APA - Austria Presse Agentur

AstraZeneca: Warum Statistiken die Vorwürfe entkräften

12. März 2021 · Lesedauer 3 min

Der Ruf des Impfstoffs von AstraZeneca ist nach dem Tod einer Krankenschwester in Niederösterreich ramponiert. Der Verdacht, der vor allem in Sozialen Netzwerken als Tatsache dargestellt wird: Das Vakzin löse Gerinnungsstörungen aus. Das sei ungerechtfertigt sagen Experten.

Gerinnungsstörungen treten häufig auf

Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres: "Nachdem 10 Millionen Menschen in England geimpft wurden und fünf Millionen im Rest von Europa, hätte es schon auffallen müssen, wenn hier ein Zusammenhang besteht, aber es gehört genau untersucht". Fälle von Gerinnungsstörungen seien häufig. "Diese Thrombosen und Lungeninfarkte treten in der ganzen Bevölkerung auf - gar nicht selten. Und gehäuft bei Frauen, weil es eine Assoziation zur Pille gibt und zur genetischen Veranlagung." 

"Richtig, Impfung nicht auszusetzen"

Epidemiologe Herwig Kolleritsch gibt an, dass die Zahlen zeigen würden, dass Blutgerinnungsstörungen bei Geimpften mit AstraZeneca nicht häufiger auftreten als bei Ungeimpften. 130.000 Personen seien bisher mit AstraZeneca geimpft worden. Laut Statistik müssten innerhalb von zwei Wochen 3,7 Personen ein sogenanntes thrombo-embolisches Ereignis erleiden. Es gebe überhaupt keinen Hinweis auf eine Häufung nach der Impfung. Es wäre richtig, die Impfung nicht auszusetzen. Der Ruf der Impfung sei aber ramponiert. Das wieder in Ordnung zu bringen, sei ein langwieriger Prozess. 

Großbritannien: Gute Erfahrungen mit AstraZeneca

In Großbritannien wurde zur Hälfte AstraZeneca geimpft, elf Millionen Dosen wurden verabreicht. Schwere Erkrankungen und heftige Nebenwirkungen habe es bisher nicht gegeben, zitiert Ö1 Dr. Alberto Giubilini von der Universität Oxford, der den Impfstoff mitentwickelt hat. Dort hat man mit dem Impfstoff gute Erfahrungen gemacht. 

 

"Natürlich!": Praktische Ärztin rät all ihren Patienten zur AstraZeneca-Impfung

Martina Hasenhündl, Allgemeinmedizinerin in Stetten in Niederösterreich über die Angst der Patienten vor AstraZeneca.

AZ-Nebenwirkung: Schwere Allergien möglich

Am Freitag gab die EMA bekannt, Anaphylaxie sowie Überempfindlichkeitsreaktionen in die Liste der möglichen Nebenwirkungen des AstraZeneca-Vakzins aufnehmen zu wollen. Unter fünf Millionen Geimpften gibt es 41 Fälle einer möglichen allergischen Reaktion. Gleichzeitig wies die EMA darauf hin, dass schwere allergische Reaktionen auch bei Impfungen gegen andere Krankheiten eine bekannte seltene Nebenwirkung sind. Der AstraZeneca-Beipackzettel empfiehlt bereits jetzt, dass Patienten nach einer Impfung noch mindestens 15 Minuten unter Beobachtung bleiben sollten, um auf mögliche allergische Reaktionen reagieren zu können.

Zur Vorgeschichte: 

In Zwettl starb eine Krankenschwester, wenige Tage zuvor wurde sie geimpft. Bei der dabei verimpften AstraZeneca-Charge wurde daraufhin die Abgabe an die Bevölkerung eingestellt. Kurz darauf stoppten Dänemark, Island und Norwegen die Verabreichung aller AstraZeneca-Impfungen. Doch die Arzneimittelbehörde der Europäischen Union (EMA) gab am Mittwoch bekannt, dass bisher keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Tod der Niederösterreicherin und dem Vakzin hergestellt werden kann. Zu diesem Zeitpunkt brodelte die Gerüchteküche vor allem in den Sozialen Netzwerken schon längst, europaweit meldeten sich viele Menschen von der AstraZeneca-Impfung ab, auch in Österreich nimmt das Misstrauen zu. Befeuert wird das auch von der FPÖ. Herbert Kickl forderte am Freitag einen AstraZeneca-Stopp für Österreich. 

Ärztekammer-Präsident für Weiterimpfen von AstraZeneca

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam