APA - Austria Presse Agentur

Spanischen Offensivsturm erwartet löchrige Schweiz-Abwehr

01. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Sind die Spanier anfangs noch wegen ihrer glücklosen Stürmer gescholten worden, ist die "Furia Roja" mittlerweile zur produktivsten Offensive der Fußball-EM avanciert. Elf Tore hat Spanien bisher erzielt, zehn allein in den vergangenen beiden Spielen. Am Freitag (18.00 Uhr/live ORF 1) trifft die Auswahl von Trainer Luis Enrique im ersten Viertelfinale in St. Petersburg auf die Schweiz. Mit der bisher defensiv anfälligen "Nati" haben sich die Iberer zuletzt sehr schwer getan.

5:0 gegen die Slowakei und 5:3 n.V. gegen Kroatien lauteten die spanischen EM-Ergebnisse zuletzt. Der von seinen Landsleuten heftig gescholtene Mittelstürmer Alvaro Morata hat mittlerweile wie auch Ferran Torres und Pablo Sarabia zweimal getroffen. Aus dem lauen Lüftchen ist tatsächlich ein richtiger Wirbelsturm geworden, wenngleich die beiden Kontrahenten aus Osteuropa zu manchen Toren regelrecht eingeladen haben. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass beim 5:0 zwei Slowaken ins eigene Tor trafen.

Dennoch haben die Spanier den Weg zu Lösungen in der Offensive gefunden. Ihre Fähigkeit, den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen, hatte schon davor kaum Anlass zu Kritik geboten, sofern man nicht prinzipiell ein Gegner dieser Spielweise ist. Der hohe Ballbesitz-Anteil bedeutet im Fall der Spanier aber auch, dass die Gegner zu wenigen Chancen kommen. Das Kroatien-Resultat mag auf den ersten Blick täuschen, zumal ein Treffer auf die Kappe von Tormann Unai Simon ging. In der Gruppenphase hatte Spanien nur ein Tor kassiert.

Schweiz-Torhüter Yann Sommer musste - Elfmeterschießen nicht mitgezählt - hingegen schon achtmal hinter sich greifen. Kein anderer Viertelfinalist hat mehr Tore kassiert. Dennoch sind die Spanier gewarnt, Verteidiger Cesar Azpilicueta prophezeite ein "kompliziertes Spiel". Zuletzt gab es in der Nations League zwei Duelle mit den Eidgenossen. "Das waren wirklich sehr schwere Spiele", sagte Ferran Torres. "Sie pressen, sie machen es einem schwer." Im Oktober 2020 hatten die Spanier das Heimspiel in Madrid mit 1:0 gewonnen. Einen Monat später rettete ein Tor in der 89. Minute durch Gerard Moreno die Spanier beim 1:1 in Basel vor einer Niederlage.

Für Spaniens Coach ist die Sache prinzipiell klar. Auf die Frage, ob es bei dieser EM ein besseres Team gebe als Spanien, antwortete Enrique nach kurzer Nachdenkpause entschlossen und voller Überzeugung: "Nein." Ein paar Nettigkeiten hatte er aber auch für die Schweiz parat: "Vladimir Petkovic ist ein Super-Trainer. Er stellt seine Mannschaft sehr gut ein. Die Schweiz kann bei diesem Turnier alles erreichen." Von den Nations-League-Duellen aber wusste er: "Die Schweiz liebt es, zu pressen und anzugreifen. Sie hat hier gute Auftritte abgeliefert."

Insgesamt gelang den Schweizern allerdings erst ein Sieg in 22 Partien gegen Spanien - bei der WM 2010 in Südafrika in der Gruppenphase. Gegen den amtierenden Europameister und die Nummer zwei der FIFA-Weltrangliste, der in zuvor 48 Spielen nur eine Niederlage kassiert hatte, schaffte man mit einem 1:0 die Sensation. Dank einer starken Abwehrleistung und Glück rettete die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld den Vorsprung über die Zeit. Trotz des Sieges verpassten die Schweizer den Einzug in die K.o.-Phase, Spanien hingegen wurde erstmals Weltmeister.

Die Schweiz habe auch diesmal keine Mannschaft mit großen Namen, meinte Ferran Torres, sie hätten aber gezeigt, dass sie als Kollektiv jede Mannschaft schlagen können. Im Achtelfinale setzte sich die Schweiz gegen Weltmeister Frankreich in einem mitreißenden Spiel nach einem 3:3 nach 120 Minuten im Elfmeterschießen durch. Gladbach-Torhüter Sommer wehrte den entscheidenden Versuch von Superstar Kylian Mbappe ab. Dieser Sieg "zeigte uns allen auf, zu was wir fähig sind, wenn wir zusammenhalten", meinte Mittelfeldmann Remo Freuler.

Neben ekstatischem Jubel im ganzen Land verursachte der Aufstieg bei Trainer Vladimir Petkovic aber auch Kopfzerbrechen. Der 57-Jährige ist in einer Ausnahmesituation, muss er doch im Viertelfinale seinen Kapitän Granit Xhaka wegen einer Gelb-Sperre ersetzen. Der Arsenal-Profi ist die Zentralfigur im Spiel der Schweizer und war in einem Pflichtspiel zuletzt vor rund fünf Jahren gegen Ungarn in der WM-Qualifikation für 2018 abwesend. Bei Endrunden hat Xhaka in der Ära Petkovic keine Minute verpasst. "Granit ist unser Herz auf dem Platz", sagte Sommer.

Petkovic hat eigentlich mehrere Alternativen zur Hand. Denis Zakaria (Borussia Mönchengladbach) und Djibril Sow (Eintracht Frankfurt) sind die ersten Anwärter. Von der Position her wäre auch Edimilson Fernandes (Mainz 05) denkbar, auf den Petkovic allerdings noch nie gesetzt hat, schon gar nicht im Mittelfeldzentrum.

Quelle: Agenturen