Elling: "Mehrere Millionen Infektionen in nächsten 100 Tagen"

01. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Die Sommerwelle wird wohl nicht mehr gebrochen, das meint der Molekularbiologe Ulrich Elling im Gespräch mit PULS 24. Erst "wenn sich 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung angesteckt haben", werde die Welle auslaufen.

Die Herdenimmunität müsse man sich als "Fass mit vielen Löchern" vorstellen. "Immer wieder läuft etwas aus und muss nachgegossen werden". "In den nächsten hundert Tagen werden wir mehrere Millionen Infektionen haben", analysiert der Molekularbiologe Ulrich Elling.

Grund für die hohen Ansteckungszahlen sei der abgelaufene Immunschutz. Vor allem ältere Personen würden sich jetzt anstecken können. Denn mittlerweile schütze eine Welle nicht vor der nächsten. "Menschen, die sich mit BA.1 angesteckt haben, können sich wieder mit BA.5 anstecken."

"Menschen mit Risiko tunlichst schützen"

Es sei jedoch noch nicht klar, ob das am Anfang oder Ende der hundert Tage passiert, das hänge von "unserem Benehmen ab". Jedenfalls "sollten wir als Gesellschaft modulieren, wer sich ansteckt". Menschen "mit Risiko müssen tunlichst geschützt werden" und zwar mit dem vierten Stich und entsprechenden Maßnahmen. Es sei ein Punkt erreicht, wo wir uns einschränken müssten, so Elling weiter. Auch wenn der "jetzige Sommer als Resignation oder Kapitulation" der Bevölkerung zu empfinden sei. "Jeder findet sich damit ab", gesellschaftlich hat man aber kaum etwas unternommen, um mit Corona leben zu können."

Testen teuer und derzeit nicht sinnvoll

Die hohen Zahlen zeigen sich laut Elling bereits jetzt im Abwasser: "Die wahren Zahlen sind wohl doppelt so hoch und das wird sich in den nächsten Wochen und Monaten noch verschärfen." Gefragt nach der Rückkehr eines engmaschigeren Testsystems mein Elling, dass das Testen sehr teuer sei. "Systematisch eingesetzt" könne das Testen "Ansteckungsketten reduzieren", jedoch würden Ansteckungsketten derzeit an sich nicht reduziert. Elling verweist hierzu auf die Abhaltung von Festivals. Bei Menschen der Risikogruppen müsse man aber weiterhin "punktuell" testen, um Ansteckungen "systematisch verhindern" zu können.

Gegen Abschaffung der Quarantäne

Dem Vorschlag nach der Abschaffung der Quarantäne erteilt Elling eine Absage: "Ich halte von dieser Überlegung gar nichts". Zumal es "im Herbst wieder echt eng werden könnte". Außerdem würden damit die Ansteckungsketten beschleunigt, was die kritische Infrastruktur und Luftfahrt "besonders" belasten würde.

"Schulen auf Herbst nicht vorbereitet"

Die Schulen seien laut Elling nicht auf den Herbst vorbereitet. "Belüftungen müssen jetzt implementiert werden und da passiert nichts". Auch CO2-Sensoren wären eine mögliche Alternative, doch auch diese seien noch nicht umgesetzt. Schulen könnten im Herbst zum Problem für die gesamte Gesellschaft werden, "weil dann leiden wir alle unter höheren Zahlen".

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp