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Rekordhoch: Inflation im Euroraum mit 10 % erstmals zweistellig

30. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Inflation im Euroraum war im September erstmals zweistellig. Die Verbraucherpreise stiegen angetrieben durch einen anhaltenden Preisschub bei Energie binnen Jahresfrist um 10,0 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag auf Basis einer ersten Schätzung mitteilte. Das ist das höchste Niveau seit Einführung des Euro.

Im August war die Rate noch bei 9,1 Prozent gelegen. Auch in Deutschland, der größten Volkswirtschaft im Euroraum, hat die Inflation im September die Schwelle von 10 Prozent durchbrochen. In Österreich rechnet die Statistik Austria laut einer Schnellschätzung für September mit einer Inflationsrate von 10,5 Prozent.

EZB-Zinserhöhung immer wahrscheinlicher

Mit dem unerwartet kräftigen Inflationsschub wird nun ein weiterer Jumbo-Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der nächsten Zinssitzung im Oktober immer wahrscheinlicher. Zuletzt hatten zahlreiche Währungshüter erklärt, dass eine Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte auf der Tagesordnung stehen sollte. Denn das Inflationsziel der EZB rückt jetzt immer mehr in die Ferne. Die Teuerungsrate ist mittlerweile fünfmal so hoch wie das Notenbankziel von zwei Prozent.

"Beängstigend ist, dass der Inflationsanstieg rasant breiter wird", kommentierte Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe die Daten. Auch der schwache Euro treibe den Inflationsanstieg an. "Dies erhöht den Druck auf die EZB, den Leitzins schnell und kräftig anzuheben." Aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat die hohe Inflation inzwischen dazu geführt, dass immer mehr Bürger bezweifeln, ob die EZB die Inflation langfristig wie versprochen auf zwei Prozent begrenzen kann. "Diese Entankerung der langfristigen Inflationserwartungen ist gefährlich", merkte er an. "Die EZB sollte ihren Einlagensatz rasch in Richtung vier Prozent anheben." Aktuell liegt dieser für die Finanzmärkte derzeit maßgebliche Schlüsselzins bei 0,75 Prozent. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, rechnet nun für die Oktober-Zinssitzung mit einer weiteren XXL-Anhebung um 0,75 Prozentpunkte.

In Deutschland war die Inflation nach europäischer Messung (HVPI) im September im Zuge des Wegfalls des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts sogar auf 10,9 Prozent gestiegen. In den Niederlanden lag sie noch höher bei 17,1 Prozent. Die höchsten Inflationsraten im Euroraum verzeichneten die drei baltischen Länder mit Teuerungsraten von mehr als 22 Prozent. In Frankreich fiel der Preisanstieg dagegen mit 6,2 Prozent am geringsten aus.

Energie-Preise als Inflationstreiber

Stärkster Inflationstreiber im September waren die in Folge des Ukraine-Kriegs immer weiter steigenden Energiepreise. Binnen Jahresfrist verteuerte sich Energie im September um 40,8 Prozent. Im August hatte der Anstieg noch 38,6 Prozent betragen. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak kletterten um 11,8 Prozent, nach 10,6 Prozent im August, die für Industriegüter ohne Energie zogen um 5,6 Prozent an, nach 5,1 Prozent im August. Dienstleistungen kosteten 4,3 Prozent mehr.

Sorgen dürfte der EZB bereiten, dass selbst ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel die Inflation ungebrochen steigt. Die sogenannte Kerninflation erhöhte sich auf 6,1 Prozent, nach 5,5 Prozent im August. Dies zeigt an, dass der Preisschub inzwischen immer weitere Bereiche der Wirtschaft erfasst. Für die Währungshüter ist das keine einfache Situation, da sich die Konjunktur inzwischen merklich abkühlt. Sie haben zuletzt aber klar gemacht, dass die Inflationsbekämpfung derzeit Vorrang vor Konjunkturerwägungen hat. Chefvolkswirt Krüger von Hauck Aufhäuser Lampe ist sich sicher: "Die hohe Kerninflation wird nur unter Hinnahme einer Rezession zu bekämpfen sein."

Quelle: Redaktion / mbe