Öffnungen: Die Wirtschaft jubelt, manchem fehlt aber der Plan für den Herbst

16. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

Am Ende ist es doch schneller gegangen als gedacht und vor allem befürchtet: Mit 5. März darf die Nachtgastronomie ohne Sperrstunde und ohne Maskenpflicht wieder öffnen. In Hotels und Gastro gilt die 3G-Regel - nur nicht in Wien.

Bei den meisten Hoteliers und im Handel herrscht nun Aufbruchsstimmung. Nur Wien bleibt in Sachen Corona-Maßnahmen aber vorsichtiger, etwa mit 2G in der Nachtgastronomie - die Wirtschaft kritisiert Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) deshalb für seinen Sonderweg.

Abwarten in der Nachtgastronomie

"Es ist ganz wichtig, dass wir gleich wie die Tagesgastronomie behandelt werden, dass die Gäste ohne Maske kommen können", freute sich Nachtgastro-Sprecher Stefan Ratzenberger im APA-Gespräch über die bundesweite Regelung. Im Gepäck hatte der Branchenvertreter auch eine Forderung: "Es ist wichtig, die Wirtschaftshilfen und die Kurzarbeit über deren Ablauf am 31. März 2022 hinaus auf zumindest sechs weitere Monate auszudehnen." Anderenfalls drohe jetzt erst recht ein "Nachtgastronomie-Sterben". Denn man werde nicht - im Wortsinn über Nacht - an die alte, gewohnte Geschäftsgröße anschließen können.

Jubelstimmung herrscht auch bei den Hoteliers: Walter Veit, Präsident der Hoteliervereinigung, hofft für den österreichischen Tourismus auf "das größte Comeback seit Lazarus". Vorerst sei man wirtschaftlich aber "noch nicht über den Berg, da haben wir noch ein paar Herausforderungen abzuarbeiten, das darf man noch nicht abhaken". Veit geht davon aus, dass jene Hotels, die sich bisher für 2G entschieden hatten, bis 5. März dabei bleiben werden. "Für die Zeit danach wird man sich das sehr gut überlegen müssen, für den einen oder anderen wird es ein echter USP, eine Marktnische, für die es weiter eine Nachfrage geben wird."

Kraus-Winkler: 2G in Hotels in Wien "ist verwirrend"

Hotellerie kritisiert Wien

Für Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie, und Gregor Kadanka, Obmann des Fachverbandes der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), ist der heute angekündigte Stufenplan "ein wichtiger Schritt in Richtung Freiheit und Hoffnung auf Normalität".  Denn im Moment würde die Urlaubsentscheidungen für Frühling und Sommer gefällt - Erleichterungen würden da einen "wesentlichen Vorteil" gegenüber anderen europäischen Ländern bringen. 

Kritik übt Kraus-Winkler an Wien, wo die 2G-Regel in Hotels bleibt: Das sei "verwirrend" - weil man mir 3G einreisen dürfte, in Hotels dann aber nur mit 2G einchecken, sagt sie gegenüber PULS 24.

Vor allem für die Stadthotellerie und für die Reise- und Veranstalterbranche sei die Erleichterung der Einreisebestimmungen von 2G auf 3G von großer Bedeutung, sagte auch Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). "Damit wird unser Tourismusstandort nicht nur für europäische Nahmärkte und Großbritannien attraktiver, sondern auch für Fernmärkte wie die USA, Russland und China." 

Hotelier und Gastronom Sepp Schellhorn wiederum sieht in den Öffnungen zwar einen "Schritt in die richtige Richtung", hätte sich aber auch einen Fahrplan für den Herbst erwartet. Er warnt im PULS 24 Interview außerdem, dass das Geschäft nicht "mit einem Fingerschnippen" wieder so sein werde wie früher.

Mahrer: "Längst überfälliger Schritt"

Für WKÖ-Präsident Harald Mahrer bedeutet "die Abschaffung aller nicht mehr notwendigen Maßnahmen im Frühjahr eine Entlastung der Betriebe und der Menschen und damit maximale Freiheit im Alltag". Die heute angekündigten Lockerungen seien "ein längst überfälliger Schritt in Richtung Normalität". 

Wien bleibt härter

Allerdings bleibt Wien in Sachen Corona-Schutzmaßnahmen weiterhin vorsichtiger, in der Bundeshauptstadt fällt die 2G-Regel in der Gastronomie nicht mit dem 19. Februar. Und auch bei der Öffnung der Nachtgastronomie ab 5. März wird es in Wien Zutritt nur für Geimpfte und Genesene geben, wie Wiens Bürgermeister am Nachmittag bekanntgab.

Forderungen der Branchenvertreter

Auch der Handel begrüßt das Ende der G-Regeln ab 5. März als "lebensnotwendigen" Schritt. "Damit werden weitere Milliardenschäden abgewendet und viele Jobs gesichert", sagte Geschäftsführer Rainer Will laut Mitteilung. "Durch das Ende der 3G-Regelung in der Gastronomie erwarten die stationären Geschäfte ein wöchentliches Umsatzplus von 50 Millionen Euro, denn der Handel als Yin und die Gastro als Yang gehören nun mal zusammen." 

Kein 3G in Gewerbe und Handwerk

Für Erleichterung sorgt das Wegfallen der 3G-Regel ab 5. März auch im Gewerbe und Handwerk. "Wir begrüßen sehr, dass nun auch die Beschränkungen für das Veranstaltungswesen, die Gastronomie und die Hotellerie fallen werden. Denn damit wird Aufbruchsstimmung endlich auch für jene Zehntausenden Zulieferbetriebe möglich, die sehr unter Beschränkungen ihrer Kunden mitgelitten haben", sagte Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster.

Quelle: Agenturen