APA - Austria Presse Agentur

Internationale Presse zum Lockdown: "Nichtstun wäre noch schädlicher"

22. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Auch in den internationalen Medien ist der Lockdown in Österreich Thema. Sogar das deutsche Handelsblatt befindet dabei, dass der Lockdown unumgänglich sei.

Die internationale Presse berichtet über die große Demo der Maßnahmen-Gegner in Wien, die Spaltung der Gesellschaft, aber durchaus auch positiv über den verhängten Lockdown. 

"Neue Zürcher Zeitung":

"Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen sollten Ultima Ratio bleiben. Dass die Schweiz mit ihrem verhältnismässig liberalen Regime bei der Todesfallinzidenz nur unwesentlich schlechter abschneidet als die viel strikteren Österreicher und Deutschen, zeigt: Die einfachsten Massnahmen bringen am meisten, Zusätzliches wird immer kostspieliger, während der Nutzen abnimmt. (...) 3G belässt allen alle Freiheiten, sofern sie immunisiert oder getestet sind. Darüber hinaus wäre vorübergehend auch ein teilweiser Wechsel auf die 2G-Regel (geimpft oder genesen) vertretbar. Er reduziert das Risiko einer Ansteckung und schafft weitere Impfanreize. Aller Erfahrung nach besonders schlecht ist hingegen das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Schul-, Läden- und Firmenschliessungen, von Beherbergungsverboten, Ausgangssperren oder auch von der Schliessung von Skigebieten."

"Handelsblatt" (Düsseldorf):

"Offenbar hat sich in (Österreichs) Wirtschaftskreisen die Einsicht durchgesetzt, dass der harte Lockdown zwar wirtschaftliche Schäden anrichten wird, etwa bei Läden ohne funktionierenden Onlinevertrieb, Nichtstun aber noch schädlicher wäre. (...)

Von solcher Einsicht in die Notwendigkeit ist bei der Demonstration in Wien am Samstag nichts zu spüren. (....) Man hat das Gefühl, in einen Karneval der bizarren Ideen hineingeraten zu sein, mit selbst ernannten Schamanen, Saxofonspielern mit Aluhüten, Impfgegnern in weißen Kitteln - und Tausenden Normalbürgern, die offenbar kein Problem damit haben, zusammen mit rechten Wirrköpfen zu demonstrieren."

"The Times" (London):

"Es liegt auf der Hand, dass die abwehrende Haltung der Ungeimpften die Geimpften auf lange Sicht nicht davon abbringen kann, ihre Freiheiten zu genießen. Die neuen gesundheitspolitischen Maßnahmen in Europa, von denen vor allem die Ungeimpften betroffen sind, spiegeln dies wider. (...) Die Komplikationen in Europa zeigen aber auch, dass die Spaltung zwischen Geimpften und Ungeimpften schnell tief und bitter werden kann, wenn die Pandemie in eine schwerere Phase eintritt, was in jedem Land wieder geschehen kann. Fehlinformationen schüren Misstrauen, das in Gewalt umschlagen kann. Das erinnert eindringlich an die Notwendigkeit, die Debatte über Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit ehrlich, sachlich und informiert zu führen - und weiter darauf hinzuwirken, dass Booster-Impfungen verabreicht werden."

"Nesawissimaja" (Moskau):

"In Wien gingen bis zu 40.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Entscheidung der Behörden zu demonstrieren, ab Montag eine dreiwöchige Ausgangssperre und ab Februar Zwangsimpfungen zu verhängen. In den Niederlanden löste die Nachricht von restriktiven Maßnahmen Unruhen aus. Auch in anderen europäischen Ländern kam es zu Protesten. Die Behörden stehen vor einem Dilemma: Wie können sie die Freiheiten maßvoll beschränken, ohne dass dabei ihre Umfragewerte sinken - und gleichzeitig die Sicherheit der Menschen gewährleistet und die Impfraten erhöht werden? Wenn wir nicht handeln, drohen Hunderttausende neuer Todesfälle."

"The New York Times":

"Europa erlebt gerade eine bedrohliche vierte Welle des Coronavirus, mit stark steigenden Infektionsraten. Österreich ist zwar das erste europäische Land, das mit einem landesweiten Lockdown darauf antwortet, aber es ist womöglich nicht das letzte. Diese Aussicht, gemeinsam mit immer strengeren Impfvorschriften, ruft hier und anderswo heftige Gegenreaktionen hervor, mit Massendemonstrationen in Wien, Brüssel und der niederländischen Stadt Rotterdam am Wochenende, zuweilen mit gewalttätigen Ausschreitungen. Aber europäische Spitzenpolitiker dürften das Gefühl haben, dass ihnen kaum eine Wahl bleibt, trotz der Verbreitung der Impfstoffe, die vor einem Jahr noch als sicherer Ausweg aus der Pandemie galten."

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam