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Perez siegt auch dank Ferrari-Patzern im Monaco-Chaos

29. Mai 2022 · Lesedauer 5 min

Red-Bull-Pilot Sergio Perez hat im Fürstentum Monaco seinen dritten Formel-1-Sieg und den ersten in dieser Saison geschafft. Der Mexikaner kam in einem chaotischen Grand Prix mit zwei Abbrüchen und Regen knapp vor Ferraris Carlos Sainz und Weltmeister Max Verstappen im zweiten Red Bull ins Ziel. Vierter war am Sonntag Polesitter Charles Leclerc, dessen Crew einen seiner Boxenstopps vermasselte. Im der WM-Wertung führt Verstappen neun Punkte vor Leclerc, Perez ist Dritter.

"Checo, du hast Monaco gewonnen! Was für ein brillantes, brillantes Rennen", rief Red-Bull-Teamchef Christian Horner seinen Schützling via Funk ins Cockpit. Der schnappte sich eine mexikanische Flagge und jubelte ausgelassen. "So glücklich, Teil dieses Teams zu sein", sagte der 32-Jährige. "Es ist wie ein Traum, der wahr wird. Als kleiner Bub träumst du davon, hier zu gewinnen. Nach deinem Heimrennen ist das hier das speziellste Rennen, das du gewinnen willst."

Enttäuscht war das Ferrari-Duo: Sainz, weil er seinen ersten Sieg überhaupt um eine Sekunde verpasste ("So ist der Sport manchmal"), während Leclerc mit seinem Team haderte. "Wir können das so nicht machen", kommentierte der Monegasse lapidar die Ferrari-Boxenstrategie. Er selbst konnte sich bei seinem Heimrennen nichts vorwerfen. "Es tut weh, denn es ist für mich natürlich ein sehr wichtiges Rennen. Ich habe alles gemacht, das nötig war, damit alles passt."

Bis das Rennergebnis endgültig offiziell wurde, dauerte es ein paar Stunden. Ferrari legte offiziell Protest gegen die Wertung ein, sowohl Perez wie auch Verstappen sollen bei der Ausfahrt aus der Boxengasse mit ihren Wagen über die gelbe Linie gefahren sein, was laut Regelwerk verboten ist. "Wir glauben, es hat einen klaren Regelverstoß von beiden Red Bulls über die gelbe Linie an der Boxenausfahrt gegeben", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. Die Rennleitung wies den Protest zurück. Den Begründungen zufolge berührte Verstappen mit dem linken Hinter-und dem linken Vorderrad zwar die gelbe Linie, er habe sie aber nicht überquert.

Gestartet war das Rennen erst mit mehr als einer Stunde Verspätung worden. Knapp zehn Minuten vor der geplanten Startzeit um 15.00 Uhr fing es zu regnen an, aus Sicherheitsgründen wurde erst zehn, dann weitere sechs Minuten nach hinten verschoben. Die enge Strecke gilt bei Regen als besonders riskant, weil es keine Auslaufzonen gibt. Nach wenigen Minuten hinter dem Safety Car, das zunächst nur die Einführungsrunde anführen sollte, wurde die Session angesichts einer enormen Niederschlagsmenge abgebrochen. "Es regnet wie verrückt", stellte Leclerc fest.

Die Autos fädelten sich in der Boxengasse auf und wurden von Regenschirmen und Zelten abgedeckt. Um 16.05 Uhr hatte der Regen aufgehört, es folgte der nächste Versuch hinter dem von Geburtstagskind Bernd Mayländer (51) pilotierten Safety Car. Nach zwei Umläufen, die schon zur offiziellen Rundenzahl zählten, führte Leclerc einen rollenden Start an und eröffnete auf der noch pitschnassen Strecke den Rennmodus.

Als die Strecke auftrocknete, ging es für alle darum, den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel auf optimalen Reifensatz zu erwischen. Losgefahren war das komplette Feld auf Regenreifen. Am Ende der 16. Runde nahm Perez die Zwischenlösung Intermediate und schaffte damit den Undercut an Leclerc vorbei, der wie Verstappen zwei Runden später dran war. Sainz blieb dagegen länger in der Regenmontur draußen und wechselte ohne Umweg auf Trockenreifen.

Nach seinem zweiten Stopp war Perez hauchdünn vor Sainz, Leclerc hatte Platz drei aber an Verstappen verloren, da Ferrari ihn vorher zu knapp nach Sainz an die Box geholt hatte. Als über Funk das Kommando retour kam, war der Monegasse bereits in der Anfahrt und musste kurz warten, bis das Auto des Spaniers abgefertigt war. Entsprechend sauer reagierte der 24-Jährige am Team-Radio.

In der 28. Runde kam das Safety Car erneut auf die Strecke, nachdem der Haas-Wagen von Mick Schumacher bei einem Unfall vor dem Schwimmbad-Komplex in zwei Teile gebrochen war. Zwei Runden später gab es erneut einen Abbruch mittels Roter Flaggen, da an der Streckenbegrenzung kompliziertere Arbeiten erledigt werden mussten. Schumacher selbst blieb unverletzt - an seinem Auto entstand wie schon in Saudi-Arabien ein teurer Schaden.

Nach dem zweiten Restart ging es noch knapp 40 Minuten lang, bis das Rennen die maximale Dauer von drei Stunden ab der offiziellen Startzeit überschritten hätte. Perez, der aufgrund eines Verbremsers eine kahle Stelle an einem Vorderreifen mitschleppte, musste hart kämpfen, um Sainz hinter sich zu halten. Am Ende ließen beide Vorderreifen stark nach, dennoch behielt er nach 64 statt 78 Runden 1,154 Sekunden Vorsprung.

"Es ist ein toller Tag für mich und für mein Land", erklärte Perez, der mit nunmehr drei Siegen der erfolgreichste mexikanische Formel-1-Fahrer ist. Auch Red-Bull-Berater Helmut Marko freute sich über den insgesamt 80. Sieg von Red Bull Racing. "Es ist mehr gelungen, als wir uns erwartet haben und als wir uns auch vorgenommen haben", sagte er im ORF-Fernsehen. "Wir haben einen wirklich guten Job mit der Strategie gemacht, so dass wir vor den Ferraris herausgekommen sind. Als Team können wir sehr zufrieden mit dem Sonntag sein", betonte Verstappen.

George Russell holte im Mercedes den fünften Platz vor McLarens Lando Norris, der sich den Zusatzpunkt für die schnellste Runde schnappte. Die Routiniers Fernando Alonso (ESP/Alpine), Lewis Hamilton (GBR/Mercedes), Valtteri Bottas (FIN/Alfa Romeo) und Sebastian Vettel (GER/Aston Martin) beendeten das Rennen ebenfalls in den Top Ten.

Quelle: Agenturen