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Wie der Vater, so der Sohn: Louis Schaub startet in Abenteuer Hannover

15. Juli 2022 · Lesedauer 5 min

Nach vier Jahren beim 1. FC Köln in der deutschen Bundesliga tritt Louis Schaub den Gang in die zweite Liga an und wechselt zu Hannover 96. Dort soll er als Vize-Kapitän und Schlüsselspieler eine große Rolle spielen. Und möchte dabei in die Fußstapfen seines Vaters treten.

In der Saison 1984/85 gelang Hannover 96 der Aufstieg in die deutsche Bundesliga. Damals als Mittelstürmer in 36 Saisonspielen mit dabei: Fred Schaub. Knapp 37 Jahre später schickt sich sein Sohn an ähnliche Erfolge mit dem Verein zu feiern.

Louis Schaub unterschrieb vor wenigen Wochen einen Dreijahresvertrag bei den Niedersachsen und soll als Vize-Kapitän und Schlüsselspieler Verantwortung übernehmen. In die Fußstapfen seines viel zu früh verstorbenen Vaters zu treten, sei "etwas ganz Besonders", meint der 27-Jährige im Exklusiv-Interview mit PULS 24-Reporter Julian Kurzwernhart. 

Das ganze Interview mit Louis Schaub

Emotionaler Abschied aus Köln 

Der Ex-Rapidler übersiedelt aus Köln nach Hannover und nimmt dabei den Gang von der Bundesliga in die zweite Leistungsstufe in Kauf. Insgesamt vier Jahre stand Schaub in der Domstadt unter Vertrag. Trotz zweier Leih-Unterbrechungen (Hamburger SV, FC Luzern) brachte es der Offensivspieler auf 70 Einsätze für die Kölner (7 Tore, 18 Vorlagen). Der absolute Durchbruch blieb ihm verwehrt. Vor allem in der abgelaufenen Saison, in der die Kölner mit Platz sieben für Furore sorgten, kam Schaub nur sporadisch zum Einsatz. 

APA/AFP/Ina FASSBENDER

In der Saison 2021/22 stand Schaub nur sechsmal in der Startelf der Kölner. 

Der Abschied fiel ihm dennoch schwer. "Im Nachhinein war es doch ein sehr schöne Zeit für mich und meine Familie. Daher war es schon emotional. Doch wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere", blickt Schaub bereits nach vorne. Die Gegenwart heißt nämlich Hannover 96. Beim Elften der abgelaufenen Zweitligasaison hat im Sommer ein großer Umbruch stattgefunden. Neben Schaub sind weitere zehn Spieler neu im Verein. Stefan Leitl beerbt Christoph Darbkowski als Cheftrainer. 

Viel Verantwortung in Hannover

Die Testspielergebnisse der Hannoveraner können sich sehen lassen. Mit klaren Siegen gegen den niederländischen Erstligisten Groningen (3:0) und Drittligist MSV Duisburg (5:2) konnte man Selbstvertrauen tanken. Hinzu kommt ein 1:1-Achtungserfolg gegen Bundesligist VfL Wolfsburg. Überwerten will Schaub die Spiele jedoch nicht: "Wir haben das phasenweise schon sehr gut gemacht. Es gibt natürlich immer noch Luft nach oben."

Seinen neuen Coach, Stefan Leitl, beschreibt Schaub als einen ganz anderen Typen als den impulsiven Steffen Baumgart beim 1. FC Köln. "Ich glaube, dass er nach außen hin sehr ruhig ist, uns aber sehr klar zu verstehen gibt, was er verlangt. Er spricht Dinge, die ihm nicht passen, sofort an." Die Wertschätzung, die Schaub seit seiner Ankunft entgegen gebracht wird (Vize-Kapitän, Mitglied des Mannschaftsrats) habe den Österreicher selbst "ein wenig überrascht". Nachsatz: "Es tut aber natürlich sehr gut."

Konkrete Saisonziele will sich der Offensivspieler selbst auf Nachfrage nicht entlocken lassen. Dem Auftaktspiel auswärts bei Aufsteiger Kaiserslautern fiebert Schaub jedoch bereits entgegen: "Ich habe noch nie gegen diesen Gegner gespielt und habe in der Relegation daher selbst ein bisschen mitgefiebert. Die Stimmung wird überragend sein. Wir freuen uns riesig."

"Österreichischer Schmäh" bei Hannover

Neben Ex-DFB-Goalie Ron-Robert Zieler und Ex-Salzburger Havard Nielsen sticht aus österreichischer Sicht vor allem ein weiterer Name im Kader der Hannoveraner hervor: Lukas Hinterseer. Den zweiten ÖFB-Legionär (13 Länderspiele) im Kader der Niedersachsen kennt Schaub bereits aus seiner Zeit in Hamburg. Dadurch rannte der "österreichische Schmäh" im Trainingslager bereits: "Wenn wir dann Österreichisch reden, versteht uns halt wieder keiner", schmunzelt Schaub. 

Tatsächlich scheint die Chemie jedoch auch abseits des Platzes zu passen. Die ersten Wochen wohnte Schaub bei seinem Landsmann. Mittlerweile ist er mit seiner Familie vorübergehend in eine Wohnung gezogen. Auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe befindet man sich noch. Auch die Stadt Hannover möchte Schaub in den kommenden Wochen noch in Ruhe erkunden. Erst einmal steht jedoch der Saisonauftakt auf dem Programm. 

Die ersten Eindrücke aus Kaiserslautern

ÖFB-Team? "Fokus liegt auf Hannover"

Obwohl Schaub seit 2018 ununterbrochen im Ausland aktiv ist, ist er seinem Ex-Verein, SK Rapid Wien, noch sehr verbunden und steht noch mit einigen Spielern in Kontakt. Den Transfer von Guido Burgstaller bezeichnet der 29-fache Teamspieler als "extrem wichtig für den Verein." Sporadisch schaut Schaub, der elf Jahre lang bei Rapid gespielt hat, auch im Stadion vorbei. Im Playoff-Duell gegen die WSG Tirol unterstützte er seine ehemaligen Kollegen aus nächster Nähe.

APA/EXPA/LUKAS HUTER

Weitere Wien-Besuche könnten auch dann folgen, wenn Schaub wieder in das österreichische Nationalteam einberufen wird. Im ersten Kader von Neo-Teamchef Ralf Rangnick stand er auf Abruf. Die Enttäuschung darüber hielt sich jedoch in Grenzen: "Es kam jetzt nicht überraschend", so Schaub, der eine erneute Einberufung nicht erzwingen möchte: "Der Fokus liegt jetzt einmal auf Hannover."

Mit guten Leistungen bei seinem neuen Verein, würde alles weitere schon von allein kommen. Ob der Kreativspieler bei Hannover 96 seine Spuren hinterlassen kann, wird sich in der kommenden Saison zeigen. Er wäre jedenfalls nicht der erste Schaub dem das gelingen würde. 

Maximilian PatakQuelle: Redaktion