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OÖ: Steuerfreier Zuverdienst in Pension gegen Arbeitskräftemangel

02. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Einen steuerfreien Zuverdienst in der Pension als eine Antwort auf die aktuelle Arbeitsmarktsituation, das hat sich oö. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) am Dienstag vom Bund gewünscht.

Die Notwendigkeit untermauerte er mit der Lücke zwischen offenen Stellen und Jobsuchenden sowie einer market-Umfrage unter Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Das Potenzial in der Altersgruppe 66 bis 75 Jahre könne so verdoppelt und die Leistung von 9.000 Arbeitskräften gewonnen werden.

Arbeitslosigkeit sinkt - offene Stellen steigen

Die Ausgangssituation sei grundsätzlich erfreulich, führte Achleitner aus: Die Zahl der Arbeitslosen in Oberösterreich sinke, im Juli betrug die Quote 3,7 Prozent. Der Rückgang betreffe alle Altersgruppen. Weiter zugenommen habe jedoch die Zahl der offenen Stellen. Aktuell seien 35.246 freie Jobs gemeldet, gut 8.000 mehr als es Arbeitssuchende in Oberösterreich gebe. Inzwischen werde auch in allen Sparten "händeringend nach Leuten gesucht", schilderte der Landesrat die Situation.

Pensionist:innen sollen zurückkehren 

Um die Lage zu entspannen, habe er die Gruppe der Pensionisten und Pensionistinnen vor Augen. Sein Eindruck: Viele würden gerne noch arbeiten. Das Wirtschaftsressort beauftragte daher das market-Institut mit der Studie "Zuverdienst in der Regelpension". Befragt wurden 1.012 (ehemalige) Arbeitnehmer zwischen 56 und 75 Jahren sowie 501 Betriebe ab zehn Mitarbeitern.

Erste Feststellung war laut market-Geschäftsführer David Pfarrhofer, dass nur jeder Siebente sich überhaupt gut mit dem derzeitigen System des Zuverdienstes im Alter auskenne. Demnach könne sich auch nur jeder Siebente vorstellen, in der Pension arbeiten zu gehen. Mehr als ein Viertel der Arbeitgeber würde sich das aber schon jetzt wünschen.

Das Blatt wende sich jedoch, wenn außer Sozialversicherungsabgaben keine weiteren Abzüge beim Zuverdienst anfallen würden. Dann würden schon 57 Prozent der Befragten in der Pension auf jeden Fall (25 Prozent) oder eher schon (32 Prozent) arbeiten gehen. Durchschnittlich zwischen gut 9 und knapp 14 Stunden die Woche. Drei Viertel der Arbeitgeber würden auch auf diese Gruppe zurückgreifen.

Achleitner sieht Politik gefordert 

Achleitner leitet aus dem Ergebnis ab, dass die Politik gefordert sei, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen. Seinen Vorschlag eines steuerfreien Zuverdienstes - ohne in das bestehende Pensionssysteme anzugreifen - habe er bereits an Arbeitsminister Martin Kocher und Finanzminister Magnus Brunner (beide ÖVP) übermittelt. "Binnen Jahresfrist" könnte ein entsprechendes Modell vom Bund ausgearbeitet werden, nannte der Landesrat als Zeithorizont.

KTM-Chef und Präsident der Industriellenvereinigung OÖ Stefan Pierer hatte auch schon via Medien ein ähnliches Modell vorgeschlagen. Wer nach Erreichen des Pensionsalters weiterarbeiten wolle, solle maximal drei Jahre steuerfrei verdienen können, dafür jedoch keine Pension beziehen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj