APA - Austria Presse Agentur

UEFA schuf mit Länderspiel-Verschiebung Platz für Ligen

01. Apr 2020 · Lesedauer 5 min

Die UEFA hat im Termin-Puzzle zur Rettung der Saisonen den Weg für die nationalen Fußball-Ligen freigemacht. Nach der kontinentalen Notfall-Sitzung am Mittwoch verkündete die Europäische Fußball-Union, dass die für Juni geplanten Länderspiele auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Neue Termine für die Fortsetzung der Saison in Champions League und Europa League gibt es nicht.

Die UEFA hat im Termin-Puzzle zur Rettung der Saisonen den Weg für die nationalen Fußball-Ligen freigemacht. Nach der kontinentalen Notfall-Sitzung am Mittwoch verkündete die Europäische Fußball-Union, dass die für Juni geplanten Länderspiele auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Neue Termine für die Fortsetzung der Saison in Champions League und Europa League gibt es nicht.

Der Meister der heimischen Fußball-Bundesliga könnte daher eventuell erst im August gekürt werden. "Wir haben bis jetzt den 30. Juni gehabt, meine neuesten Informationen sind schon, dass wir Richtung Ende Juli, Anfang August gehen könnten, das gibt uns wieder Spielraum", sagte Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer.

Eines ist für Ebenbauer aber ziemlich klar: es läuft im Fall der Fälle auf Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit hinaus. "Wie der Vizekanzler heute gesagt hat, ist es sehr unwahrscheinlich, dass man vor Zuschauern spielen wird können", so Ebenbauer.

In der Videokonferenz hatten die Generalsekretäre aller 55 UEFA-Mitgliedsverbände das weitere Vorgehen besprochen, darunter auch Generalsekretär Thomas Hollerer für den Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB). Nach einer Entscheidung des Exekutivkomitees des Kontinentalverbands wurden auch die Termine für alle UEFA-Clubwettbewerbe der Saison 2020/21 bis auf Weiteres verschoben. So startet das Zulassungsverfahren beispielsweise nicht wie geplant - auch dies ermöglicht eine längere Saison in den nationalen Ligen.

Damit finden die Partien des ÖFB-Teams gegen England (2. Juni, Wien) und Tschechien (9. Juni, Prag) nicht zu den ursprünglich geplanten Terminen statt. Die UEFA hatte bereits zuvor die Europameisterschaft um ein Jahr in den Sommer 2021 verlegt. Die Play-offs zur Qualifikation der letzten EM-Teilnehmer, die auch im Juni vorgesehen waren, müssen neu terminiert werden.

Zuletzt waren bereits die ursprünglich Ende Mai geplanten Endspiele in der Champions League der Herren (30. Mai/Istanbul) und Frauen (24. Mai/Wien) und Europa League (27. Mai/Danzig) wegen der Coronavirus-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die internationalen Bewerbe könnten einem Bericht des ZDF zufolge gar erst wieder im Juli aufgenommen und im August die Sieger gekürt werden.

Derzeit sind alle UEFA-Partien auf Club-Ebene für unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die Champions League und Europa League stecken jeweils im Achtelfinale fest. Davon betroffen ist auch der LASK, der im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Manchester United eine 0:5-Heimniederlage kassierte. Das Geisterspiel am 12. März im Linzer Stadion war das bisher letzte Profi-Fußball-Spiel in Österreich.

In Medien bekannt gewordene Pläne der englischen Premier League, die 92 ausständigen Partien allesamt als Geisterspiele in ausgewählten Stadien in London und im Raum Birmingham auszutragen, hat auch Ebenbauer vernommen. "Man darf keine Idee außer Acht lassen, aber ob die Idee in Österreich so umzusetzen ist, wage ich - alleine schon aus finanziellen Gründen - zu bezweifeln", betonte der Liga-Chef.

Der verwies auch darauf, dass es vor einer Liga-Fortsetzung auch eine entsprechende Vorbereitungszeit für die Clubs geben müsse. "Selbst da braucht man ja schon sämtliche Vorsichtsmaßnahmen und muss sämtliche Maßnahmen der Regierung einhalten. Und die Frage ist auch, ob es dann in den nächsten Wochen genügend Corona-Tests gibt", sagte Ebenbauer. Viele Thematiken würden da dranhängen, man sei dabei, Möglichkeiten auszuloten. "Die hängen aber immer davon ab, welche Mittel verfügbar sind."

Die Finanzen sind dieser Tage ohnehin das größte Problem der Clubs. Nur Liga-Krösus Salzburg muss sich keine Sorgen machen. "Auf der anderen Seite der Tabelle wird es wirklich schwierig, wenn die Clubs null Einnahmen haben, dass sie liquide bleiben. Aktuell ist der wichtigste Punkt, dass man sie überhaupt am Leben hält, sie nicht in eine Zahlungsunfähigkeit rutschen in den nächsten Monaten", ist sich Ebenbauer der schwierigen Lage bewusst.

Die Clubs wurden zu einem sogenannten Stresstest aufgefordert. "Das ist ja auch nicht so leicht, da gibt es Gespräche mit den Sponsoren, mit den Abonnenten, was für Möglichkeiten es gibt. Anhand dieser Zahlen werden wir sehen, wie weit wir gehen können, was wir benötigen, wo wir priorisieren müssen wegen Unterstützungen", erläuterte der 44-Jährige.

Mit dem "Worst-Case", einem nicht geregelten Saisonabbruch, beschäftigt man sich bei der Bundesliga "ganz intensiv". "Meine persönliche Meinung möchte ich dazu aber noch nicht äußern", hielt sich Ebenbauer bedeckt. Möglichkeiten gebe es viele. "Wir werden anhand der alten Rechtsordnung schauen, wie man die Interessen beziehungsweise die Möglichkeiten am besten ausschöpfen und vor allem das größtmögliche Einvernehmen treffen kann", schilderte der Wiener. Ziel ist es dabei auch eine österreichweite Lösung, die unteren Ligen inkludiert, zu schaffen.

Dazu soll es aber gar nicht kommen. Dieser Tage wird in alle Richtungen Solidarität gepredigt - auch von der Bundesliga. Mit den Partnern Sky, Tipico und HpyBet gebe es sehr gute Gespräche, um gemeinsam die Krise zu meistern. "Sollten die Spiele wirklich nicht stattfinden, muss man dann sowieso Lösungen finden", weiß Ebenbauer. Die nächste Konferenz der Clubs per Video ist am 16. April angesetzt.

Quelle: Agenturen