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Vier-Tage-Woche bei gleichem Lohn: Mehr Produktivität, mehr Umsatz

21. Feb. 2023 · Lesedauer 2 min

Nur vier Tage arbeiten bei vollem Lohn: Nach einem sechsmonatigen Pilotprojekt in Großbritannien wollen mehr als vier von fünf der beteiligten Firmen an dem Konzept festhalten.

56 von 61 Arbeitgebern teilten nach Ende der Testphase mit, die Vier-Tage-Woche beibehalten zu wollen. 18 bestätigten das Konzept sogar bereits als dauerhaft eingeführt. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Analyse von Forschern aus Boston sowie Cambridge hervor.

Gesteigerte Produktivität, gesteigerter Umsatz

Sie hatten das Projekt wissenschaftlich begleitet und Tiefeninterviews mit Beteiligten geführt. "Vor Beginn des Projektes haben viele gezweifelt, ob wir eine Steigerung der Produktivität sehen würden, die die Verkürzung der Arbeitszeit ausgleicht - aber genau das haben wir festgestellt", sagte Brendan Burchell von der Universität Cambridge einer Mitteilung zufolge. Durchschnittlich stieg der Umsatz der beteiligten Unternehmen der Analyse zufolge während der Testphase in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres um 1,4 Prozent.

Die Krankheitstage gingen demnach während des Testzeitraums um rund zwei Drittel (65 Prozent) zurück und die Zahl der Angestellten, die in dieser Zeit das Unternehmen verließen, fiel um mehr als die Hälfte (57 Prozent). Rund vier von zehn Beschäftigten gaben an, sich weniger gestresst zu fühlen als vor Beginn des Projektes.

Auch in Österreich vorstellbar?

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch hat die britische Studie heute genutzt um Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) aufzufordern, Beschäftigte und Unternehmen bei der Umsetzung einer Vier-Tage-Woche zu unterstützen. Der SPÖ-Sozialsprecher kann sich auch für Österreich ein groß angelegtes Pilotprojekt zur Vier-Tage-Woche vorstellen. "Das ist soziale Politik für Österreich", so Muchitsch.

An dem britischen Projekt nahmen sowohl Unternehmen aus dem Finanzsektor, der IT- und Baubranche sowie der Gastronomie und dem Gesundheitswesen teil. Insgesamt beschäftigen die beteiligten Firmen rund 2.900 Angestellte. Einige Betriebe führten flächendeckend ein dreitägiges Wochenende ein, während andere den freien Tag der Angestellten über die Woche verteilten oder an Ziele koppelten.

Auch in anderen Ländern wird mit der Vier-Tage-Woche experimentiert, darunter Irland, Island, Belgien oder Australien.

Darüber diskutieren  Journalistin Annelise Rohrer, Autorin und Arbeitsmarktexpertin Veronika Bohrn Mena und Ex-SPÖ-Politikerin Brigitte Ederer bei "WildUmstritten" - Am Dienstag, dem 21. Februar, bei Werner Sejka um 20.15 Uhr auf PULS 24 und in der ZAPPN App

Quelle: Agenturen / Redaktion / ddj