APA - Austria Presse Agentur

Showdown der Fußballnationen: "Forza ragazzi" oder "We Kane be Heroes"

11. Juli 2021 · Lesedauer 5 min

Italien und England bestreiten am Sonntagabend im Wembley-Stadion in London das Finale der Fußball-EM. Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Die Royals drücken der Heimmannschaft die Daumen.

Die Italiener haben das Kontinentalturnier seit 1968 nicht mehr gewonnen, die Engländer überhaupt noch nie. Die Briten stehen erstmals in einem EM-Finale. Ihr bisher letztes großes Endspiel hatten sie beim WM-Titelgewinn 1966 ebenfalls in Wembley bestritten.

Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Die Engländer haben vor mehr als 60.000 zugelassenen Zuschauern Heimvorteil und im Turnierverlauf erst einen Gegentreffer kassiert. Die Italiener, die im Achtelfinale ebenfalls in Wembley Österreich ausgeschaltet hatten, sind seit September 2018 in 33 Spielen ungeschlagen. Für Italien ist es das vierte EM-Endspiel. 2000 und zuletzt 2012 war die "Squadra Azzurra" jeweils unterlegen.

Mancini will offensive Italiener sehen

Italiens Fußball-Teamchef Roberto Mancini ist schon vor dem EM-Finale am Sonntag gegen England stolz auf seine Mannschaft. Mit dem Erreichten will sich der 56-Jährige aber nicht zufriedengeben. "Im Finale zu sein, ist ein schönes Ziel. Aber das reicht uns nicht", sagte Mancini schon vor dem Abflug seines Teams nach London auf der UEFA-Website.

Am bisherigen Offensivstil seiner Mannschaft will Mancini festhalten, wie er später auf der Pressekonferenz vor dem Spiel erklärte. "Wir wollen versuchen, so zu spielen, wie wir es uns immer vornehmen. Wir sind mit diesem Spiel bis hierhergekommen und werden daran nichts ändern", kündigte der 56-Jährige an. Er erwarte von seinen Spielern eine "letzte Anstrengung. Sie sollen 90 Minuten Spaß haben, dann dürfen sie in den Urlaub fahren." Nervös sei er vor dem Endspiel nicht.

Englands Fußball-Teamchef Gareth Southgate hat hingegen an den Nationalstolz seiner Landsleute appelliert. "Wir haben so viel, auf das wir stolz sein können", betonte der 50-Jährige in einem Interview mit der Zeitung "Daily Telegraph". "Für eine Insel unserer Größe haben wir einen unglaublichen Einfluss auf die Welt, und den müssen wir uns auf positive Art und Weise bewahren."

Southgate will das Turnier nun unbedingt mit dem Titel abschließen. "Denn ich weiß, dass es mir und dem Rest des Betreuerstabs sowie den Spielern nicht reichen wird, wenn wir das jetzt nicht gewinnen", sagte der Ex-Verteidiger, der im EM-Halbfinale 1996 gegen Deutschland den entscheidenden Elfmeter verschossen hatte.

Royale Unterstützung für Three Lions

Unterstützung bekommen die Three Lions und Southgate auch vom britischen Königshaus: Der britische Prinz William (39) drückt England im EM-Finale gegen Italien kräftig die Daumen. "Ich kann nicht wirklich glauben, dass das passiert. So aufregend! Ich wünsche euch ganz viel Glück", sagte der Prinz, der gleichzeitig Präsident des englischen Fußballverbandes FA ist, in einem am Sonntag veröffentlichten Twitter-Video in Richtung von Nationaltrainer Gareth Southgate und des englischen Teams um Kapitän Harry Kane.

"Wir stehen alle hinter euch, das ganze Land steht hinter euch. Also bringt ihn nach Hause", schrieb William. Zuvor hatten bereits Williams Großmutter Queen Elizabeth (95) und Premierminister Boris Johnson (57) der Mannschaft viel Erfolg gewünscht. 

"Macht sie blau"

Auch die englischen Zeitungen stimmten sich vor dem Finale ein: Der "Daily Star Sunday" stellte auf seiner Titelseite den englischen Kapitän Harry Kane mit aufgerissenem Mund als römischen Kaiser Cäsar dar. "Caesar Moment", schrieb das Blatt dazu. "Ein stolzes Land schaut zu, Jungs..... Zeit, euren Platz in der Geschichte einzunehmen." Der "Sunday Mirror" bezog sich auf seiner Titelseite ebenfalls auf Top-Stürmer Kane und druckte dazu die große Schlagzeile: "We Kane be Heroes".

Freilich fiebern auch die italienischen Zeitungen dem EM-Finale gegen England entgegen und träumen schon vom Titel. "Macht sie blau. Italien fordert England im Kampf um Europas Thron heraus", titelte die "Gazzetta dello Sport" am Sonntag. "Im Tempel des Fußballs soll der Traum vom Mancini-Land wahr werden", schrieb das Blatt, das auf 39 Seiten auf das Endspiel vorausblickt.

"Forza ragazzi"

Rückendeckung bekamen die Italiener auch von den Fußballweltmeistern von 1982: "Azzurri. In diesen Wochen haben wir in euch sehr viel von uns und von unserer Geschichte wiedergesehen, sportlich und menschlich. In eurem Mut, in eurer Leidenschaft, in eurem Zusammengehörigkeitsgefühl, in eurem Aufschwung nach einer schwierigen Zeit", schreibt das Team um Torhüter-Legende Dino Zoff in einem Brief in der "Gazzetta dello Sport". Mit Blick auf das Endspiel fordern die Helden von einst: "Traut euch, träumt von der Zukunft, die ihr gestalten könnt. Und jetzt fahrt nach London, geht auf den Platz und gebt euer Bestes, wie ihr das immer tut...die schönen Geschichten enden nie! Forza ragazzi!"

Der ehemalige italienische Fußball Nationalspieler Filippo Inzaghi hatte dann auch noch einen besonderen Wunsch, wer denn das entscheidende Tor schießen solle: Ciro Immobile soll es sein, denn "er ist ein großartiger Angreifer. Er hat es Italien ermöglicht, gut zu spielen, indem er die Drecksarbeit übernommen hat", sagte der 47-jährige frühere Weltklasse-Stürmer. 

Sie können das Spiel ab 21 Uhr im PULS 24 Liveticker verfolgen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa