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Nadal hofft auf 21. Major-Titel, Medwedew als Spielverderber?

29. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

Eigentlich ist Rafael Nadal schon vor dem Männer-Finale bei den Australian Open in Melbourne ein Sieger: Doch vor wenigen Monaten stand die Karriere des nun 35-jährigen Tennis-Superstars vor dem Aus. Nadal wusste selbst nicht, ob er auf die Tour zurückkehren kann. Nun hat der Spanier aber die große Chance, mit einem Sieg über den russischen Weltranglisten-Zweiten Daniil Medwedew sogar seinen 21. Major-Titel zu holen. Und damit Novak Djokovic und Roger Federer zu überholen.

Dieses Trio, allgemein bekannt als "big three", hält bei je 20 Triumphen bei Grand-Slam-Turnieren. Doch die letzte Hürde am Sonntag (10.30 Uhr live, ServusTV, Eurosport) ist neben einem fitten (und spielberechtigten) Novak Djokovic wohl die aktuell höchste: Medwedew könnte einmal mehr zum Spielverderber werden. Schon bei den US Open hatte er im Finale nicht nur den 21. Major-Titel von Djokovic, sondern auch den "Golden Slam" des Serben (alle vier Majors im gleichen Kalenderjahr, Anm.) verhindert.

Medwedew: "Werde gegen einen der Größten spielen"

"Ich werde wieder gegen einen der Größten spielen und wieder gegen einen, der auf seinen 21. Major-Titel losgeht", sagte Medwedew nach dem in hitziger Atmosphäre ausgetragenen Halbfinale gegen Stefanos Tsitsipas. "Ich kann mich noch sehr gut an mein erstes Major-Finale 2019 bei den US Open gegen Rafa erinnern. Wir haben rund fünf Stunden gespielt. Wir haben seither einige Matches gespielt, und ich bin bereit", meinte der nunmehr wie Dominic Thiem vierfache Major-Finalist.

Für Medwedew geht es aber nicht nur um den zweiten Grand-Slam-Sieg in Folge und überhaupt, sondern auch um die Nummer-Eins-Position. "Ich habe wirklich nicht so viel Druck", behauptete der Russe. "Ich weiß, was ich kann, wenn ich gut spiele. Ich weiß, dass ich jeden schlagen kann." Seit den US Open wisse er, dass er sieben Matches in Folge gewinnen kann. "Und das letzte gegen Novak war episch." Medwedew stand im Viertelfinale schon vor dem Aus, als er gegen Felix Auger-Aliassime einen Matchball abwehren musste.

Nadal braucht Top-Leistung 

Hält der Körper von Rafael Nadal, und aktuell besteht kein Anlass dazu, dies nicht zu glauben, dann wird es Medwedew aber nicht leicht haben. "Die ersten zwei Sätze waren die besten seit langer Zeit", hatte Nadal nach dem Viersatz-Halbfinalsieg über Matteo Berrettini gemeint. Gewinnt er den 21. Slam, dann wäre er auch der erst zweite Spieler der Profi-Ära überhaupt nach Djokovic, der bei allen vier Slams zumindest zweimal gewonnen hat. Seinen bisher einzigen Titel beim "Happy Slam" in Melbourne hat Nadal vor 13 Jahren geholt.

"Wenn ich nicht mein Toplevel zeige, werde ich einfach keine Chance haben", weiß Nadal vor dem Duell mit dem zehn Jahre jüngeren Gegner. Dass es nicht Djokovic, der sich nach der Aufsehen erregenden Einreise-Posse und seiner Impfunwilligkeit vor Turnierbeginn selbst aus dem Spiel genommen hatte, sondern Nadal sein könnte, der den 21. Major-Titel holt, scheint im Rückblick höchst unwahrscheinlich.

Ob diese unglaubliche Comeback-Geschichte aber Realität wird, darüber entscheidet wesentlich auch Medwedew. Ist der Russe neuerlich der "Partycrasher" für sein Gegenüber, dann wäre er der erste Spieler der Profi-Ära, der seinem Premieren-Grand-Slam-Titel gleich darauf den nächsten folgen lässt. Denn dieses Kunststück ist nicht einmal den "big three" gelungen. Im Head-to-Head liegt Medwedew gegen Nadal übrigens 1:3 zurück, die bisher letzte Partie hatte er 2020 im Halbfinale der ATP Finals in drei Sätzen gewonnen.

Medwedew kassierte Geldstrafe 

Wegen seines schlechten Benehmens im Halbfinale der Australian Open musste Medwedew eine Strafe von rund 10.750 Euro zahlen. Das teilten die Veranstalter des ersten Grand-Slam-Turniers der Saison mit. Die russische Nummer zwei der Tennis-Welt hatte am Freitag im Halfinale mit dem griechischen Weltranglisten-Vierten Stefanos Tsitsipas den Schiedsrichter Jaume Campistol während einer Schimpftirade mehrfach beleidigt.

Grund für den Ausbruch war ein zuvor kassiertes Break und die Vermutung, dass der Vater von Tsitsipas diesem taktische Anweisungen gegeben hätte. Im Anschluss an die Partie erklärte Medwedew, dass er seinen Wutausbruch bedauere. 

Kyrgios/Kokkinakis gewinnen Doppelbewerb sensationell 

Bevor am Sonntag das Einzelfinale steigt, fiel in der Doppelkonkurrenz bereits am Samstag die Entscheidung: Die Australier Nick Kyrgios und Thanasi Kokkinakis haben ihre überraschende Erfolgsserie mit dem Titelgewinn gekrönt. Das Duo entschied das rein australische Finale gegen Matthew Ebden und Max Purcell mit 7:5,6:4 für sich. Damit holte sich erstmals in der Profi-Ära seit 1968 ein Doppel den Sieg, das nur dank einer Wildcard am Turnier teilnahm.

Erstmals seit 1980 standen sich zwei australische Paarungen im Endspiel der Herren-Doppel-Konkurrenz gegenüber. Mit ihren wilden und unterhaltsamen Auftritten hatten Kyrgios und Kokkinakis mit dem Spitznamen "Special K's" in Melbourne das Publikum angezogen.

Ebenfalls über einen australischen Sieg durften sich die Fans in Melbourne am Samstag im Damen-Bewerb freuen. Ashleigh Barty triumphierte nach einem 6:3, 7:6-Sieg im Finale gegen Danielle Collins. 

Quelle: Agenturen / mpa