Virologin Redlberger-Fritz: "Omikron nicht die letzte Variante"

31. Jan. 2022 · Lesedauer 3 min

Virologin Monika Redlberger-Fritz spricht im Newsroom LIVE über das Ende der Pandemie, warum Tests keine Sicherheit bieten und warum sie der Meinung ist, dass die verkürzte Gültigkeit der 2G-Zertifikate absolut gerechtfertigt ist.

Trotz höherer Neuinfektionszahlen als je zuvor werden Maßnahmen in Österreich ab 5. Februar gelockert. Aber ist Omikron wirklich so viel harmloser als die Delta-Variante? Es gebe zwei Unterschiede, so Virologin Monika Redlberger-Fritz von der MedUni Wien im PULS 24 Newsroom LIVE. Einerseits seien bereits über 70 Prozent geimpft. Andererseits vermehren sich die Omikron-Viren großteils im Nasen- und Rachenraum und greifen nicht mehr so stark die Lunge an. Das heiße aber nicht, dass es nicht auch schwere Verläufe gebe, zum Beispiel bei Ungeimpften, die auch noch chronische Grunderkrankungen haben.

Deutsche Fachleute aus Virologie und Epidemiologie haben Zweifel daran geäußert, dass die Delta-Variante von Omikron abgelöst wird. "Es ist absolut möglich, dass nach dem Abflachen der aktuellen Welle Delta zurückkommt", sagte Ulrike Protzer, Leiterin des Instituts für Virologie an der TU München.

Corona auf dem Weg zum Alltags-Virus

Corona wird früher oder später ein endemisches, also beherrschbares, Alltags-Virus werden, ist sich Redlberger-Fritz sicher. "Ob das jetzt nach dieser Omikron-Welle ist, oder ob da jetzt noch eine pandemische Welle danach kommt und dann erst in der zweiten oder dritten nächstfolgenden Welle von einem pandemischen in ein epidemisches Virus übergeht, traue ich mich jetzt noch nicht zu sagen." Es schaue gut aus, dass das nach Omikron sein könnte.

Es sei aber klar, dass Omikron nicht die letzte Variante sein wird. "Das Virus verändert sich weiter und dieses Weiterverändern, das wird nicht zu Ende gehen. Das werden wir noch über die nächsten Jahrzehnte sehen." Man könne nur hoffen, dass das auch mit leichteren Verläufen einhergehe.

Keine Sicherheit durch Tests

Die Virologin versteht, dass die angekündigte Lockerung von 2 auf 3G (getestet, geimpft, genesen) beim Einlass zu Verwirrung führen kann und lächelt über den Vergleich, dass das sei als würde man in der Nichtraucherzone Aschenbecher aufstellen. Man dürfe nie vergessen, so Redlberger-Fritz, dass das Testen, das jetzt wieder erlaubt wird, immer nur eine Momentaufnahme sei. "Gerade bei Omikron haben wir das Problem, dass wir innerhalb von Stunden von nicht-infektiös auf hoch-infektiös umschwenken können." Ein Test der 24 oder 48 Stunden alt sei, gebe keine Sicherheit. Weder für Gäste zum Beispiel in der Gastro, noch für die Angestellten. "Wir wissen, dass die Ungeimpften das Virus leichter übertragen als die Geimpften."

Kürzere Gültigkeit des 2G-Nachweises "absolut" gerechtfertigt

Von Montag auf Dienstag wird auch die Gültigkeit des Grünen Passes von neun auf sechs Monate verkürzt. Das sei absolut gerechtfertigt, steht die Medizinerin hinter der Entscheidung. "Man sieht, dass die Antikörperspiegel nach der Impfung sehr hoch sind, aber nach ca. drei Monaten wieder fallen." Es gelte die Regel "mehr ist mehr" bei Antikörpern. Deshalb sei der Booster so wichtig, um vor schweren Verläufen zu schützen. Bei Genesenen seien sechs Monate sei die Dauer, nach der man wieder impfen gehen muss, man könne aber auch früher gehen.

Acht bis 17 Prozent erkranken an Long Covid

Ob das Long-Covid-Risiko bei Omikron höher sei als bei vorherigen Varianten können man noch nicht sagen. Es gebe einfach noch keine Langzeitdaten, weil Omikron erst seit vier Wochen auf der Bildfläche sei. Von anderen Varianten wisse man, dass Long Covid bei 8 bis 17 Prozent der Erkrankten auftritt. Redlberger-Fritz geht davon aus, dass das bei Omikron ähnlich sein wird.  

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam