APA - Austria Presse Agentur

Mitarbeiter ausgespäht: H&M soll 35 Millionen Euro zahlen

01. Okt 2020 · Lesedauer 2 min

H&M soll hunderte Mitarbeiter in einem Servicecenter überwacht haben. Das verstoße gegen den Datenschutz.

Wegen Datenschutzverstößen soll der schwedische Modekonzern H&M ein Bußgeld von 35,3 Millionen Euro zahlen.

Was ist passiert?

Laut der Hamburger Datenschutzbeauftragten sei es bei einem Teil der Beschäftigten seit mindestens dem Jahr 2014 zu "umfangreichen Erfassungen privater Lebensumstände" gekommen. Die Notizen seien auf einem Netzlaufwerk dauerhaft gespeichert worden. Es geht um die Mitarbeiter des Servicecenter in Nürnberg.

Laut Behörde wurden mindestens seit 2014 bei einem Teil der Beschäftigten Angaben zu ihren privaten Lebensumständen umfangreich erfasst und gespeichert. Nach Urlaubs- und Krankheitsabwesenheiten hätten Vorgesetzte einen "Welcome Back Talk" geführt und anschließend in etlichen Fällen nicht nur konkrete Urlaubserlebnisse, sondern auch Krankheitssymptome und Diagnosen dokumentiert.

Einige Vorgesetzte hätten sich auch "über Einzel- und Flurgespräche ein breites Wissen über das Privatleben ihrer Mitarbeitenden angeeignet, das von eher harmlosen Details bis zu familiären Problemen sowie religiösen Bekenntnissen reichte", hieß es.

Missachtung des Beschäftigtendatenschutzes

"Der vorliegende Fall dokumentiert eine schwere Missachtung des Beschäftigtendatenschutzes am H&M-Standort Nürnberg", sagte der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar am Donnerstag. "Das verhängte Bußgeld ist dementsprechend in seiner Höhe angemessen und geeignet, Unternehmen von Verletzungen der Privatsphäre ihrer Beschäftigten abzuschrecken", wird er vom "Handelsblatt" zitiert.

Laut dem Bericht ist das ausgesprochene Bußgeld das bislang höchste, das in Deutschland wegen Datenschutz-Verstößen verhängt wurde.

Lob für Konzernleitung

Ausdrücklich positiv bewertete Caspar das Bemühen der Konzernleitung, "die Betroffenen vor Ort zu entschädigen und das Vertrauen in das Unternehmen als Arbeitgeber wiederherzustellen". Darin sei durchaus der Wille zu erkennen, "den Betroffenen den Respekt und die Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie als abhängig Beschäftigte in ihrem täglichen Einsatz für ihr Unternehmen verdienen".

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe