Österreich bei Corona-Inzidenz EU-Spitzenreiter

05. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Mit dem Herbst steigen nun auch wieder die Corona-Fälle. Weltweit gesehen liegt Österreich dabei bereits unter den Top fünf Ländern mit der höchsten Sieben-Tages-Inzidenz. Im EU-Vergleich ist Österreich hier sogar Spitzenreiter.

Die derzeitige Corona-Herbstwelle schlägt sich immer deutlicher durch. Österreichs Sieben-Tages-Inzidenz liegt derzeit laut AGES (Stand: 04.10.2022) mit 952,6 Fälle je 100.000 Einwohner über dem Schnitt der letzten Tage. Mit diesem Wert liegt Österreich im EU-Vergleich eindeutig auf Platz eins. Auf Platz zwei liegt derzeit laut einer Datenerhebung der John Hopkins University Slowenien, gefolgt von Dänemark und Frankreich (Stand: 05.10.2022; 14:00).

Weltweit gesehen liegt Österreich mit seiner Sieben-Tages-Inzidenz sogar auf Platz vier. Hier liegt der europäische Kleinstadt San Marino an der Spitze.

Plus 52 Prozent bei Spitalspatienten

Nicht nur die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt, sondern auch die der Spitalspatient:innen. Die Experten des Covid-Prognosekonsortiums erwarten hier in zwei Wochen sogar eine Steigerung von 52 Prozent auf der Normalstationen.

Es ist von "einem weiteren deutlichen Anstieg im Normalpflegebelag auszugehen, wobei der Covid-Belag im ICU-Bereich weiterhin nahezu unverändert bleibt", schreiben die Wissenschafter. Am gestrigen Mittwoch mussten österreichweit 1.773 Patienten auf Normalstationen behandelt werden, für kommenden Mittwoch prognostizieren die Expertinnen und Experten 1.992 bis 2.625 Hospitalisierte.

Warnung vor Engpässen

Die Prognose-Expertinnen und -Experten betonen jedoch, dass es derzeit einen sehr hohen Anteil an Covid-Zufallsbefunden bei den hospitalisierten Patientinnen und Patienten gibt. Laut Covid-19-Register wurden per Datenstand vom vergangenen Donnerstag nur rund 22 Prozent der aktuell Hospitalisierten mit Covid-19-Symptomatik aufgenommen. Im Intensiv-Bereich lag dieser Anteil bei nur zwölf Prozent. Dementsprechend treten Covid-Erkrankte in geringerem Ausmaß in Konkurrenz zur Regelversorgung als in vergangenen Epidemiephasen, in denen noch der Großteil der Covid-19-Patientinnen und -Patienten eine mit Corona assoziierte Hauptdiagnose aufwies, so die Experten.

Zeitgleich warnen sie vor Engpässen beim Personal in den Spitälern. Denn der "gestiegene Infektionsdruck übersetzt sich gegenwärtig auch in überdurchschnittlich hohe ungeplante Personalausfälle, die im Österreich Durchschnitt schon bei über sechs Prozent liegen (bezogen auf das gesamte Spitalspersonal). Die Rate von ungeplanten Personalausfällen liegt normalerweise unter fünf Prozent und lag in den bisherigen Höhepunkten der Covid-19 Pandemie teilweise über zehn Prozent", schreiben die Experten.

Rauch: Kein Grund für Verschärfung

Trotz der steigenden Zahlen sieht Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) jedenfalls keinen Grund für eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen. Mehrere Wissenschafter haben sich bereits für die Wiedereinführung der Maskenpflicht ausgesprochen. Doch dazu werde es erst kommen, wenn die Situation in den Krankenhäusern "eskaliert, bedrohlich wird, ein Notstand eintritt", sagte Rauch am Dienstagabend im "ZiB2"-Interview.

Vor dem Ministerrat am Mittwoch ruderte er zurück. Aktuell "ist die Lage so, dass sie gut 'handelbar' ist", sagte der Minister. Mit den Experten sei er jedenfalls im ständigen Austausch, "wenn von dort der intensive Hinweis kommt, jetzt reagieren zu müssen, werden wir das tun", versicherte Rauch. Er verwies außerdem darauf, dass man ein "breites System der Beobachtung" habe mit Testzahlen, Abwassermonitoring und Covid-Datenregister.

Virologe: Hohe Corona-Inzidenz lässt sich nicht "ganz erklären"

Der Virologe Christoph Steininger spricht sich im PULS 24 Interview ebenfalls für die Wiedereinführung der Maskenpflicht aus. Außerdem bittet er um mehr Anstrengung für höhere Impfquoten. Laut Steininger würde sich die Situation in die Richtung der Verknappung der Arbeitskräfte verschieben. 

Es gäbe für die hohe Corona-Inzidenz in Österreich keine "ganz klare Erklärung". Man könnte Hypothesen aufstellen, die allerdings Daten entbehren. Der Virologe meint man könne vermuten, dass die "Österreicher:innen mehr verreist" sind, "weniger auf Schutzmaßnahmen geachtet haben" oder gar die "niedrige Impfquote" dafür verantwortlich sei. Dabei handle es sich allerdings rein um Spekulationen. 

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea