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IHS und Wifo erwarten 2022 Wirtschaftsaufschwung, nur Corona könnte bremsen

Nach einem heuer gedämpften Zuwachs beim Privatkonsum um etwas mehr als drei Prozent rechnen Wifo und IHS für kommendes Jahr hier mit über 6 bzw. über 5 Prozent Anstieg - begünstigt durch Einkommenssteigerungen und durch das in der Krise Angesparte.

Für 2023 erwarten beide Institute etwa drei Prozent mehr Privatkonsum, auch das Wirtschaftswachstum insgesamt dürfte dann mit real etwa zweieinhalb Prozent eher moderat ausfallen, wie am Mittwoch erklärt wurde.

Die verfügbaren Einkommen der Privathaushalte, die 2020 stark gesunken waren, dürften 2021 durch die staatlichen Unterstützungen preisbereinigt weitgehend stabil bleiben, so das Wifo. 2022 und 2023 würden Lohnzuwächse und das Inkrafttreten der Steuerreform trotz hoher Inflation zu merklichen Einkommenssteigerungen führen. Die in der Krise dicker gewordenen Sparguthaben würden den Konsum stützen, die Sparquote werde schon 2022 unters Vorkrisenniveau sinken.

Lieferengpässe und hohe Rohstoffpreise

Der heimische Waren-Außenhandel sei heuer im zweiten Halbjahr durch Lieferengpässe und Produktionsprobleme gedämpft - die Auftragsbestände aus dem Ausland aber weiter hoch, betont das Wifo. Es sieht die Warenexporte heuer immerhin um 14 Prozent ansteigen (nach 8 Prozent Minus im Vorjahr); 2022 glaubt man hier an 5 Prozent Zuwachs. Die Ausfuhren insgesamt dürften demnach heuer real 10 Prozent zulegen (nach minus 11 Prozent) und 2022 um achteinhalb Prozent ansteigen; das IHS ist hier etwas weniger zuversichtlich und rechnet mit plus 9 bzw. plus 7 Prozent heuer und nächstes Jahr.

Der kräftige Industrieaufschwung werde durch Lieferengpässe gebremst, Investitionsprojekte durch den Vorprodukte- und Materialmangel oft ins Jahr 2022 verschoben, so das Wifo. 2023 würden die Vorzieheffekte der Investitionsprämie auslaufen. Am Bau würden Knappheiten zu Verschiebungen führen, die Baukonjunktur bleibe aber robust und die Preisdynamik hoch.

Heuer wird die Weltkonjunktur durch regional unterschiedliche Corona-Anstiege, Lieferengpässe und hohe Rohstoffpreise gebremst. Auch wenn diese Hemmnisse für die Weltwirtschaft bis 2022 reichen werden, sollten sie sich aber zur Jahresmitte allmählich auflösen, hofft das Wifo. "Die hohen Rohstoffpreise werden im Jahresverlauf 2022 langsam sinken", heißt es, "wodurch die Inflation weltweit sinkt." Den Brent-Ölpreis sieht das Wifo heuer im Schnitt bei 71 Dollar pro Fass (wie 2018), nach 42 Dollar voriges Jahr, und rechnet für 2022/23 mit einem leichten Rückgang auf 69 bzw. 66 Dollar (ähnlich 2019).

EZB-Politik unterstützt Konjunkturerholung

Die Geld- und Fiskalpolitik werde die weitere Konjunkturerholung unterstützen. "Die EZB dürfte das zur Krisenbewältigung aufgelegte Anleiheankaufprogramm PEPP wohl wie geplant im März 2022 beenden", meint das Wifo. Andere, schon länger bestehende Ankaufprogramme würden weiterlaufen. "Mit einem Zinsschritt wird erst Anfang 2023 gerechnet", heißt es. Den EZB-Hauptrefinanzierungssatz sieht das Wifo daher - nach vielen Jahren mit einer Null - 2023 bei 0,3 Prozent. Die in den letzten Jahren negative deutsche Sekundärmarktrendite (heuer wohl -0,4 Prozent) vermutet man dann bei +0,2 Prozent.

