Spiel 7: Darauf wird es in Wien & Villach ankommen

22. März 2022 · Lesedauer 8 min

Vier Teams, zwei Halbfinal-Tickets, Spiel 7 - am Dienstagabend geht es in den Playoffs der win2day ICE Hockey League ans Eingemachte. Die "Best-of-Seven"-Serie zwischen den Vienna Capitals und dem KAC sowie jene des VSV gegen Olimpija Ljubljana kulminieren nach sechs packenden Begegnungen in einem Endspiel um einen Platz unter den besten vier Teams der Saison.

Sowohl die Wiener als auch die Villacher verspielten eine 3:1-Serienführung, können allerdings vor eigenem Publikum den Sack zumachen und Red Bull Salzburg sowie Fehervar AV19 ins Halbfinale folgen.

LAOLA1 zeigt im Vorfeld der Entscheidungsspiele jeweils vier Brennpunkte auf:

Darauf kommt es bei Vienna Capitals gegen den KAC an

Wie gehen die Wiener mit den Ausfällen um?

Head Coach Dave Barr, Topscorer Nicolai Meyer und Zweier-Goalie David Kickert fallen wie schon in Spiel 6 in Klagenfurt mit Corona aus, weitere positive Fälle folgten am Dienstag.

Zum wuchernden Corona-Cluster kommt die Sperre von Defender Charlie Dodero, der das dritte von vier Spielen aussitzen wird, sowie die Verletzungen von Joel Lowry und Matt Neal hinzu. Der ehemalige KAC-Center zog sich in Spiel 2 eine Oberkörperverletzung zu, Lowry blockte am Sonntag in Spiel 6 einen Schuss und erlitt eine Unterkörperverletzung.

Für beide Angreifer ist die Saison vorzeitig beendet, sie werden auch in einer möglichen Halbfinal-Serie nicht mehr mitwirken können. Damit fehlt den Hauptstädtern die Hälfte ihrer beiden Top-Linien, die nun neu zusammengewürfelt werden müssen. Da wiegt auch der Ausfall von Coach Barr schwer, der vor allem mit seinem In-Match-Coaching einiges bewirken kann.

Daher liegt es wie schon in Klagenfurt an Assistant Coach Christian Dolezal, nicht nur die richtigen Linien-Kombinationen zu finden, sondern sein Team auch perfekt auf einen mittlerweile konsequent auftretenden KAC vorzubereiten. Das Momentum liegt nach den vergangenen zwei Siegen jedenfalls auf Kärntner Seite.

Bleibt Sebastian Dahm in Top-Form?

Apropos Momentum: Dieses konnte insbesondere der dänische KAC-Keeper in Spiel 5 und 6 auf seine Seite ziehen. Denn nach dem Auftakt-Erfolg in der Viertelfinal-Serie in Wien, bei dem Dahm mit einer Fangquote von 97,1 Prozent glänzen konnte, ließ der Olympia-Fahrer genauso wie seine Vordermänner nach und bewegte sich in Folge unter der 90-Prozent-Marke.

In Entscheidungsspielen hat der 35-Jährige jedoch zur Genüge bewiesen, dass er ein Difference Maker sein kann. In Spiel 5 in Wien war Dahm der absolute Matchwinner, konnte etliche Eins-gegen-Eins-Duelle mit den Caps-Stürmern für sich entscheiden. Und auch in Klagenfurt hielt der Grunddurchgangs-MVP von 2020/21 den Laden in der Schlussphase dicht und ließ die Donaustädter nicht mehr ins Spiel zurückkommen.

Solch eine Top-Leistung muss der Torhüter auch im finalen Spiel 7 abliefern, wenn die "Rotjacken" mit dem dritten Sieg in Folge tatsächlich die Viertelfinal-Serie nach 1:3-Rückstand noch gewinnen wollen.

Wer hält sich von der Strafbank fern?

Doch nicht nur auf den Torwart der Klagenfurter wird es im letzten Spiel der "Best-of-Seven"-Serie ankommen. Eine große Rolle kommt freilich auch seinen bzw. den Vordermännern von Bernhard Starkbaum zu. Und die müssen sich tunlichst von der Strafbank fernhalten - etwas, das in den vorangegangenen Spielen kaum gelungen ist.

Insgesamt 143 Strafminuten wurden in den ersten sechs Spielen schon verteilt, alleine 83 davon gingen auf das Konto der Capitals. Die Serie ist seit Anbeginn sehr intensiv geführt, teilweise sogar überhart - wie beispielweise in Spiel 4, als den Referees die Partie früh entglitten ist und Charlie Dodero Steven Strong ins Krankenhaus checkte.

Immer wieder kommt es rund um die Tore zu Scharmützeln, auch die Torhüter bleiben davon nicht unverschont. Sowohl Dahm als auch Starkbaum mussten bereits einiges einstecken, besonders der Wiener Torhüter scheint immer mehr zum Ziel der KAC-Cracks zu werden.

Die machen es in gewisser Art und Weise auch taktisch gut, provozieren damit Strafen gegen die Caps, die streng nach dem Motto "Don't touch my Goalie" ihren Schlussmann vehement verteidigen.

Und obwohl beide Teams in Überzahl bislang nicht unbedingt glänzen konnten, geht es insbesondere darum, nach einer langen und körperbetonten Serie sich die ohnehin kaum noch verbleibenden Körner gerecht einzuteilen. Disziplin sollte daher groß geschrieben werden.

Wer erzielt (nicht) das erste Tor?

Es klingt kurios, aber: Wer in Spiel 7 das erste Tor erzielen wird, darf sich schon sein Flug-Ticket in den Urlaub buchen.

In fünf der sechs Viertelfinal-Partien ging jene Mannschaft, welche den ersten Treffer erzielen konnte, als Verlierer vom Eis. Einzig im ersten Aufeinandertreffen konnte der KAC nach dem Führungstreffer auch das Spiel für sich entscheiden - wenn auch erst in der Overtime.

Auch in den folgenden drei Begegnungen sollte der Meister jeweils mit 1:0 voran liegen, allerdings holten die Donaustädter daraufhin den Sieg. Sogar mit zwei Toren Vorsprung sollte man sich nicht zu sicher sein, die Capitals verspielten sowohl in Wien als auch in Klagenfurt 2:0-Führungen.

Es gilt daher mehr denn je über 60 oder mehr Minuten den Fokus aufrecht zu erhalten, ansonsten ist die Saison entweder für die Vienna Capitals oder den KAC frühzeitig zu Ende.

Darauf kommt es bei VSV gegen Olimpija Ljubljana an 

Welcher Torhüter erwischt den besseren Tag?

9,33 Tore pro Spiel - die Defensivabteilungen beider Teams haben in dieser Viertelfinal-Serie schlichtweg schlechte Leistungen abgeliefert. Dazu zählen auch die Torhüter Tomi Karhunen und Alexander Schmidt beim VSV sowie Ljubljanas Zan Us.

Nur Pustertal-Torwart Tomas Sholl weist schlechtere Werte als die drei Protagonisten auf, die allesamt deutlich unter einem Save-Percentage von 90 Prozent liegen. Us steht mit seiner Quote von 87,9 Prozent gehaltener Schüsse sogar noch am besten da, Karhunen (87,7 Prozent) und Schmidt (86,6) hinken etwas nach.

Anders als Sebastian Dahm und Bernhard Starkbaum konnte in dieser Serie bislang noch kein Torhüter den Unterschied ausmachen, die Offensivabteilungen beider Teams standen klar im Blickpunkt. Im Showdown um das Halbfinal-Ticket wird eine starke Goalie-Leistung umso mehr erforderlich sein, auch die Abwehrreihen müssen ihren Job besser erledigen.

Kann Ljubljana sein Momentum nutzen?

Besonders jene des VSV, denn nicht in jedem Spiel können die Stürmer die "Grünen Drachen" outperformen. Die fanden nämlich in den letzten beiden Partien, in denen es für die Slowenen bereits gegen den frühzeitigen Urlaubsantritt ging, zu ihrer Form und wussten, wie die Flügel der "Adler" gestutzt werden können.

Mit körperbetontem, aber fairem Spiel wurde den Offensivstars der Nerv gezogen, zudem konnten Ljubljana-Cracks den Gang auf die Strafbank auf ein Minimum reduzieren. Das wird auch in Villach vonnöten sein, denn die Draustädter sind in Überzahl brandgefährlich.

Wie in der Capitals-KAC-Serie ist das Momentum nach zwei Siegen in Folge jedoch klar auf Seiten des Liga-Neulings, der die erste Halbfinal-Teilnahme des VSV seit 2016 verhindern will. Und: Auswärts präsentierten sich die Slowenen stärker als zuhause, konnten zwei High-Scoring-Games in Villach für sich entscheiden.

Darf John Hughes weiter schalten und walten?

Während Ljubljana also auf das Momentum und die Auswärtsstärke baut, wird VSV-Coach Rob Daum wieder auf John Hughes und Co. zählen. Vor allem der Spielmacher agiert in den Playoffs in absoluter Hochform, steht mit einem Tor und zehn Assists an der Spitze der Scorer-Wertung.

Der Stürmer trägt mit seinen Qualitäten maßgeblichen Anteil am effizienten Angriffsspiel der Kärntner, nur in Spiel 6 in Ljubljana erzielte er keinen Punkt. Hughes schafft es bislang auf beeindruckende Art und Weise, Räume zu kreieren und diese auch anzuspielen.

Der 34-Jährige ist nicht ohne Grund der All-Time-Topscorer der Liga, einzig in den Playoffs hinkt er KAC-Urgestein Thomas Koch noch um acht Scorerpunkte hinterher - vielleicht ein zusätzlicher Ansporn, um im entscheidenden Viertelfinal-Spiel nochmal einen Gang höher zu schalten.

Machen die Special Teams den Unterschied aus?

Wenn zwei Teams sich auf Augenhöhe begegnen, können Powerplay und Penaltykilling oftmals den Unterschied ausmachen.

In dieser Serie konnten beide Teams jeweils sechs Tore in Überzahl erzielen, Ljubljana wartet allerdings seit dem 5:8 im dritten Spiel auf einen Powerplay-Treffer. Der VSV hingegen konnte in der letzten Begegnungen zum ersten Mal nach drei Spielen kein Tor in Überzahl erzielen, die PK-Units beider Teams kennen sich inzwischen ausgezeichnet.

Gerade deshalb wird es spannend zu beobachten sein, ob Rob Daum oder Mitja Sivic neue Spielzüge in petto haben und damit für Überraschungsmomente beim Gegner sorgen können. Denn bei numerischer Gleichheit neutralisieren sich die Mannschaften zumindest nach Toren, daher werden wohl die Special Teams über Halbfinale oder Urlaub entscheiden.

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst auf laola1.at erschienen. 

Quelle: Redaktion / Laola1.at