APA - Austria Presse Agentur

Salzburg kann Rotation, aber Restverteidigung ausbaufähig

22. Aug 2021 · Lesedauer 4 min

RB Salzburg setzt auch unter Matthias Jaissle seine Angriffe auf die Bestmarken der Fußball-Bundesliga fort. Durch den 3:1-Erfolg gegen Austria Klagenfurt sind die "Bullen" nun zum vierten Mal in Folge mit fünf Siegen gestartet - ein neuer Rekord. Eine Erkenntnis aus dem mühsamen, letztlich aber souveränen Pflichtprogramm gegen widerstandsfähige Klagenfurter ist, dass der Kader breit und dicht genug für die Liga ist. Am Mittwoch soll die internationale Kür gelingen.

Nach dem frühen 1:0 durch Karim Adeyemi (3.), der nach Bernardo-Assist per Kopf sein bereits sechstes Saisontor erzielte, hätte Salzburg am Samstag nachlegen können, Noah Okafor fehlte aber im Abschluss das Glück. Danach glich Klagenfurt durch den pfeilschnellen Schweden Alex Timossi Andersson in der 14. Minute aus. Anschließend stotterte der Motor des Serienmeisters - Chancen waren nur im Ansatz vorhanden. Was auch daran lag, dass Coach Jaissle wie angekündigt einigen Stammkräften zwischen den Play-off-Partien in der Champions League gegen Bröndby IF Zeit zum Durchschnaufen gönnte.

Nach der Pause beruhigten die Wechsel des Deutschen den Spielaufbau und belebten ihn zugleich. Maurits Kjaergaard, Nicolas Seiwald, Benjamin Sesko und vor allem Mergim Berisha mit seinem Comeback-Freistoß zum 2:1 (70.) brachten letztlich die Wende. Für Mohamed Camara und Antoine Bernede war nach einer Hälfte Schluss. "Es war im Vorhinein schon klar, dass wir in der Art und Weise wechseln werden, auch in Hinblick auf Mittwoch", verwies Jaissle auf das Bröndby-Rückspiel in Dänemark. "In Summe ist es dann aufgegangen."

Für Berisha war es eine Rückkehr wie im Traum. Schließlich ließ es der Deutsche schon mit seiner ersten Ballberührung aus großer Distanz krachen. "Er hat vielleicht die eine oder andere Session genutzt, um Freistöße zu trainieren", erklärte Jaissle im Sky-Interview. "Ich weiß, dass ich Freistöße schießen kann. Das ist mir gut gelungen", meinte Berisha selbst. Der Angreifer war durch eine Verletzung in der Leistengegend einige Wochen zum Zuschauen verurteilt gewesen. Zuletzt war er am 22. Mai gegen die WSG Tirol in einem Pflichtspiel aufgelaufen und hatte drei Tore erzielt. "Es hat echt lange gedauert. Ich bin jetzt froh, dass ich wieder hier bin."

Die Qualität, die Salzburg im Kader hat, könnte sich in der Meisterschaft erneut als Trumpfkarte erweisen, gegen die der Konkurrenz kein Gegenmittel einfallen wird. Am Samstag vertrat etwa Bernardo Andreas Ulmer auf der linken Seite gekonnt, Kamil Piatkowski fügte sich in der Viererkette mühelos ein. Und falls Berisha bleibt, hat Jaissle eine weitere Offensivwaffe zur Verfügung.

Knackpunkt könnte aber vor allem international die schon öfter von Jaissle angesprochene "Restverteidigung" werden. Das bedeutet, dass genug Spieler bei eigenen Angriffen tief genug in der Abwehr bleiben, um dort Umschaltaktionen des Gegners möglichst schnell zu ersticken. Beim Kärntner Konter in der 14. Minute klappte das überhaupt nicht: Bernede war als einziger Salzburger zentral in Ballnähe postiert, hatte aber im Sprint gegen Timossi Andersson keine Chance.

Auch Bröndby könnte am Mittwoch auf genau solche Gelegenheiten lauern, bei denen Salzburg zu forsch und mit zu vielen Mann in der gegnerischen Hälfte attackiert. Die Kunst sei es, so Jaissle, die Mannschaft in ihrem Willen zum Angriff zu bestärken. Dennoch müsse man den Fokus "auf die Restverteidigung legen und nicht wild anstürmen. Das ist eben eine Frage der Geduld." Man benötige "immer wieder ein hohes Balltempo, du brauchst die Passqualität, um so einen Gegner zu bespielen".

Der Klagenfurter Austria blieb diesmal Ärger über den Video Assistant Referee (VAR) erspart, weshalb die Analyse von Trainer Peter Pacult nach dem Schlusspfiff ruhiger als zuletzt ausfiel. Zufrieden war der Wiener, der wegen Kritik eine Gelbe Karte erhalten hatte, klarerweise nicht. "Vom Defensivverhalten war es okay, nach vorne hätte ich mir doch noch ein bisschen mehr Entlastung gewünscht. Aber man kennt dieses Pressing von Salzburg und wie sie attackieren, da haben wir zu wenig Ruhe reingebracht", sagte er. "Man darf sich jetzt nicht auf dieser Leistung ausruhen oder sagen, es war eh okay. Es war die Chance da, was mitzunehmen - das ist uns leider nicht geglückt."

Quelle: Agenturen