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EZB: Zinsen müssen auf restriktives Niveau gehoben werden

10. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss aus Sicht von Notenbank-Direktorin Isabel Schnabel im Kampf gegen die hohe Inflation die Zinsen wahrscheinlich auf ein Niveau anheben, bei dem die Konjunktur gebremst wird.

"Es gibt keine Zeit, um zu pausieren", sagte das deutsche Mitglied des EZB-Führungsgremiums am Donnerstag in Ljubljana.

Preisschub hält länger an

Die kräftige Entwicklung bei der sogenannten Kerninflation, bei der schwankungsreiche Energie- und Lebensmittelpreise rausgerechnet werden, weist Schnabel zufolge darauf hin, dass der Preisschub länger anhalten könnte. "Wir werden die Zinsen weiter anheben müssen, wahrscheinlich in den restriktiven Bereich."

Die Euro-Notenbank hat die Schlüsselzinsen zuletzt in rascher Abfolge mehrmals erhöht. Inzwischen liegt der Leitzins im Euroraum, zu dem sich Banken Geld bei der EZB leihen, bei 2,0 Prozent. Der an den Börsen maßgebliche Einlagenzins, den Institute für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, steht bei 1,5 Prozent. Am Markt wird geschätzt, dass beim Einlagensatz das neutrale Zinsniveau, bei dem eine Volkswirtschaft weder gebremst noch angeheizt wird, zwischen 1,5 und 2,0 Prozent liegt. Die nächste Zinssitzung der EZB ist am 15. Dezember.

Risiko für Rezession gestiegen

Nach Einschätzung von Schnabel ist das Risiko für eine Rezession im Euroraum inzwischen gestiegen. Sollte es dazu kommen, sei aber wahrscheinlich nicht mit einem tiefen Wirtschaftseinbruch zu rechnen, fügte sie hinzu.

Die Regierungen der Eurozone haben ihre Ausgaben zur Unterstützung der Haushalte im Zuge der Energiekrise aus Sicht des slowakischen Notenbank-Gouverneurs Peter Kazimir zu stark ausgeweitet. "Die derzeit ergriffenen Maßnahmen sind oft weit entfernt von den vorübergehenden und gezielten Eingriffen, die wir gerne sehen würden", sagte das EZB-Ratsmitglied auf der Konferenz in Ljubljana.

Anhebung, bis Konjunktur gebremst wird

Das derzeitige fiskalische Verhalten werde schnell zu einem Inflationsrisiko. Alle derzeitigen Risiken würden aktuell in Richtung einer steigenden Inflation weisen, sagte Kazimir. Sein EZB-Ratskollege, Sloweniens Notenbankchef Bostjan Vasle, wies darauf hin, dass die Euro-Notenbank die Zinsen wahrscheinlich auf ein Niveau anheben muss, bei dem die Konjunktur im Euroraum gebremst wird.

Zudem ist es aus seiner Sicht angemessen, im kommenden Jahr mit dem Abbau der billionenschweren Bestände der EZB an Anleihen zu beginnen. Durch die massiven Anleihenkäufe der vergangenen Jahre ist die Notenbankbilanz der EZB inzwischen auf rund neun Billionen Euro angeschwollen.

Die Inflation im Euroraum war im Oktober auf das Rekordniveau von 10,7 Prozent geklettert. Damit ist die Teuerung inzwischen mehr als fünfmal so hoch wie das Ziel der EZB von zwei Prozent.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp