Kärntens Intensivbettenkoordinator Primar Rudolf LikarAPA

Intensivbettenkoordinator: "Jeder hat die Freiheit, an Covid zu sterben"

25. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

"Jeder hat die Freiheit, an Covid zu erkranken, jeder hat die Freiheit, an Covid zu sterben", sieht Kärntens Intensivbettenkoordinator Rudolf Likar die Beratungsresistenz der Impfskeptiker pragmatisch. Für Kärnten hofft er auf eine weitere Stagnation der Intensivpatienten, ein Unsicherheitsfaktor seien jedoch die Herbstferien.

Vierzehn Corona-Intensivpatienten liegen aktuell auf Kärntens Intensivstationen, zehn bis zwanzig Prozent davon seien geimpft. Diese Zahl sei stagnierend, erklärt Intensivbettenkoordinator Rudolf Likar im PULS 24 Interview. 

Momentan "kein Problem" bei Intensivbetten

Bis zu einer Auslastung von 20 Betten sei man noch in Stufe eins des Intensivbettenplans. Sollte man in Kärnten unter dieser Zahl bleiben "haben wir wirklich kein Problem". "Natürlich sind trotzdem 90 Prozent der Intensivbetten besetzt", so Likar, Kärnten befinde sich nicht im Lockdown, es gebe trotzdem weiterhin Herzinfarkte und Unfälle. Die Intensivauslastung in Kärnten liege immer bei 85 bis 90 Prozent oder darüber. 

Hoffen auf Stagnation der Zahlen

Der Medizinier hofft, dass die Durchimpfungsrate von fast 65 Prozent in Kombination mit einem Anteil Genesener ausreicht, dass es weiter bei der Stagnation der Intensivpatienten bleibt. Aktuell komme man gut mit der Situation zurecht, indem man die Corona-Patienten gleichmäßig auf die Kärntner Krankenhäuser aufteilt. Steigen die Zahlen weiter, könne man nur Aufwachzimmer in Intensivräume umwandeln und noch mehr OPs verschieben.

Reiserückkehrer könnten Überlastung verursachen

So wie sich der Verlauf der vierten Welle bis jetzt darstellt, glaubt Likar nicht, dass Kärnten ein Problem mit Intensivbetten bekommen wird. Ein Unsicherheitsfaktor seien jedoch die Herbstferien, die eine höhere Infektionsrate verursachen könnte. "Wenn jedoch viele im Ausland sind und positiv zurückkommen, haben wir ein Problem." Er hofft jedoch bei den Menschen "auf einen bestimmten Vernünftigkeitsgrad" und dass sie sich zum Beispiel mit Masken schützen. Eine gewisse Vernunft, so denke er, "sei vorhanden". 

Intensivstationen: Ein Covid-Patient braucht Platz von drei bis vier anderen

Der Mediziner persönlich hätte die Pandemie für bereits für beendet erklärt, wenn wegen der Corona-Patienten andere Personen nicht die Intensivplätze wegnehmen würden. Ein Covid-Patient verhindere drei bis vier andere Patienten auf der Intensivstation. "Covid wird uns erhalten bleiben", man müsse das beste aus der Situation machen und damit zu leben lernen.

"Jeder hat die Freiheit, an Covid zu erkranken, jeder hat die Freiheit, an Covid zu sterben"

Den Stufenplan der Regierung empfindet Likar für "sinnvoll", er glaubt auch, dass die Durchimpfungsrate dadurch leicht nach oben gehen wird, aber "nicht so viel, wie man sich erwartet". Angesprochen auf Impfverweigerer, sieht Likar die Lage pragmatisch: "Jeder hat die Freiheit, an Covid zu erkranken, jeder hat die Freiheit, an Covid zu sterben. Jeder kann sich impfen lassen, jeder kann sich schützen." Wenn einer das nicht tue, habe er das selbst zu verantworten. "Wenn dieses ethische Problem nicht wäre, wäre es einfach zu argumentieren."

Die Archillesferse sei das Pflegepersonal, weder Beatmungsmaschinen noch Intensivbetten. Auf die müsste man schon längst schauen. Man müsse Supervisionen machen und mehr Personal ausbilden. Da wäre ganz Österreich gefordert, nicht nur Kärnten. Außerdem müsse man die Arbeit wertschätzen, die geleistet wird. "Da tut sich schon was", ist er sich sicher. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam