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Österreichische Spritpreise erstmals seit einem Jahrzehnt höher als EU-Schnitt

27. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Die Preise an den österreichischen Tankstellen sind aktuell bis zu sechs Prozent höher als in anderen EU-Nachbarstaaten - zum ersten Mal seit mindestens einem Jahrzehnt. Ursache sollen der OMV-Unfall sowie die Preisdeckel in Österreichs Nachbarstaaten sein.

Im von der Europäischen Kommission veröffentlichten "Oil Bulletin" werden die Tankstellenpreise sämtlicher EU-Staaten miteinander verglichen. Eine Auswertung des "Standard", die auf den Daten des "Oil Bulletin" basiert, zeigt, dass Österreich preistechnisch traditionell im unteren Drittel der EU-Staaten lag. Dabei waren Diesel und Superbenzin in Österreich stets um fünf bis 15 Prozent günstiger als in anderen EU-Staaten. So kostete Superbenzin Ende Februar durchschnittlich 12,7 Prozent weniger als im EU-Durchschnitt.

Diesel: 5,7 Prozent teurer als im EU-Schnitt

In den vergangenen Monaten stiegen die Spritpreise rasant an und befinden sich nun auf einem Hoch, das es schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr gab - Treibstoff kostet in Österreich erstmals seit langer Zeit mehr als in den restlichen Ländern der Europäischen Union. So zahlten Fahrzeuglenker Anfang vergangene Woche für Superbenzin um 5,1 Prozent und für Diesel um 5,7 Prozent mehr als im EU-Schnitt.

Warum steigen die Treibstoffpreise in Österreich mehr? 

Laut Experti:innen des ÖAMTC und des Fachverbandes der Mineralölindustrie der Wirtschaftskammer spielen die in vielen EU-Staaten eingeführten Preisdeckel eine wichtige Rolle. Während in Deutschland die Energiesteuer gesenkt wurde, in Italien ein staatlich verordneter Tankrabatt beschlossen und in Ungarn, Slowenien und Kroatien unterschiedliche Formen eines Preisdeckels eingeführt wurden, hat Österreich solche preisdämpfenden Maßnahmen bisher nicht umgesetzt.

Diese Maßnahmen drücken die durchschnittlichen EU-Tankpreise weiter nach unten und treiben die österreichischen Preise somit in die Höhe.

Eine andere Ursache sei der OMV-Unfall in der Raffinerie in Schwechat, der sich Anfang Juni ereignet hat. Die OMV versorgt den österreichischen Markt zu 50 Prozent - seit dem Unfall läuft die Anlage nicht mehr in ihrer vollen Kapazität und eine große Menge Treibstoff muss nun auf anderen Wegen (wie z. B. aus Deutschland) nach Österreich gebracht werden.

Hedwig Dolozeski, Geschäftsführer des Fachverbandes der Mineralölindustrie, berichtet von "unglaublichen Logistikproblemen", die die Tankpreise weiter hochtreiben würden.

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj