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0,9954 Dollar: Eurokurs fällt weiter

14. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Die europäische Gemeinschaftswährung hat ihre Talfahrt am Donnerstag nach überraschend starken US-Inflationsdaten weiter fortgesetzt.

Am Nachmittag rutschte der Euro deutlich unter die Dollar-Parität auf einen Wert von zeitweise 0,9954 US-Dollar. Bereits am Mittwoch war die Gemeinschaftswährung erstmals seit 2002 weniger als ein Dollar wert.

Straffe US-Geldpolitik

Die aktuelle Dollar-Stärke dürfte sich teilweise mit der Erwartung einer strafferen US-Geldpolitik im Kampf gegen die Inflation erklären lassen. Nach der Meldung hoher Verbraucherpreis-Anstiege am Mittwoch zeigten auch die am Donnerstag gemeldeten US-Erzeugerpreise im Juni einen starken Anstieg von 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Plus von 10,7 Prozent gerechnet.

Das dürfte die US-Notenbank Fed weiter unter Druck setzen ihren Leitzins als gegensteuernde Maßnahme im Juli deutlich anzuheben. Ein Vertreter der US-Notenbank Fed schloss eine Zinserhöhung um einen Prozentpunkt Ende Juli nicht aus.

EZB hat wenig Spielraum 

Zwar gibt es auch in Europa hohe Inflationsraten, der EZB räumen Analysten aber derzeit weniger Spielraum für Zinserhöhungen ein, da Europa stärker von den Folgen des Ukraine-Kriegs betroffen ist. Insbesondere dürfte der Euro weiter unter der Gaskrise leiden.

"Anders als beim Rohöl unterscheidet sich der Gaspreis regional zum Teil deutlich. Die Verteuerung aufgrund der russischen Lieferkürzungen betrifft in erster Linie Europa", schreiben die Analysten der Helaba am Donnerstag. "In den USA hat sich der Gaspreis insgesamt weniger erhöht und war jüngst sogar rückläufig. Dies belastet einseitig Europa bzw. den Euro", so die Experten.

Italien-Krise 

Eine Rolle könnte zudem auch die politische Lage in Italien spielen. Dort droht die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi zu stürzen, weil die mitregierende Fünf-Sterne-Bewegung einer Vertrauensabstimmung fernbleiben will. Die Mailänder Börse ist vor diesem Hintergrund auf den tiefsten Stand seit November 2020 gefallen.

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Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj