Intensivstations-Leiter: Jede Maßnahme wirkt sich erst zwei Wochen später aus

08. Sept 2021 · Lesedauer 2 min

Alle Patienten auf der Intensivstation des Universitätsklinikums St. Pölten seien ungeimpft, erklärt Leiter Christoph Hörmann im Interview. Noch habe die Auslastung kein kritisches Ausmaß, aber die Entwicklung schreite "rasend schnell" voran.

Alle Intensivpatienten des Universitätsklinikums St. Pölten, aktuell fünf und damit zehn Prozent der Kapazität auf der Intensivstation, sind ungeimpft, wie Leiter Christoph Hörmann im PULS 24 Gespräch mit Bianca Ambros angibt. Die Kranken sind im Gegensatz zu früher jünger.

Als Intensivbettenkoordinator für Niederösterreich sieht er auch, dass bundeslandweit zwar einige der hospitalisierten Erkrankten Vorerkrankungen haben, doch einige "sind einfach nur durch das Covid-Virus so schwer erkrankt".

Am Mittwoch verkündeten Bund und Länder den Drei-Stufen-Plan als Reaktion auf die steigenden Corona-Zahlen. Aktuell wurden erstmals seit April wieder über neue 2.000 Fälle eingemeldet. Jede gesetzte Maßnahme wirkt sich ungefähr zwei Wochen später auf die Belegung der Intensivstation aus. Drei bis acht Tage nach Ansteckung erkranken die Leute, "drei, vier, fünf Tage später" seien sie dann laut dem Mediziner so krank, dass sie eine Behandlung im Spital oder auf der Intensivstation brauchen.

Stationen füllen sich "rasend schnell"

Wenn zehn Prozent der Patienten an Covid erkrankt seien, sei eine Behandlung ohne Einschränkungen möglich. Bei bis zu 20 Prozent müsse man bereits erste Maßnahmen ergreifen, um Personaleinsatz zu optimieren. Bei über 20 Prozent "geht's bereits an Verschiebungen von Eingriffen". Diese sind aber aktuell in St. Pölten noch nicht erreicht, die Entwicklung ginge jetzt aber "rasend schnell".

Das Hauptproblem sei, dass "normale" Intensivfälle 3,5 bis vier Tage ein Bett auf der Intensivstation belegen. Jedes Bett, dass mit einem Covid-Patienten belegt ist, wird zwei bis drei Wochen nicht frei. Jeder dazukommende Patient "führt relativ rasch zu dieser Erreichung der 20 Prozent".

Am Spital hätte man während der Pandemie viel gelernt, zum Beispiel, wie man Kräfte optimal einsetzt. Aber wird die Zahl der Patienten zu hoch, nütze das alles nichts. 

Abgänge und "Müdigkeit" bei Intensivpersonal

Durch die Pandemie, die seit über 1,5 Jahren grassiert, hätte es Abgänge beim Personal gegeben, die zwar nachbesetzt wurden, aber "eine gewisse Müdigkeit" sei sehr wohl zu sehen.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam