APA - Austria Presse Agentur

Deutschland bereitet sich auf Triage vor - Montgomery fordert Hilfe vom Heer

26. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Weltärztebund-Chef Frank Ulrich Montgomery warnt vor dramatischen Zuständen an deutschen Spitälern.

"Wir alle bereiten uns auf eine Triage vor", fasst Montgomery die Lage an Deutschlands Krankenhäusern zusammen. Grundsätzlich versuchten Ärzte alles, um diese letzte entsetzliche Entscheidung abzuwenden. "Aber angesichts der steigenden Infektionszahlen müssen sich die Kliniken vorbereiten", sagte der Mediziner.

Nur "Erfolgsaussicht" zählt

Wenn eine Triage-Entscheidung nicht vermieden werden könne, dann werde jeder Patient unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion oder auch der Frage, ob er geimpft sei oder nicht, betrachtet. In dieser Hinsicht würden alle Menschen gleich behandelt. "Es zählt dann vor allem die klinische Erfolgsaussicht", sagte Montgomery.

Bereits im vergangenen Herbst hätten die medizinischen Fachgesellschaften und die Bundesärztekammer grundsätzliche Empfehlungen für Triage-Entscheidungen ausgesprochen, um den betroffenen Ärzten im Notfall die Entscheidung zu erleichtern, welcher Patient den Vorzug bekommt, wenn die Intensivkapazitäten nicht mehr für alle reichten.

Bundeswehr muss helfen Patienten in andere Länder zu verlegen

Um die Kliniken zu entlasten, müssten Patienten auch in andere europäische Länder verlegt werden, forderte Montgomery. "Die systematische Verlegung von Covid-Patienten ins Ausland muss jetzt eingeleitet werden. Dabei muss auch die Bundeswehr helfen."

In der ersten Pandemie-Welle habe Deutschland anderen Ländern Hilfe geleistet. Jetzt würden andere Länder mit besseren Kapazitäten den Deutschen Hilfe leisten. Es gebe Nachbarländer mit sehr viel günstigeren Inzidenzen, sagte der Weltärztebund-Vorsitzende. "Frankreich geht es etwas besser als uns, Italien geht es deutlich besser."

Wenn die Zahlen allerdings weiter stiegen, gehe es nicht mehr darum, zehn Patienten auszufliegen. "Dann geht es um Hunderte oder sogar Tausende, für die die Intensivbetten knapp werden", sagte Montgomery. Dies sei dann eine Größenordnung, die nicht mehr mit Verlegungen ins Ausland bewältigt werden könne.

Über 76.000 neue Fälle

Die Zahl der binnen eines Tages ans Robert Koch-Institut übermittelten Corona-Neuinfektionen hat wieder einen Höchststand erreicht. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI-Angaben von Freitagfrüh 76.414 Fälle in 24 Stunden. Vor genau einer Woche waren es 52.970 gewesen. Die Sieben-Tage Inzidenz gab das RKI mit 438,2 an - ebenfalls ein Höchstwert.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam