APA - Austria Presse Agentur

Experten meinen: Pandemie "hätte verhindert werden können"

13. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

Ein internationales Expertengremium ist sich einig: Die Corona-Pandemie hätte verhindert werden können. Dafür hätte man früher auf die Warnsignale regieren müssen, heißt es aus Genf. Zudem hätten einzelne Länder konsequenter bei der Einhaltung von Maßnahmen sein müssen.

Die weltweite Verbreitung des Coronavirus mit ihren schrecklichen Auswirkungen hätte nach Ansicht unabhängiger Experten vermieden werden können. Dafür aber hätten die Warnsignale sofort beachtet, die WHO früher Alarm schlagen und die einzelnen Länder konsequenter reagieren müssen, hieß es in einem am Mittwoch in Genf vorgelegten Bericht eines internationalen Expertengremiums.

"Die Situation, in der wir uns heute befinden, hätte verhindert werden können", konstatierten die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingesetzten Experten. Ein "toxischer Cocktail" aus Zaudern, fehlender Vorbereitung sowie schlechter Reaktion auf die Krise sei für das dramatische Ausmaß verantwortlich, erklärte die Ko-Präsidentin des Gremiums, Ellen Johnson Sirleaf. Nur so habe sich die jetzige "katastrophale humanitäre Krise" entwickeln können, die von den Experten als "Tschernobyl des 21. Jahrhunderts" bezeichnet wird.

Seit Pandemie-Beginn: Hass gegen Wissenschaftler

Die Experten in Genf gehen davon aus, dass wenn einige Länder konsequenter in der Einhaltung der Maßnahmen gewesen wären, dass die Pandemie hätte verhindert werden können. Allerdings sind vielerorts Experten teils heftigen Anfeindungen ausgesetzt.

Weltweit 3,3 Millionen Corona-Tote

An den Folgen einer Corona-Infektion starben weltweit inzwischen mindestens 3,3 Millionen Menschen. Staatliche Institutionen hätten vielerorts "versagt in der Aufgabe, Menschen zu schützen", hieß es in dem Bericht. Zudem hätten Erkenntnisse der Wissenschaft leugnende Staats- und Regierungsschefs beziehungsweise andere Verantwortliche das Vertrauen in die nötigen Maßnahmen zersetzt.

"Schlechte strategische Entscheidungen, fehlender Wille zur Bekämpfung von Ungleichheiten und ein unkoordiniertes System schufen einen toxischen Cocktail, der es der Pandemie erlaubte, sich in eine katastrophale humanitäre Krise zu entwickeln", erklärte die ehemalige liberianische Präsidentin Sirleaf, die gemeinsam mit der früheren neuseeländischen Premierministerin Helen Clark das Gremium leitet. "Es gab eine Spirale von Versagen, Lücken und Verzögerungen bei der Vorbereitung und der Reaktion."

WHO erwartet kein Ende der Pandemie vor 2022

Schon Anfang März 2021 verkündete die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass sie nicht von einem Ende der Corona-Pandemie 2021 ausgehe.

WHO hätte Notstand früher ausrufen sollen

Das Gremium aus 13 Experten war nach heftiger Kritik an der WHO von dieser ins Leben gerufen worden. Es untersuchte acht Monate lang die Ausbreitung des Coronavirus und die von der WHO und den einzelnen Staaten ergriffenen Maßnahmen.

Die WHO war oft kritisiert worden, vor allem zu Beginn zu langsam reagiert zu haben. Auch die Experten kamen nun zu dem Schluss, dass die WHO den weltweiten Gesundheitsnotstand früher als am 30. Jänner 2020 hätte ausrufen müssen. Allerdings betonte die Ko-Vorsitzende Clark, dass dies wahrscheinlich nicht viel geändert hätte. Ohnehin hätten viele Länder erst reagiert, nachdem die WHO im März 2020 die Epidemie zur weltweiten Pandemie erklärt habe.

Es habe also unmittelbar nach dem erstmaligen Auftreten des neuartigen Coronavirus Ende 2019 in Wuhan "ganz klar Verzögerungen in China" gegeben, konstatiert Clark. "Aber letztlich gab es überall Verzögerungen." Ohne all diese Verzögerungen "würden wir jetzt nicht diese Ausmaße haben".

Impfung wirksam im Kampf gegen Pandemie

Das Expertengremium zog allerdings nicht nur Bilanz, sondern richtete das Augenmerk auch in die Zukunft: Um das Virus weltweit einzudämmen, müssten die reichen Länder, in denen die Impfkampagne schon weit fortgeschritten sei, bis zum 1. September mindestens eine Milliarde Impfdosen an die ärmsten Staaten der Welt spenden. Mehr als zwei Milliarden weitere Dosen sollten bis Mitte 2022 zur Verfügung gestellt werden, forderten sie.

Zudem sollen nach Auffassung der Experten Vakzin-Produzenten freiwillig ihr Wissen weitergeben und beim Aufbau von Produktionskapazitäten helfen. "Wenn es da innerhalb von drei Monaten keinen Fortschritt gibt, sollte es eine Aussetzung des Patentschutzes geben", wurde in dem Bericht außerdem empfohlen.

WHO-Chef kritisiert: Kaum Impfdosen für arme Länder

Bereits im Jänner übte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus Kritik am Umstand, dass reiche Länder sich den gesamten Impfstoff sichern und arme Länder benachteiligt werden.

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea