Neuwirth: Durchimpfung von 80 Prozent erst zum Jahreswechsel

18. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

"Wir haben heuer keinen Sommer wie früher, wir haben nicht mal einen Sommer wie voriges Jahr", sagt Statistiker Erich Neuwirth im PULS 24 Interview mit Blick auf die Corona-Zahlen.

Alle Zahlen, die für Prognosen und Einschätzungen in der Pandemie herangezogen werden, seien derzeit höher als zur gleichen Zeit im Vorjahr, sagt Erich Neuwirth. Es gebe nur eine Ausnahme - die der Todesfälle. Damit könnten wir 2021 schon früher Werte erreichen, "die wir wirklich nicht wollen", warnt der Statistiker.

So liegt beispielsweise der Sieben-Tages-Schnitt bei den Neuinfektionen derzeit bei 936, am 18 August 2020 lag er noch bei 226 Neuinfektionen. Und dennoch konnten wir im vergangen Oktober dem Infektionsgeschehen nicht mehr mit leichteren Maßnahmen Herr werden. "Wir mussten zum Lockdown greifen", erinnert Neuwirth. Dazu kommt, dass wir mit dem jetzigen Impftempo eine Durchimpfungsrate von 80 Prozent erst zum Jahreswechsel erreichen würden, sagt Neuwirth.

PULS 24

Neuinfektionen im Sieben-Tages-Schnitt 2021 und 2020.

Neuwirth spricht sich deswegen für die sogenannte 1-G-Regel aus, über die derzeit in Österreich debattiert wird. "Ich hielte die für sehr vernünftig", sagt er. Die 1-G-Regel würde bedeuten, dass nur noch Geimpfte an bestimmten Freizeitaktivitäten teilnehmen können. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein kann sich das ab Oktober vorstellen. Es wird aber diskutiert, ob Genesene auch berücksichtigt werden sollen. 

Am sichersten sei geimpft und getestet

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter betont, dass es auch noch andere Varianten gebe, über die man reden müsse. Am sichersten sei jedenfalls geimpft und getestet. Man könne aber auch Unterscheidungen zwischen den Freizeitaktivitäten machen - also etwa nachdem, ob sie im Freien oder indoor stattfinden. Die Debatte sei jedenfalls nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftspolitische, ethische und juristische, sagt Hutter.

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter spricht im Interview mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros über die viel diskutierte 1-G-Regel. 

Erich Neuwirth warnt jedenfalls vor deutlich höheren Inzidenzen als im Vorjahr. Und das könne nicht nur am Testen liegen, denn davon würden nur in Wien deutlich mehr als im vergangenen Jahr gemacht werden.

Auch die Hospitalisierungen nehmen deutlich zu, sagt Neuwirth. Auf den Intensivstationen liegen derzeit doppelt so viele Patienten, wie noch vor vier Wochen.

Besonders alarmierend seien die Zahlen aber bei den fünf- bis 14-Jährigen. Geimpft werden dürfen erst 12-Jährige, folglich ist diese Gruppe wenig geimpft. "Der Verlauf ist enorm. Die Zahlen steigen hier im Wesentlichen exponentiell", sagt Neuwirth.

Kritik an Datenmaterial

Neuwirth kritisiert auch weiterhin, dass in Österreich viele erforderlich Daten nicht zur Verfügung gestellt werden. So könne etwa bei den Infizierten oder bei den Hospitalisierungen nicht unterschieden werden, ob es sich um Geimpfte oder Ungeimpfte handelt. In Bayern gibt es diese Zahlen neuerdings: Ungeimpfte weisen dort die zehnfache Inzidenz auf. 

Minister Mückstein habe ihm aber zugesichert, dass es "demnächst" möglich sein werde, die Zahlen aus dem EMS (Epidemiologisches Meldesystem) und dem elektronischen Impfpass zu verknüpfen. Damit könnte man zumindest sagen, wie viele Infizierte geimpft sind. Die Spitalsdaten kommen aus den Bundesländern, da sei das etwas komplizierter, so Neuwirth.

Quelle: Redaktion / koa