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Sportvereine hoffen auf baldige Rückkehr zur Normalität

Apr 03, 2020 · Lesedauer 5 min

Auch Österreichs Sportvereine hoffen in der vom Coronavirus ausgelösten Gesundheitskrise auf baldige Rückkehr zum Regelbetrieb. Fußball-, Tennis-, oder Golfclubs bereiten ihre Anlagen gerade für die Saison vor. Ohne allerdings zu wissen, wann dort Kunden wieder Sport ausüben dürfen. Kommen zu laufenden Kosten ausbleibende Mitgliedsbeiträge, drohen ohne Finanzhilfe Probleme bis hin zu Pleiten.

Ob Mitglieder eines Sportvereins bei fehlender oder geschmälerter Leistung, etwa wegen verkürzter Saison, Geld zurückbekommen könnten, ist pauschal nicht zu beantworten. Viel hängt offenbar vom Einzelfall ab. Die Judikatur ist da unklar bzw. gilt in Österreich das Mitte März im Schnellverfahren beschlossene Covid-19-Gesetz, das grundsätzlich keinen Rechtsanspruch für Entschädigungen vorsieht. Dafür werden fast täglich Notfall- oder Härtefall-Fonds aus dem Boden gestampft.

Grundsätzlich sei eine Virus-Pandemie aber als "Höhere Gewalt" betrachtbar, meinen aktuell viele Juristen. Man könne dieses Risiko als schuldendes Unternehmen aber nicht automatisch auf den Kunden bzw. Konsumenten überwälzen. Laut dem Verein für Konsumenteninformation muss man grundsätzlich für eine nicht erbrachte Leistung auch nicht bezahlen. Fallen also auch Deckungsbeiträge wie Mitgliedsbeiträge weg, kann es für Sportvereine rasch zu einer dramatischen Liquiditätskrise kommen.

Die nach dem Vereinsgesetz funktionierenden Sportvereine würden zudem im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern wegen ihrer Gemeinnützigkeit gar keine Rücklagen für solche Fälle bilden können, warnt Sport Austria (Bundes-Sportorganisation/BSO), die Dachorganisation des organisierten Sports in Österreich. Bezüglich Rückforderungsansprüchen von Mitgliedern sei immer zu prüfen, was grundsätzlich im Vertrag mit dem Verein zum Thema Kursbeiträge stehe. Auch die VKI-Juristin Petra Leupold betont gegenüber der APA: "Man muss immer genau schauen, was wirklich geschuldet ist."

Bei Sport Austria baut man in der aktuellen Situation jedenfalls stark auf die aktuellen Hilfspakete der Bundesregierung auch für Sportvereine bzw. hofft vor allem auf Solidarität, Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit und die Besonderheit, dass Vereinsmitglieder ja selbst Teil des Vereines sind. Die Teilnahme am Sportbetrieb stelle nur einen Teil der mitgliedschaftlichen Rechte dar, betont man. Mitgliedsbeiträge seien knapp kalkuliert, beinhalten trotzdem ganzjährige Kosten wie Miete, Unterhalt der Sportstätten, Verbandsabgaben oder Versicherungsbeiträge. Gerade jetzt sei es daher wichtig, seinen Verein zu unterstützen, um massive Engpässe bei Zahlungsverpflichtungen zu verhindern. Man appelliere daher in der aktuellen Phase, Mitglied zu bleiben und weiterhin den Mitgliedsbeitrag zu bezahlen.

Bei vielen Sportvereinen und Clubs wird man ohne Soforthilfen wohl trotzdem schwer über die Runden kommen. BSO-Chef Hans Niessl hat deshalb Ende März einen Härtefonds mit mindestens 100 Mio. Euro für den Sport eingefordert. Klar ist mittlerweile, dass allen 15.000 Sportvereinen in Österreich die Möglichkeit der Corona-Kurzarbeit zusteht.

