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Feldhofer: "Wir sind in einem sehr tiefen Tal"

29. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Bei Rapid ist seit dem Europacup-Out gegen Vaduz Feuer am Dach. Die Chance, etwas vom verlorenen Kredit sportlich wieder zurückzugewinnen, wurde am Sonntag im Bundesliga-Duell mit Sturm Graz vertan. Die Gäste gewannen in Wien-Hütteldorf wegen eines umstrittenen Elfmeters 2:1 (1:1). Trainer Ferdinand Feldhofer fand die Dramaturgie des Spiels sinnbildlich für Rapids momentane Situation. "Wir sind in einem sehr tiefen Tal", sagt der Steirer, der vorerst sicher im Sattel sitzt.

In der ersten Hälfte im Allianz Stadion war Rapid die aktivere Mannschaft und hätte gut und gerne zumindest zwei Tore schießen können. Es blieb aber beim 1:0 durch Nicolas Kühn (15.) nach Vorlage von Patrick Greil. Vor allem deshalb, weil Marco Grüll eine Großchance in der 37. Minute weit über das Tor haute. Da stand es durch den glücklichen Treffer von Gregory Wüthrich (24.) bereits 1:1. Die dritte Szene, bei der Rapid Pech hatte, war der von Christopher Jäger verhängte Elfmeter: Martin Moormann und Emanuel Emegha bekämpften sich bis in den Strafraum. Der Kontakt des Verteidigers war zwar da, ob der ursächlich für Emeghas Hinfallen war, bleibt aber offen.

Rapid-Lager: "Ganz klar kein Elfer"

Nur eine Meinung gab es dazu im grün-weißen Lager. "Der Elfmeter war ganz klar keiner", stellt Feldhofer fest. "Definitiv eine Fehlentscheidung", meint auch Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic. Moormann sagte, zuerst sei er von Emegha gefoult worden. "In der Wiederholung sieht man vielleicht schon, dass meine Hand ein bisschen draußen war. Aber die war da, weil ich eben ins Fallen gekommen bin. Ich kann die Hand nirgendwo anders hingeben." Den Elfmeter verwandelte Tomi Horvat in der 86. Minute.

Moormann wurde zusätzlich mit der Roten Karte bestraft. Da Leopold Querfeld mit einem übel aussehenden Cut ausschied, drohen bei Rapid erneut zwei Innenverteidiger auszufallen (Feldhofer: "Auch das passt zu unserer Situation"). Maximilian Hofmann hatte gegen Vaduz eine Gehirnerschütterung erlitten, Christopher Dibon laboriert an Achillessehnenproblemen. Und Mario Sollbauer fand sich gegen Sturm erneut nur auf der Tribüne wieder. Der als designierter Führungsspieler geholte Kärntner hat bei Feldhofer aktuell einen schweren Stand.

Vier Spiele sieglos

Von den vergangenen vier Spielen verlor Rapid drei, dazu kam ein Unentschieden. Speziell die erste Hälfte gegen Sturm stimmte Feldhofer dennoch zuversichtlich, dass bald wieder bessere Tage kommen könnten. Als nächstes stehen am Donnerstag die Cup-Auswärtspartie gegen Allerheiligen und am Sonntag das Liga-Gastspiel beim SCR Altach auf dem Programm. Zwei Pflichtsiege - könnte man meinen. Doch das hatte es auch vor den Partien gegen den FC Vaduz geheißen. "Seit ich da bin, hatte ich nur Druck und Entscheidungsspiele. Deswegen denke ich, ich kann ganz gut damit umgehen", erklärt der 42-Jährige, der von Barisic erneut das Vertrauen ausgesprochen bekam. Er selbst habe nicht an Rücktritt gedacht. "Ich habe schon schlimmere Situationen als Spieler erlebt."

Die angekündigten Abschiede von Präsident Martin Bruckner und Geschäftsführer Wirtschaft Christoph Peschek seien für ihn "sehr überraschend und alles sehr schnell. Das kann man natürlich auch nicht ganz von den Spielern weghalten." Er konzentriere sich auf seinen Job als Trainer. "Ich weiß nicht, ob das wirklich die besten Entscheidungen auch sind. So kurzfristig und unter Emotionen solche Entscheidungen zu treffen, da bin ich kein Fan davon", kommentiert Feldhofer die Schritte trotzdem.

Gegen Sturm Graz ist Rapid nun sieben Spiele in Folge ohne Sieg. "Wir waren in der ersten Halbzeit klar das unterlegene Team. Wir kommen mit einem Standard zu einem zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall verdienten Ausgleich", sagt Trainer Christian Ilzer, der aber die Steigerung seiner Mannschaft und den Kampfgeist nach der Pause hervorhob. "Spielerisch war es kein Highlight-Spiel von uns, aber das Ergebnis in dieser Phase ist für uns ein absolutes Highlight."

Quelle: Agenturen / mpa