Neuwirth zu Corona: Vergleich mit dem letzten Sommer ist "beunruhigend"

04. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Statistiker Erich Neuwirth spricht im PULS 24 Interview über die aktuelle Entwicklung der Corona-Zahlen. Die Impfung scheint zu wirken, ein Vergleich mit dem letzten Sommer ist dennoch beunruhigend.

Von Dienstag auf Mittwoch wurden in Österreich 592 Neuinfektionen gemeldet, der Sieben-Tages-Schnitt liegt bei 479 Fällen. Seit Juli steigt die Kurve der Neuinfektionen wieder an. Das sei eine ähnliche Entwicklungen, wie wir sie auch schon im vergangenen Sommer hatten, sagt Statistiker Neuwirth. Auch im vergangenen Sommer gab es einen Anstieg und dann eine Beruhigung - wobei die Zahlen derzeit noch weiter steigen.

Der Unterschied zum letzten Jahr: Wir testen viel mehr und wir haben die Impfung. Wobei der Statistiker anmerkt, dass 50 Prozent aller PCR-Tests in Wien durchgeführt werden, wo 20 Prozent der Einwohner leben. Wien würde um 50 Prozent mehr testen als die Steiermark, wo am wenigsten getestet wird. 

Höhere Zahlen als letztes Jahr

Ein Blick auf die Inzidenzen zeigt: In diesem Sommer sind die Zahlen sogar etwas höher als letztes Jahr. "Trotz der Impfung" und "in einer Phase, in der eigentlich kaum etwas passieren sollte", sagt Neuwirth - das sei "beunruhigend". 

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Inzidenz pro Woche pro 100.000 Einwohner (mit und ohne Wien) im Zeitraum von 9. und 25. Juni 2020 und 2021.

Dabei dürfte vor allem die Delta-Variante eine Rolle spielen, sagt Neuwirth, der betont kein Virologe zu sein. Die höheren Zahlen in Wien seien mit mehr Tests zu erklären.

Bei der Belegung von Normalbetten in den Krankenhäusern durch Corona-Patienten, gibt es kaum Unterschiede zum Vorjahr, die Intensivbetten sind heuer allerdings mehr belastet - im Vergleichszeitraum (9. bis 21. Juni 2020 und 2021) allerdings auf niedrigem Niveau.

Ein Blick auf die Todesfälle hingegen würde zeigen, dass die Impfung wirkt: Viele Ältere seien schon geimpft, die Todesfälle gehen zurück.

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Genese und Todesfälle und ihr Anteil in den Altersgruppen.

Neue Zahlen zeigen außerdem, dass nur 0,6 Prozent aller Infizierten vollständig geimpft waren. Das waren in Österreich 1.656 Personen von 266.000 Infizierten. Die Impfeffektivität liegt demnach bei 91 Prozent. 

Betroffen sind derzeit vor allem jene Bevölkerungsgruppen, die eher noch nicht geimpft sind. Bei den 15- bis 24-Jährigen sei die Positivitätsrate "extrem hoch", so Neuwirth.  In allen Bundesländern liege die Inzidenz bei dieser Gruppe bei über 100.

 

Immer noch Zahlen-Probleme

Kritik übt Neuwirth aber auch daran, dass es bei den Zahlen immer noch Lücken gebe: So würde man mit den vorliegenden Zahlen etwa nicht berechnen können, wie viel Zeit zwischen der Impfung und dem Impfdurchbruch (der Infektion trotz Impfung) vergangen ist. Der Verdacht liegt nahe, dass die Wirkung der Impfung mit der Zeit nachlasse. 

Mit Blick auf den Schulstart im Herbst kritisiert Neuwirth außerdem, dass es die Infektionszahlen nicht in den Altersgruppen Volksschule, Unterstufe, Oberstufe gebe - denn dann könnte man je nach Schulstufe unterschiedliche Maßnahmen einführen. Der Statistiker rechnet jedenfalls damit, dass die Zahlen mit dem Schulstart steigen werden, das sei "unvermeidlich". Die Frage sei allerdings wie stark. Eine Prognose sei jedenfalls "praktisch unmöglich".

Quelle: Redaktion / koa