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Walijewa gestürzt: Gold für Schtscherbakowa, Mikutina 14.

17. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Das Olympische Eis hat am Donnerstag in Peking Platz für Drama geboten: In der Kür der Frauen scheiterte die haushohe Favoritin Kamila Walijewa nach mehreren Stürzen. Die Erste des Kurzprogramms musste sich nach den Doping-Diskussionen um ihr Antreten mit Rang vier begnügen. Somit siegte ihre Landsfrau Anna Schtscherbakowa vor einer weiteren Russin, Alexandra Trusowa, und der Japanerin Kaori Sakamoto. Die Vorarlbergerin Olga Mikutina wurde mit ansprechender Kür 14.

Mikutina, erst im Herbst nach langwieriger Verletzung zurückgekehrt, zeigte für ihr derzeitiges Leistungsvermögen eine ansprechende Kür und verbesserte sich nach Platz 18 im Kurzprogramm noch um vier Ränge. "Ich bin überglücklich, dass bei meiner ersten Teilnahme bei Olympischen Spielen ein so tolles Ergebnis herausgekommen ist", meinte die 18-Jährige und sagte, sie würde "ganz, ganz gerne" auch bei den nächsten Winterspielen an den Start gehen. "Aber jetzt freue mich schon sehr auf die Weltmeisterschaften Ende März in Montpellier, wo ich alles dransetzen werde, mein Vorjahresergebnis, den achten Platz, zu wiederholen."

Das Drama kam am Schluss: Walijewa, die erst nach einem Entscheid des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) vom Montag überhaupt zur Einzelkonkurrenz antreten durfte, hatte im Kurzprogramm noch die Nerven bewahrt und erwartungsgemäß die Führung übernommen. Doch nach der Kür zu den Klängen des Bolero von Maurice Ravel bedeckte die 15-Jährige ihre Augen mit ihren roten Handschuhen und kämpfte mit den Tränen. Der Zauber fehlte, sie patzte bei mehreren Sprüngen, stürzte beim Vierfach-Salchow und zeigte Nerven.

Trainerin Eteri Tutberidse empfing Walijewa eher kühl, nahm sie nicht in den Arm und äußerte danach Kritik: "Warum hast du alles so aus den Händen gegeben? Warum hast du aufgehört zu kämpfen?", sagte die Trainerin unmittelbar nach dem Wettkampf zu ihrem Schützling.

Weltmeisterin Anna Schtscherbakowa, zeigte hingegen eine hervorragende Kür und hielt somit auch ihre Landsfrau Trusowa in Schach, die zahlreiche Vierfach-Sprünge in ihr Programm eingebaut, aber nicht alle sauber gestanden hatte. "Ich bin überwältigt, fühle aber auch eine Leere in mir", sagte Schtscherbakowa.

Mit diesem Ergebnis steht wohl auch der Vergabe der Medaillen nichts mehr im Wege, die laut IOC im Falle einer Top-3-Platzierung Walijewas ausgesetzt worden wäre. Denn über den Dopingfall der Europameisterin wird erst nach den Spielen entschieden, wahrscheinlich nicht vor den am 21. März startenden Weltmeisterschaften. Vom kommenden Dopingverfahren betroffen ist auch der Ausgang des Teambewerbs. Die ROC-Auswahl mit Walijewa hatte Gold gewonnen.

Die Deutsche Katarina Witt, Olympiasiegerin 1984 (mit 18 Jahren) und 1988 und nun TV-Expertin, litt mit dem Teenager: "Sie konnte nicht gewinnen in diesem ganzen Spiel. Man hat sie jetzt wirklich der Welt zum Fraß vorgeworfen. Irgendjemand Verantwortungsvoller hätte sie rausnehmen müssen, bevor überhaupt dieser Tsunami losging", sagte Witt in der ARD. Sie kämpfte während ihres emotionalen Auftritts immer wieder mit den Tränen.

Ähnlich klang die russische Startrainerin Tatjana Tarassowa gegenüber dem "Sport Express": "Es ist sehr schade. Ich habe keine Worte. Sie haben sie geschlagen, geschlagen - und getötet."

Quelle: Agenturen