Fünf Prozent bei Demos radikalisiert, nach weiteren "wird gefischt"

29. Jan. 2022 · Lesedauer 2 min

Extremismusforscher Nicolas Stockhammer spricht sich dafür aus, die fünf Prozent der gewaltbereiten, radikalisierten Demo-Teilnehmer von den friedlichen Demonstranten zu trennen. So könne man vermeiden, dass die Menge aufgestachelt wird. Er rechnet damit, dass die Radikalisierung aber auch nach Pandemie-Ende fortschreitet.

Extremismusforscher Nicolas Stockhammer sieht den Anteil der Demonstranten mit extremistischem Potential bei Demos bei fünf Prozent. Nach weiteren Radikalisierungsbereiten werde in der sogenannten Ausfransmenge gefischt. Dort sei auch Gewaltbereitschaft zu sehen. Anstiftung passiere in Sozialen Medien und durch Aufschaukeln direkt bei der Demo. Das Potential sei noch oben hin offen.

Radikalisierung: Gegen Personen statt Themen kämpfen

Die Polarisierung in der Gesellschaft werde vorangetrieben. Wenn Personen Entscheidungen der Politik emotionalisieren und auf sich beziehen, bestehe die Gefahr der Radikalisierung. Sehr weit vorangeschritten sei inzwischen die sogenannte affektive personenbezogene Polarisierung. Dabei "wird nicht nur das Thema bekämpft, sondern auch Personen, die für das Thema stehen."  Solange die Impfpflicht bestehe, sei auch davon auszugehen, dass sich die Lage weiter zuspitzt.

Nach dem Abflachen der Corona-Pandemie könnte es sein, dass die Radikalisierung durch Propaganda weiterwächst. Damit rechnet Stockhammer. Es wäre aber auch möglich, dass die Entwicklung, wie die Pandemie, abflacht.

"Alt-Neonazis" können Demo stark beeinflussen

Leider sehe man – auch in der Symbolik – rechtsextreme Durchdringung. Es gebe verschiedene tonangebende Akteure. Das gehe von der Impfgegner-Partei MFG bis zu Verschwörungstheoretikern von QAnon. Im rechtsextremen Milieu seien es immer wieder dieselben. Gottfried Küssel sehe man immer wieder mitmarschieren. "Auch diese Alt-Neonazis haben hier ihren Platz", die die Demonstrationen sehr stark beeinflussen können, beschreibt der Experte.

Um der Radikalisierung entgegenzuwirken, müsse man die 95 Prozent der friedlichen Demonstranten von Amtsbekannten und Hooligans, die gewaltbereit seien und andere aufstacheln, trennen. Die friedliche Demonstration sei mit der Demokratie zu vereinbaren.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam