Panama Canal/PanamakanalAPA/AFP/Luis ACOSTA

Dürre: Über 200 Schiffe stehen vor dem Panamakanal im Stau

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Stau vor dem Panamakanal. Eine anhaltende Dürreperiode sorgt dafür, dass nicht genug Wasser für die Durchquerung der Schiffe vorhanden ist. Die Folge: Über 200 Schiffe müssen warten bis sie dran sind, denn nur wer im Voraus gebucht hat, darf auch frühzeitig passieren. Für 900.000 US-Dollar kann man sich jedoch einen "Premium-Slot" ersteigern.

Neben dem Suezkanal ist der Panamakanal die wichtigste Handelsroute für Schiffe. Aktuell herrscht dort allerdings Stau. Wegen anhaltendem Niedrigwasser haben die Behörden die Durchfahrt beschränkt. 

Als Folge stehen über 200 Handels- und Transportschiffe auf beiden Seiten der Wasserstraße im Stau. Einige von ihnen liegen bereits seit drei Wochen vor Anker, berichtet das "Wall Street Journal".

Von dem Stau betroffen sind vor allem Tanker für etwa Gas und Chemikalien, aber auch Massengutfrachter mit beispielsweise Getreide, Eisenerz, Kohle, Zement und Düngemittel, aber auch Sojabohnen und Flüssigerdgas aus den Vereinigten Staaten bis hin zu Kupfer und frischen Kirschen aus Chile sind eingeschränkt. Laut Reuters sind etwa 170 Länder betroffen. 

Enorme Bedeutung des weltweiten Seehandels

Der Panamakanal wurde 1914 fertiggestellt und gilt heute als modernes Weltwunder. Mit einer Länge von 82 Kilometer verbindet die künstliche Verbindung den Atlantik und den Pazifischen Ozean. Die Wasserstraße führt großteils durch den Gatún-See, der von den Flüssen Chagres und Gatún mit Wasser versorgt wird. Für den internationalen Handel hat der Kanal enorme Bedeutung. Sechs Prozent des weltweiten Seehandels werden über ihn abgewickelt.

Um von der einen Seite auf die andere zu kommen, müsse die Schiffe durch zwölf Schleusen. Dabei legen sie einen Höhenunterschied von je 26 Metern zurück. Für die Durchquerung werden rund 100.000 Kubikmeter Frischwasser von der jeweils ersten und letzten Schleuse ins Meer gespült.

Zahl der Durchquerungen reduziert

Normalerweise herrscht im Juli Regenzeit in Panama. Seit einem halben Jahr sei der Kanal allerdings von ungewöhnlicher Dürre, geringen Niederschlägen und zugleich hoher Verdunstung betroffen. Aufgrund dessen wurden die üblichen 36 Schiffs-Durchquerungen jeden Tag, auf 32 reduziert. Verstärkt wird die aktuelle Lage durch das Wetterphänomen "El Nino". Die Kanal-Behörde meinte, das Ausmaß sei "historisch beispiellos".

Neben der Schleusenkapazität wurde die maximal zulässige Tiefe der Schiffe dezimiert - von 50 Fuß (15,24 m) auf 44 Fuß (13,41 m). Die Frachter müssen also leichter werden. Um das zu erreichen, müssen sie ihre Ladung reduzieren. Container werden abgeladen und auf kleinere Boote verteilt, die neben dem großen Schiff entlang fahren.

"Premium-Slot" ersteigern

Zuerst durch darf, wer lange im Voraus gebucht hat. Das trifft vor allem auf Containerschiffe zu. Die Redereien buchen ihre Passage meist bis zu einem Jahr im Voraus. Massenfrachter, die Kohle, Getreide oder Metall transportieren, buchen ihre Durchfahrt hingegen meist kurzfristig und haben deshalb mit längeren Wartezeiten zu rechnen.

Um diese Warterei zu umgehen, kann man einen "Premium-Slot" für 900.000 US-Dollar pro Schiff ersteigern. Dazu kommen noch die normalen Mautgebühren von 400.000 Dollar.

Auf Alternativrouten ausweichen

Wer Zeit hat und die hohen Preise nicht zahlen will, kann auf Alternativrouten ausweichen, wie etwa über die Südspitze Afrikas. Das ist jedoch nicht zwingend die günstigere Option und auch die Fahrt verlängert sich um Tausende Seemeilen. Manche Firmen haben bereits begonnen, ihre Schiffe mit Kohle und Flüssigerdgas zum ägyptischen Suezkanal umzuleiten.

Einschränkungen bis Jahresende

Der Verwalter des Panamakanals, Ricaurte Vásquez Morales, glaubt nicht an baldige Entspannung. Er befürchtet, dass die Einschränkungen bis zum Ende des Jahres anhalten werden. Bis Anfang September sollen die Beschränkungen auf jeden Fall bestehen. Sollte es nächstes Jahr ebenfalls so wenig regnen, rechnet man mit einem Einnahme-Verlust von 200 Millionen US-Dollar. Spediteure könnten bis dahin nämlich beschließen Alternativrouten zu wählen.

Kanal-Ausbau für zwei Milliarden US-Dollar

Um zukünftigen Dürreperioden entgegenzutreten, hat die Kanalleitung einen Ausbau beschlossen. Das Budget dafür beträgt zwei Milliarden US-Dollar. Um einen ausreichenden Wasserstand zu garantieren, will man in den nächsten zehn Jahren vier weitere Flüsse in den Kanal leiten lassen.

ribbon Zusammenfassung
  • Stau vor dem Panamakanal. Eine anhaltende Dürreperiode sorgt dafür, dass nicht genug Wasser für die Durchquerung der Schiffe vorhanden ist.
  • Die Folge: Über 200 Schiffe müssen warten bis sie dran sind, denn nur wer im Voraus gebucht hat, darf auch frühzeitig passieren.
  • Für 900.000 US-Dollar kann man sich jedoch einen "Premium-Slot" ersteigern.
  • Der Verwalter des Panamakanals, Ricaurte Vásquez Morales, glaubt nicht an baldige Entspannung. Er befürchtet, dass die Einschränkungen bis zum Ende des Jahres anhalten werden.

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