APA/APA (AFP)/SEBASTIEN BOZON

Rybakina Wimbledonsiegerin - Glückwünsche auch aus Russland

09. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Elena Rybakina hat den Tennis-Klassiker von Wimbledon überraschend gewonnen. Im Duell der beiden Grand-Slam-Finaldebütantinnen behielt die 23-jährige Kasachin gegen Ons Jabeur aus Tunesien mit 3:6,6:2,6:2 die Oberhand. Die Leistungssteigerung der Nummer 23 der Welt wurde mit dem erst dritten Turniersieg auf WTA- bzw. Grand-Slam-Ebene und einem Siegerscheck von 2 Mio. Pfund (2,36 Mio. Euro) belohnt. Glückwünsche gab es auch aus ihrem Geburtsland Russland.

"Ich bin sprachlos, ich war super-nervös vor dem Spiel und während des Spiels. Ich bin froh, dass es vorbei ist, so etwas habe ich noch nie gefühlt", sagte Rybakina. Die favorisierte Jabeur, derzeit Weltranglistenzweite, darf sich immerhin mit 1,05 Millionen Pfund (1,21 Mio. Euro) trösten, ließ aber die große Chance auf den ersten Grand-Slam-Titel einer arabischen und afrikanischen Spielerin liegen. "Ich bin froh, dass ich so viele Generationen aus meinem Land inspiriert habe", sagte die 27-Jährige. "Du bist eine Inspiration nicht nur für Junioren, sondern für jeden", schwärmte Rybakina über ihre Gegnerin. "Du hast ein unglaubliches Spiel, ich genieße es so sehr, gegen dich zu spielen."

Rybakina, gebürtige Russin, hatte 2018 ihre Nationalität gewechselt und konnte so überhaupt in Wimbledon antreten. Denn bei der aktuellen Auflage waren Profis aus Russland und Belarus wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine ausgeschlossen worden. Die in Moskau geborene Rybakina hatte mehrfach während des Turniers betont, glücklich zu sein, Kasachstan zu repräsentieren. "Sie haben an mich geglaubt. Es gibt keine Frage mehr, wie ich mich fühle. Ich bin seit langer Zeit auf einer Reise als kasachische Spielerin." Angesprochen auf den Krieg sagte sie, dass sie wolle, dass dieser "so schnell wie möglich zu Ende ist".

Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew gratulierte Rybakina zu einem "historischen Sieg". Sie sei eine "herausragende Sportlerin", schrieb das Staatsoberhaupt des zentralasiatischen Landes bei Twitter. Auch aus Russland erhielt Rybakina Gratulationen. "Wir haben viel zu ihrer Entwicklung beigetragen", sagte Schamil Tarpischtschew, Chef des russischen Tennisverbandes, der russischen Zeitung "Sport-Express". "Gibt es Groll gegen sie? Nein. Das ist Sport. Jeder wählt seinen eigenen Weg. Das ist ihr Recht."

Schnell war klar, dass es für Jabeur ein ganz anderes Spiel als noch im Halbfinale gegen die deutsche Tatjana Maria werden würde, das von Finesse und vielen Unterschnitt-Duellen auf beiden Seiten geprägt gewesen war. Rybakina setzte wie gewohnt auf ihren mächtigen Aufschlag und kraftvolle Grundschläge. Im Gegensatz zum beeindruckenden Halbfinal-Erfolg gegen die frühere Siegerin Simona Halep aus Rumänien zeigte sie jedoch Nerven und kam dazu mit dem Slice ihrer Gegnerin schlecht zurecht. Nach einem Rückhandfehler der Kasachin holte sich Jabeur das erste Break zum 2:1.

Rybakina blieb in einem umkämpften Spiel dran, konnte aber bei Aufschlag Jabeur zu wenig Druck auf ihre Gegnerin ausüben. So nutzte die Tunesierin bereits nach 32 Minuten ihren ersten Satzball zum zweiten Break und dem verdienten 6:3. Rybakina zeigte sich zunächst unbeeindruckt, nahm ihrer Gegnerin direkt mit der ersten Chance das erste Mal das Service ab. Jabeur hatte trotzdem Spaß, spielte einen Ball nach dem Punkt mit dem Kopf, returnierte einen Lob im Zurücklaufen durch die Beine. Doch Rhythmus, Konzentration und wenig später auch der zweite Satz waren weg.

Auch im entscheidenden Durchgang hatte Rybakina weniger Probleme mit den Stoppbällen ihrer Gegnerin als zu Beginn und holte sich sofort das Break. Jabeur verzweifelte zusehends, vergab drei Breakbälle beim Stand von 2:3. Stattdessen gab sie erneut ihren eigenen Aufschlag ab und erlaubte sich beim ersten Matchball Rybakinas einen Fehler.

Quelle: Agenturen