Auch das IHS geht davon aus, dass die Konjunktur weiterhin durch eine expansive EZB-Politik unterstützt wird. Der EZB-Rat habe signalisiert, dass zumindest im Jahr 2022 keine Leitzinserhöhungen geplant seien, sofern nicht die Inflation hartnäckig hoch bleibe. Die Geldmarktzinsen im Euroraum von bisher -0,6 Prozent im Schnitt des vierten Quartals sieht man erst 2023 leicht steigen. Der 3-Monats-Euribor sollte damit 2021/22 je -0,5 Prozent betragen und 2023 dann -0,1 Prozent, so das IHS.

Die EU-27 und den Euroraum sehen beide Institute - umgekehrt als bei Österreich - heuer stärker und 2022 schwächer wachsen. Die EU dürfte laut Wifo heuer um 5,1 Prozent und dann um 4,2 Prozent zulegen, laut IHS um 5,2 und um 4,4 Prozent. Für die Eurozone sieht das Wifo 5,2 und 4,2 Prozent BIP-Plus, das IHS 5,0 und 4,3 Prozent. Wie im Falle Österreichs dürfte übernächstes Jahr auch in der EU sowie im Euroraum das Wirtschaftswachstum dann etwas gedämpfter ausfallen.

Staatliche Programme bestimmen

Die Entwicklung der öffentlichen Haushalte in Österreich sei auch heuer vor allem durch die staatlichen Programme zur Abfederung der ökonomischen Covid-Folgen bestimmt, sagen die Experten. Ausgabenseitig eine wesentliche Rolle spielen dabei neben den Kurzarbeitshilfen die hohen Unterstützungen für betroffene Unternehmen (Fixkostenzuschuss, Ausfallbonus, Verlustersatz). Das sorge für eine Aufrechterhaltung der Beschäftigung und der Liquidität von Unternehmen, so das Wifo.

Nach einem Defizit von 8,3 Prozent des BIP im Vorjahr rechnet das Wifo für heuer mit einem erneut negativen gesamtstaatlichen Finanzierungssaldo (laut Maastricht) von 6,2 Prozent - das IHS von 5,9 Prozent. In den Folgejahren wird aber eine deutliche Defizit-Verringerung erwartet, seitens des Wifo auf 1,8 Prozent 2022 sowie 0,6 Prozent 2023 und seitens des IHS auf 1,9 bzw. 1,3 Prozent in den kommenden beiden Jahren. Die Staatsschuldenquote wird laut Wifo mit heuer 84,4 Prozent des BIP einen vorläufigen Höchstwert erreichen, dürfte aber bis 2023 auf 76,8 Prozent zurückgehen, heißt es.

ribbon Zusammenfassung
  • Nach einem heuer gedämpften Zuwachs beim Privatkonsum um etwas mehr als drei Prozent rechnen Wifo und IHS für kommendes Jahr hier mit über 6 bzw. über 5 Prozent Anstieg - begünstigt durch Einkommenssteigerungen und durch das in der Krise Angesparte.
  • Für 2023 erwarten beide Institute etwa drei Prozent mehr Privatkonsum, auch das Wirtschaftswachstum insgesamt dürfte dann mit real etwa zweieinhalb Prozent eher moderat ausfallen, wie am Mittwoch erklärt wurde.
  • Die verfügbaren Einkommen der Privathaushalte, die 2020 stark gesunken waren, dürften 2021 durch die staatlichen Unterstützungen preisbereinigt weitgehend stabil bleiben, so das Wifo.
  • 2022 und 2023 würden Lohnzuwächse und das Inkrafttreten der Steuerreform trotz hoher Inflation zu merklichen Einkommenssteigerungen führen.
  • Die in der Krise dicker gewordenen Sparguthaben würden den Konsum stützen, die Sparquote werde schon 2022 unters Vorkrisenniveau sinken.