Zudem arbeitet man bei Sport Austria an einem Hilfspaket für den Sport, dank dem Vereine und Verbände ihre Schäden einmelden können. Der Breiten- und Gesundheitssport sorge direkt und indirekt für 330.000 Arbeitsplätze und müsse somit einen Teil an der von der Regierung angekündigten 38 Mrd.-Euro-Hilfe, auch im Sinne von Sofortmaßnahmen, erhalten, heißt es vonseiten Sport Austria. 15.000 Sportvereine, 576.000 Ehrenamtliche sowie 2,1 Mio. Vereinsmitglieder sprächen für sich.

Bei den großen Sportverbänden selbst herrscht noch angespannte Ruhe. Im Golf - der hinsichtlich Mitgliederzahl viertgrößten Sportart nach Fußball, Tennis und Ski - , sieht man etwa noch einen kleinen zeitlichen Spielraum hinsichtlich Saisonstart. Auch beim Tennisverband ist man in Warteposition. "Es ist noch etwas früh im Jahr für Outdoor-Sportarten", so ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda zur APA. Man hoffe, dass es nach Ostern eine an eventuelle Schul-"Öffnungen" angelehnte Grundsatzentscheidung auch zu Sportausübung und Sportveranstaltungen komme.

"Wir hoffen, dass wir die ÖTV-Bundesliga und die ÖTV-Staatsmeisterschaften in Oberpullendorf, unsere beiden Flaggschiff-Events neben dem Davis Cup, auch 2020 spielen können. Wenn es sein muss, auch zu einem späteren Zeitpunkt", so Schweda. Für die Landesverbände und in weiterer Folge für den ÖTV sind die Nenngebühren für die Mannschaftsmeisterschaften - über 8.000 Teams nehmen jährlich daran teil - essenziell.

Ähnlich ist es im Fußball. Der Wegfall von Einnahmen aus dem Kantinenbetrieb oder durch Vermietungen kann rasch ins finanzielle Abseits führen. Solange von der Regionalliga abwärts aber nicht trainiert oder Meisterschaft gespielt wird, sind in den meisten Fällen wenigstens keine Spielergehälter fällig.

Im rot-weiß-roten Sportgetriebe hofft man also intensiv, dass die restriktiven Maßnahmen im Kampf gegen die Virus-Ausbreitung zu einer baldigen Lockerung derselben führen könnten. Gerade Sportausübung könnte für wochenlang isoliert gewesene Menschen bald besonders wichtig werden.

Golf etwa könnte dann unter dem Motto "Spazierengehen in der Natur" eine der ersten Sportarten sein, die unter bestimmten Regeln wieder aktiv betrieben werden wird. Nur Online-Buchungen, Einzel- oder (verwandte) Zweier-Flights, 15-Minuten-Abstände, keine Fahnen und Leih-Trolleys usw. würden das möglich machen. In einigen US-Bundesstaaten oder europäischen Ländern wie Schweden etwa war Golfen deshalb bis zuletzt weiterhin erlaubt.

Vorpreschen wird man beim ÖGV aber weiterhin sicher nicht. "Natürlich haben auch wir Interesse, die Anlagen bald wieder für Kunden zu öffnen. Alle Sportvereine haben aber gerade Riesensorgen und handeln dennoch sehr verantwortungsvoll", ist für ÖGV-Geschäftsführer Robert Fiegl Solidarität weiterhin Ehrensache.

Vielmehr gehe es darum, als Sport insgesamt der Bundesregierung Angebote für den Tag machen zu können, ab dem sich Menschen in Österreich wieder - eingeschränkt - sportlich bewegen dürfen. Fiegl sieht ein ganz starkes Argument: "Im Sport sind wir es gewohnt, Menschen Regeln aufzuerlegen und diese zu kontrollieren. So etwas ist im Sport etwas ganz Normales. Man ist an sie und ihre Einhaltung gewöhnt. Da haben wir eine Stärke."

Quelle: Agenturen