Mangott über Sanktionen: "Die Bevölkerung spürt das längst"

21. März 2022 · Lesedauer 4 min

Russland-Experte Gerhard Mangott analysiert im Newsroom LIVE die Auswirkungen eines möglichen Embargos von russischem Öl auf Europa. Außerdem meint er, dass die Sanktionen der EU längst die normale Bevölkerung getroffen haben.

Mangott erklärt im Gespräch mit PULS 24, dass Öl-Exporte "eine wesentliche Einnahme für den russischen Staatshaushalt" sind welche "deutlich wichtiger" sei als "die Einnahmen aus dem Gasverkauf". Insofern würde sich ein etwaiges Öl-Embargo des Westens stark auf Russland auswirken.

Öl-Versorgung in Europa 

"Was wir schon beobachten können sind, dass Tankverschiffungen von russischem Öl in den letzten zehn Tagen deutlich zurück gegangen sind – aus verschiedenen Gründen", analysiert der Politikwissenschaftler. Was die EU jetzt noch zusätzlich tun könnte, erklärt Mangott, wäre eine Stilllegung der russischen Öl-Leitungsverbindungen nach Europa.

Der Russland-Experte merkt allerdings auch an, dass dies für die EU "keinesfalls so leicht" wäre, wie es gewisse Politikerinnen und Politiker – vor allem aus Osteuropa – fordern. "Es würde zu ziemlichen Verwerfungen bei der Versorgung Europas mit Öl" kommen, so Mangott. Die Frage würde bleiben "woher dann das Öl kommen soll".

Andere Staaten sind keine Alternative 

Der Politikwissenschaftler erklärt, dass Saudi-Arabien bisher abgelehnt habe, seine Öl-Produktion zu erhöhen. Der Iran wäre außerdem aufgrund der stockenden Atomverhandlungen noch "nicht zurück mit seinem Öl auf dem internationalen Markt", führt Mangott aus. Es würde somit "auf alle Fälle" zu einer weiteren Verknappung und Verteuerung des Öls kommen. Die würde nicht nur die privaten Haushalte treffen, sondern auch "die gesamte europäische Industrie und Wirtschaft".

Sanktionen treffen alle 

Auf die Frage, ob man in Russland die bisherigen Sanktionen wahrgenommen habe, meint Mangott: "Die Bevölkerung spürt das längst". Für ihn kann die Europäische Union "nicht mehr behaupten, sie verhänge nur 'Smart-Sanctions'", welche nur "die Eliten treffe". Für den Politikwissenschaftler handelt es sich auch um Sanktionen, die die Normalbevölkerung treffen – egal ob sie für Putins Politik einstehen, dagegen auf die Straße gehen oder "sie mit einem Schulterzucken darauf regieren".

Mangott erklärt, dass der Währungsverfall des Rubels bemerkt wird, ebenso dass nicht mehr alle Produkte in den Läden zu kaufen sind und auch das die Arbeitslosigkeit steigt. Allerdings zeige sich dadurch keine Änderung im Verhalten der russischen Regierung ab und "das war leider abzusehen", analysiert der Politikwissenschaftler.

Verhandlungen und Referenden 

Im Zuge der stockenden Friedensverhandlungen hält es Mangott für "notwendig, das gesprochen wird, auch wenn noch nicht wirklich verhandelt wird". Für den Russland-Experten sieht es so aus, als glaube die russische Seite, dass man der Ukraine alle Bedingungen diktieren könne. Putin möchte seine geopolitischen Ziele "der Ukraine aufzwingen und sie zu einer Kapitulation zwingen". Beide Seiten werfen sich vor "nicht ernsthaft zu verhandeln".

Mangott hält auch die Ankündigung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj für schwierig, dass alle etwaigen Verhandlungserfolge mit Russland in der Ukraine "einem Referendum unterzogen werden". Das bedeutet, dass jedem Kompromiss zwischen den Konfliktparteien am Ende von der ukrainischen Bevölkerung zugestimmt werden müsste. Für Selenskyj solle "die Ukraine selbst darüber abstimmen", erklärt der Politikwissenschaftler.

Verhandlungserfolge offen 

Für Mangott ist es jetzt schon "schwer genug" in einem von Krieg gezeichneten Land ein Referendum zu organisieren – hinzu kommen allerdings noch die ganzen Vertriebenen und Geflüchteten, welche sich quer im Land und auf dem Kontinent verstreut hätten. "Es ist damit auch nicht leichter, eine Verhandlungslösung zu bekommen, wenn man weiß, diese muss noch die Zustimmung der Bevölkerung erhalten", meint Mangott abschließend.

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj