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Schernhammer: Öffnungsschritte waren wahrscheinlich zu früh

11. März 2022 · Lesedauer 2 min

Angesichts der extrem hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen wird zurzeit wieder über die Pandemie-Strategie in Österreich gesprochen. Epidemiologin Eva Schernhammer sieht bereits eine Gefahr für die systemkritischen Bereiche und auch Patientenanwältin Sigrid Pilz spricht sich für die Wiedereinführung einiger Corona-Maßnahmen aus.

"Die letzten Berechnungen zeigen jetzt doch wieder, dass es möglicherweise schon systemkritisch werden könnte, wenn diese hohen Infektionszahlen bleiben", sagt die Epidemiologin Eva Schernhammer in der "ZiB2". Schernhammer, die selbst Mitglied jener Experten-Kommission ist, die der Regierung ein Aussetzen der Impfpflicht empfohlen hat, rudert bei den Maßnahmen zurück: "Diese Öffnungsschritte hätte man wahrscheinlich erst setzten dürfen, wenn ein stabiler Abwärtstrend sichtbar ist".

"Leben in sehr gefährlichen Kurs"

"Wenn wir immer darauf warten, dass wir erst handeln, wenn die Systeme am Anschlag sind, dann leben wir in einem sehr gefährlichen Kurs", sagt die Patientenanwältin Sigrid Pilz im "Ö1-Morgenjournal". Die Bevölkerung kenne sich bei den Aussagen der Politiker und Expertengremien nicht mehr aus, weshalb Verunsicherung herrsche. Sie verstehe nicht, wie am angesichts der hohen Infektionszahlen von einem "Frühlingserwachen" sprechen könne, "wenn wir mitten in der größten Krise sind".

Im Newsroom LIVE kritisiert Gesundheitsminister Johannes Ruch die Corona-Kommunikation der Regierung. 

Wiedereinführung von Schutzmaßnahmen

"Wir müssen zurück zu einer Niedrig-Inzidenz-Strategie", betont Pilz. Dass manche einer Corona-Erkrankung mit der Grippe vergleiche, sei "ein ganz fatales Signal, denn wir wissen noch zu wenig von Spätfolgen. Die Bezeichnung 'mild' soll nur suggerieren, dass wir kein Problem mehr haben, aber wir haben noch eins", sagt die Anwältin. Man müsse weg von der Strategie: "Jeder soll auf sich selber schauen".

Daher spreche sich Pilz auch für eine Wiedereinführung der Corona-Schutzmaßnahmen aus. Darunter etwa eine FFP2-Maskenpflicht in Innenräumen und Schulen, eine Lüftungsstrategie in öffentlichen Gebäuden und Homeoffice, in den Berufen, wo es denkbar ist. Zusätzlich spreche sie sich für ein Beibehalten der gratis Corona-Tests aus.

Bundesländer sollen Wiener Beispiel folgen

Die Anwältin hebt im Interview auch den Wiener Sonderweg in der Pandemie hervor. Ihrer Meinung nach sei die Bundehauptstadt "immer einen besseren und sicheren Kurs gegangen". Die anderen Bundesländer sollten sich hier laut Pilz an Wien ein Beispiel nehmen. Denn der Anstieg der Infektionszahlen schade vor allem Kindern und vulnerable Personen, so Pilz auf "Ö1". "Wenn wir aufhören solidarisch zu sein, schaden wir uns selbst", meint sie im Interview.

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea