nicht gezielt waren. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Auch wenn es in dem Fall ausschließlich Milderungsgründe gab - der bisher ordentliche Lebenswandel, das Geständnis und die teilweise Schadenswiedergutmachung - , kam für das Schwurgericht nur eine unbedingte Freiheitsstrafe in Frage. Der Mann habe sich als "Schwachmat mit Pistole" wie "Django" aufgeführt und die Polizisten völlig unverblümt und ohne Anlass in Todesangst versetzt, sagte Richter Christoph Bauer bei der Urteilsverkündung.

Angriff nach Streit

Dem Vorfall im vergangenen Sommer war ein Streit des 33-Jährigen mit seiner Lebensgefährtin vorausgegangen, nachdem er vermutete, dass sie ein Verhältnis mit seinem Freund hätte. "Es war kein glücklicher Tag für den Angeklagten", meinte der Staatsanwalt. Als er nach der Diskussion mit der Frau das Haus verließ, nahm er eine Faustfeuerwaffe mit, die er von einem Freund als Entschädigung wegen Wettschulden bekommen hatte.

In einem Lokal soll der bereits durch Alkohol und Drogen berauschte 33-Jährige dann ein recht aggressives Verhalten an den Tag gelegt haben, als er sich dann von einem Taxi wegbringen ließ, zog er in dem Fahrzeug seine Pistole aus dem Hosenbund, "weil sie mich drückte". Dabei löste sich versehentlich ein Schuss. Das Projektil ging ins Dach des Fahrzeugs. Der Taxler verständigte darauf den Notruf.

Zuhause angekommen soll der Mann dann auf der Straße gegen Autos getreten haben. Er ging noch in seine Wohnung, um ein weiteres Magazin zu holen, um die Waffe nach dem Vorfall im Taxi zu entsorgen, da sah er das Blaulicht bei seinem Wohnhaus - er vermutete wegen der Schussabgabe im Taxi - und flüchtete.

Angeklagter schoss Polizei an

Die Polizisten verfolgten den gebürtigen Serben in ein Nachbarhaus, als er plötzlich aus dem Hosenbund die Pistole zog und schoss, laut Polizisten zwei Mal in dem Stiegenhaus und einmal im Freien. Ein Beamter betonte, er habe sogar noch den Rauch aus der Mündung gesehen. "Ich hab' nach unten geschossen", um die Beamten zu erschrecken, sagte der Angeklagte dahingehend gegenüber dem Schwurgerichtsvorsitzenden. "Ich bin in Panik geraten, hab die Waffe gezogen, um mir Platz zu schaffen, um zu flüchten", sagte er. "Ich habe nicht vorgehabt, jemanden umzubringen", sagte er. "Ich wollte niemanden verletzen, ich wollte niemanden töten."

Das Einschussloch in dem Stiegenhaus wurde in der Mauer in einer Höhe von etwa 30 Zentimetern entdeckt. Ein zweiter Schuss in dem Wohnhaus habe es nicht gegeben, erklärte der Beschuldigte. Ein weiteres Einschussloch oder ein Projektil sei auch nicht gefunden worden, sagte auch der Verteidiger des 33-Jährigen, Mirsad Musliu.

Angeklagter soll mehrmals auf Polizei gezielt

Nach den Schüssen auf die Polizisten, die sich auf die Straße hinter ein geparktes Auto geflüchtet hatten, lief der Mann davon. Auf seiner Flucht habe er erneut zwei Mal geschossen, aber nur in die Luft, wie er behauptete. Dem widersprach einer der Polizisten im Zeugenstand. Der 23-jährige Beamte betonte, der Mann habe ihn mit der Waffe anvisiert, daraufhin sei er wieder in Deckung gegangen und es fiel der Schuss. Der Polizist schloss sich dem Verfahren als Privatbeteiligter mit 3.830 Euro an. "Es war nur noch ein Lauf ums Leben", sagte der 23-Jährige. "Wenn ich am nächsten Tag nicht in den Dienst gegangen wäre, hätte ich aufhören müssen", erzählte der Beamte, wie es ihm nach der Schussattacke gegangen ist. Der Angeklagte entschuldigte sich am Donnerstag bei den Polizisten und überreichte den beiden durch Anwalt Musliu 1.000 Euro Entschädigung in bar.

Bei einer Garageneinfahrt versuchte sich der 33-Jährige noch zwischen Mülltonnen zu verstecken. Er wurde dann von Beamten der Sondereinheit WEGA aufgegriffen und festgenommen.

ribbon Zusammenfassung
  • Die Beamte der Polizeiinspektion Storchengasse waren von Augenzeugen alarmiert worden, weil der Mann zuvor alkoholisiert randalierte.
  • Dabei löste sich versehentlich ein Schuss.