APA/ALEX HALADA

Nach Eisenbahner: Droht nun Streikwoche?

27. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Das hat das dank Sozialpartnerschaft streikarme Österreich schon lange nicht mehr erlebt. Mit Wochenbeginn streiken nicht nur die Eisenbahner, sondern auch die Bierbrauer. Beide Branchen kritisieren die stockenden Lohnverhandlungen. Auch der Handel droht mit einem Streik zum Wochenende.

Beim Feilschen um den Handels-KV geht es um höhere Gehälter für rund 430.000 Angestellte und Lehrlinge im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel. Am Dienstag könnte es nochmals Gespräche geben, die Streiks abwenden könnten, doch der Termin ist noch nicht fix. Ein GPA-Sprecher erläuterte am Sonntagnachmittag gegenüber der APA, dass es in mehr als 300 Unternehmen Streikbeschlüsse aus dortigen Betriebsversammlungen gibt. Darunter sind große Handelsketten - auch aus der Lebensmittelbranche -, Textilketten, Großhändler und Baumärkte. Wo es keinen Betriebsrat gibt, gibt es auch keine entsprechenden Beschlüsse also drohen auch keine Streiks.

Kein Bahnbetrieb

Bei den Verhandlungen für 50.000 Eisenbahnerinnen und Eisenbahner von 65 Unternehmen blieb indes die fünfte Verhandlungsrunde am Sonntag ergebnislos. Bei den Arbeitgebern herrschte "Schockstarre", nachdem die Gewerkschaft das ihren Angaben zufolge bisher beste Angebot der laufenden Herbstlohnrunde ausgeschlagen hatten. Die Gewerkschaft warf wiederum den Arbeitgebern vor, am Streik schuld zu sein.

Dieser dauert am Montag von 00:00 bis 24:00 Uhr. Nur von den kommunalen Verkehrsbetrieben sind die meisten unterwegs. Dazu zählt die U-Bahn in Wien, nicht aber die S-Bahn. Postbusse fahren, Schienenersatzverkehr gibt es nicht - außer für den City-Airport-Train (CAT), der Wien mit dem Flughafen Wien-Schwechat verbindet.

Warnstreik in Brauereien

Auch die Brauerinnen und Brauer legen am Montag die Arbeit nieder. Sie lehnen das jüngste Angebot der Arbeitgeber über 6,5 Prozent Gehaltserhöhung als zu niedrig ab. Dessen ungeachtet haben die Arbeitgeber ihren Mitgliedsbetrieben empfohlen, einseitig "freiwillig" die Löhne und Gehälter rückwirkend mit 1. Oktober um 6,5 Prozent erhöht als "akonto" auszuzahlen. Damit sollen "die Beschäftigten nicht noch länger auf eine Teuerungsabgeltung warten müssen".

"Es ist bedauerlich, dass die Gewerkschaften offenbar nicht bereit sind, ihre Forderungen an bereits getätigten Abschlüssen anderer Branchen zu orientieren und dabei die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe zu berücksichtigen, um eine für beide Seiten tragbare und vernünftige Lösung zu finden", kritisieren die Arbeitgeber. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass das Angebot nicht einmal die als Verhandlungsgrundlage vereinbarte Inflationsrate von 6,9 Prozent abdecken würde.

Weitere Gespräche geplant

Trotz aller Unstimmigkeiten haben die KV-Verhandler einen neuen Verhandlungstermin für den 9. Dezember fixiert. Bei den Eisenbahnern geht es frühestens ab Dienstag wieder darum, neue Termine für Gespräche zu finden, bei denen neue Anläufe zum Lösen der vertrackten Situation gesucht werden.

Allen Verhandlungen ist gemein, dass die Arbeitnehmer die gebotenen Lohnerhöhungen als zu niedrig ausschlagen und keine Einmalzahlungen akzeptieren. Die Arbeitgeberseite wirft den Gewerkschaften vor, in einer schwierigen Situation zu viel zu wollen. Die Arbeitnehmerseite wiederum weißt auf die galoppierende Inflation hin - und das die Menschen nun einmal genug verdienen müssten, um nicht unter die Räder zu kommen.

Einen mehrtägigen Eisenbahnerstreik gab es übrigens zuletzt 2003. Damals ging es um eine größere ÖBB-Reform unter schwarz-freiheitlicher Regierung.

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea