Saurugg: Ob Gasmangel verhinderbar ist, ist nicht mehr die Frage

25. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Laut dem Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge, Herbert Saurugg, müsse sich die Bevölkerung endlich über den Ernst der Lage klar werden und beginnen, Vorkehrungen für den Winter zu treffen, meint er im Newsroom LIVE.

Nachdem die Wartung der Ostseepipeline Nord Stream 1 abgeschlossen wurde und kurzfristig wieder Gas floss, war die Erleichterung groß in Europa. Doch nun ist wieder eine Drosselung durchgeführt worden und es fließen nur mehr 20 Prozent nach Deutschland. Herbert Saurugg sagt daher, es ist unsicher, wie es in Europa weitergehen werde.

Putin würde derzeit an dem längeren Hebel sitzen und ein "Katz-Maus-Spiel" mit Europa treiben. Denn, wenn es kein Gas mehr gibt, wäre die gesamte Wirtschaft und Logistik instabil, aber auch die Anreicherung von Ad Blue für Dieselmotoren wäre gefährdet sowie die Versorgung in allen Lebensbereichen. Derzeit stelle sich nicht die Frage, ob ein Gasmangel verhindert werden kann, sondern, wie man damit umgehe. 

Licht aus und Tempo 100 wichtige Zeichen

Den Vorschlag des niederösterreichischen Landeshauptfrau-Stellvertreters Stephan Pernkopf einer "Licht-Sperrstunde" steht Saurugg positiv gegenüber. Das Ausschalten von öffentlichen Lichtern setze ein wichtiges Zeichen, um der Bevölkerung den Erst der Lage klar zu machen. Auch die Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit sieht er als notwendige Maßnahme, um Ressourcen zu sparen. 

Anschluss an Haidach riskant

Ein Anschluss Österreichs an das Netz des Gasspeichers in Haidach wäre kurzfristig nicht möglich, sondern würde erst langfristig Sinn machen. Der Speicher sei kaum gefüllt und Bayerns Chemiedreieck hänge davon ab. Wenn die deutsche Chemieindustrie ausfällt, würde das auch bei uns zu Engpässen im Winter führen. 

Krisenwinter

Bei einer Gasmangellage, brauche es auch ein Stromabschalten, weil das eine ohne das andere nicht steuerbar wäre, so Saurugg. Wenn jetzt viele Personen kurzfristig von einer Gas- auf eine Stromheizung (Radiatoren etc.,) wechseln würden, könnte das zu massiven Störungen im Stromnetz bis hin zum Zusammenbruch führen. Es benötige eine Strom-Rationierung, um die Gaslage in den Griff zu bekommen. 

Saurugg meint, dies würde schon bedeuten, dass man einfache Vorbereitungen treffe, wie Grundlebensmittel bereit zu haben, mit einer verringerten Geschwindigkeit zu fahren, um das System zu entlasten und sich zu überlegen, wie man in Zukunft heizt, ohne mit improvisierten und gefährlichen Heizmethoden zu spielen. "Wir sollten endlich aufhören zu warten, dass irgendwer da oben einen Magischen gibt, der uns rettet und einen Plan hat und uns dann aus der Patsche hilft", warnt Saurugg.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz