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EZB nach Leitzins-Erhöhung: Zinsen müssen noch deutlich steigen

15. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

EZB-Präsidentin Christine Lagarde stimmt die Finanzmärkte auf weitere große Zinsschritte ein.

Sie verwies am Donnerstag vor der Presse darauf, dass der EZB-Rat der Auffassung sei, dass die Zinsen noch deutlich und in einem gleichmäßigen Tempo steigen müssten. Auf der Basis der derzeitigen Daten sei derzeit zu erwarten, dass der Leitzins für eine gewisse Zeit im Tempo von 50 Basispunkten steigen müsse.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sei mit Blick auf den Kampf gegen die hohe Inflation für ein "langes Spiel" gerüstet. 

Die Währungshüter erhöhten zuvor auf ihrer letzten Zinssitzung in diesem Jahr die Schlüsselzinsen um 0,50 Prozentpunkte. Der an den Finanzmärkten maßgebliche Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank bekommen, wurde auf 2,00 Prozent angehoben, der Leitzins auf 2,50 Prozent.

Lukas Sustala, Ökonom und Direktor des NEOS-Labs, spricht im Interview über die Erhöhung des Leitzins. Angesichts der Teuerung habe es keine Alternative gegeben, sagt er.

Meinungen gehen auseinander

Einige Währungshüter hatten argumentiert, dass die EZB mit den Zinsen womöglich in den restriktiven Bereich vorpreschen muss, wodurch die Konjunkturentwicklung trotz bestehender Rezessionssorgen gedämpft würde. Nur dadurch könne die Inflation wieder zum Notenbankziel von zwei Prozent zurückbewegt werden. Im November lag die Inflation im Euroraum mit 10,0 Prozent weit davon entfernt.

Die EZB-Ratsmitglieder waren uneins über die Stärke der notwendigen Zinserhöhung im Kampf gegen die hohe Inflation in der Eurozone. "Nicht jeder hat der aktuellen Taktik zugestimmt", sagte Lagarde am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. "Einige haben vielleicht ein bisschen mehr gewollt, andere ein bisschen weniger."

Große Uneinigkeit über den Kurs hat es Lagarde zufolge trotz der Differenzen im Detail nicht gegeben. "Es herrschte allgemeiner Konsens am Tisch über die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage und allgemeine Übereinstimmung über die Ausrichtung, die wir in unserer Strategie haben", sagte die EZB-Präsidentin. "Es gibt eine sehr breite Mehrheit, dass wir durchhalten sollten."

Die Währungshüter hatten zuvor beschlossen, ihren Leitzins von 2,00 auf 2,50 Prozent anzuheben. In den beiden geldpolitischen Sitzungen zuvor war es noch deutlicher nach oben gegangen und zwar um jeweils 0,75 Prozentpunkte. Lagarde stimmte die Finanzmärkte auf weitere Zinsschritte ein. Auf Basis der aktuellen Daten sei zu erwarten, dass der Leitzins für eine gewisse Zeit um jeweils einen halben Prozentpunkt steigen müsse.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam