APA - Austria Presse Agentur

100 Tage bis zum Erststich: Frist für Versprechen von Kurz endet

12. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

"In 100 Tagen sind alle geimpft", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am 3. April. Am Montag endet die Frist, das Ziel wurde knapp nicht erreicht.

Am Osterwochenende wandte sich der Bundeskanzler in einem Video an die Bevölkerung. In 100 Tagen werden alle zum ersten Mal geimpft sein, die das wollen, versprach er in der Botschaft. Am Montag sind die 100 Tage nun vorbei. Alle, die das wollen, sind aber noch nicht geimpft. Das hat mehrere Gründe.

Die Impfbereitschaft stieg

Im April fragte die Uni Wien die Impfbereitschaft in der österreichischen Bevölkerung ab. 22 Prozent gaben damals an, bereits geimpft zu sein, 26 Prozent wollten es "sicher ehestmöglich" tun und elf Prozent "eher ehestmöglich". Stand April hat es also rund 5,2 Millionen impfwillige Menschen gegeben. 5.029.943 haben in Österreich bis Sonntag die Erstimpfung erhalten. Stand damals wurde das Ziel beinahe erreicht.

Allerdings gaben bei der Befragung im Juni dann schon 68 Prozent an, geimpft zu sein oder sich zum ehestmöglichen Termin impfen zu lassen. Nur mehr 16 Prozent lehnten eine Impfung strikt ab. Die Impfbereitschaft stieg also seit April an. Das zeigte auch der rege Andrang auf Impfmöglichkeiten ohne vorige Anmeldung am Wochenende in mehreren Bundesländern. Fraglich ist dennoch, ob die Impfbereitschaft ausreichen wird: Experten gehen mittlerweile davon aus, dass angesichts der Delta-Variante eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent erforderlich sein wird. 

Kurz: "Verantwortung liegt bei Einzelnen"

Bundeskanzler Sebastian Kurz erwartet deshalb nun auch eine vierte Welle, wie er am Montag gegenüber PULS 24 in New York sagte. Bezüglich der Impfung sieht er die Verantwortung nun aber nicht mehr beim Staat, sondern bei jedem Einzelnen. Jeder Österreicher hätte momentan die Möglichkeit, sich mit einer Impfung gegen das Virus zu schützen. Fünfeinhalb Millionen Menschen seien geimpft, darunter 90 Prozent der Über-80-Jährigen, also der am meisten Gefährdeten. Bald werden auch fast alle über 65 immunisiert sein, so Kurz.

"Deswegen können wir die Krise neu bewerten und die Verantwortung jedem Einzelnen überlassen. Wir müssen den Menschen sagen: Wer sich nicht impft, wird das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit bekommen und vielleicht auch daran erkranken", sagte Kurz.

In seiner Rede im April hatte Kurz auch angekündigt, dass noch im April alle über 65-Jährigen und im Mai alle über 50-Jährigen die Erstimpfung erhalten können. Mittlerweile, Stand 11. Juli, haben in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen 75 Prozent eine Erstimpfung bekommen, bei den 45- bis 55 -Jährigen sind es rund 65 Prozent. Zwischendurch kam es immer wieder zu Lieferverzögerungen, derzeit sollte aber genug Impfstoff vorhanden sein. Bei den Erstimpfungen liegt Österreich derzeit über dem EU-Schnitt.

Menschen, die die erste Impfung erhalten haben

Fünf Millionen bis Ende Juni

Ein weiteres Ziel der Regierung war es, dass bis Ende Juni fünf Millionen Menschen eine Erstimpfung erhalten haben sollen. Kurz hatte Anfang April ebenfalls versichert, dass alle Impfwilligen bis Ende Juni den Erststich erhalten, Anfang Juni wurde das Ziel nach unten revidiert. Mehr als fünf Millionen Österreicher - genau 5.005.125 oder 56 Prozent der Bevölkerung - haben nach den Daten des E-Impfpasses bis Freitag zumindest eine Corona-Teilimpfung erhalten. Damit wurde das Ziel von fünf Millionen Geimpften bis Ende Juni um neun Tage verfehlt. 41 Prozent der Österreicher haben beide Teilimpfungen erhalten.

Kurz rechnet damit, dass die Fallzahlen wieder steigen werden. Lockdowns oder Schließungen einzelner Bereiche schließt er aber auch bei sehr hohen Infektionszahlen derzeit aus. Die 3-G Regel wird es aber weiterhin geben, auch die Wiedereinführung eine Maskenpflicht in sensiblen Bereichen hält Kurz wieder für denkbar.

Quelle: Redaktion / koa