APA - Austria Presse Agentur

Parallel-Rennen in Lech auch für Herren-Chef "Reality-TV"

26. Nov 2020 · Lesedauer 4 min

Auch ohne den mit Corona infizierten Marco Schwarz hofft Österreichs Herren-Skiteam beim Parallelrennen am Freitag in Lech/Zürs auf die eine oder andere Finalqualifikation. Nur 16 Athleten sind in der Entscheidung (17.50 Uhr) mit dabei, Roland Leitinger war vergangene Saison Dritter in dieser Disziplin in Alta Badia. ÖSV-Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher glaubt, dass die vielen Leute daheim froh seien, wenn im Fernsehen mal "was Reales" als Ausgleich zu Filmen läuft.

Trotz Lockdown darf der Spitzensport in Österreich stattfinden. Vor Corona gefeit ist er trotz massiver Hygiene- und Präventionsvorschriften nicht. Infiziert sind aus dem Herren-Tross - soweit bekannt - neben Schwarz auch die Schweizer Loic Meillard, Marco Odermatt und Justin Murisier sowie der Südtiroler Manfred Mölgg. Alexis Pinturault hatte die Erkrankung bereits im Frühjahr durchgemacht, der norwegische Gesamtweltcupsieger Aleksander Aamodt Kilde nach dem Sölden-Auftakt im Oktober.

"Man muss in Kauf nehmen, dass wer fehlt, so bitter das ist. Aber ich finde, dass der Sport weiter durchgeführt werden sollte, soweit das gesundheitlich vertretbar ist", sagte Puelacher im Telefonat mit der APA - Austria Presse Agentur. Auch er ist derzeit wie alle Ski-Fans, denn Zuschauer an den Strecken sind in Österreich nicht erlaubt, nur TV-Konsument, weil er sich einem Eingriff am Knie hatte unterziehen müssen.

Von Schwarz wusste er zu berichten, dass der Krankheitsverlauf mild sei, außer Halskratzen verspürte der Kärntner keine Symptome. "Ich bin froh, dass es bei 'Blacky' einen milden Verlauf gibt. Aber auf die leichten Schulter nehmen braucht man Corona nicht mehr", weiß auch Puelacher. Schwarz, dreifacher WM-Medaillengewinner von 2019, dürfte sich im privaten Umfeld angesteckt haben. Kontakt zu Teamkollegen gab es zuletzt nicht.

Für Diskussionen sorgt im Weltcup das unterschiedliche Vorgehen der Behörden in den verschiedenen Ländern. Das führte dazu, dass bei den Rennen der Damen in Levi die Schwedinnen nach einem positiven Test eines Trainers ausgeschlossen wurden, obwohl sie alle negativ getestet worden waren.

"Es kann dich ganz blöd treffen wie die Schwedinnen. Und du kannst nichts dafür, wenn die jeweilige Regierung Auflagen hat und alle in Quarantäne schickt. Das ist nicht vorhersehbar, da haben wir keinen Einfluss drauf", weiß auch Puelacher. Man selbst könne nur versuchen, sich bestmöglich zu schützen, damit man das Virus nicht kriegt.

Ein wenig absurd sei es aber, dass man trotz negativem Test nicht fahren dürfe. "Wenn das öfters zutreffen sollte, ist das eine Wettbewerbsverzerrung. Schauen wir, wie viele Rennen mit wie vielen Leuten stattfinden. Über fair oder unfair kann man danach entscheiden." Laut Bestimmungen des Ski-Weltverbandes (FIS) müssen sieben der besten zehn Nationen dabei sein, damit Rennen auch für den Weltcup gewertet werden. Eine Hintertür ist aber auch da offen.

Aus rein sportlicher Sicht wartet am Freitag das neben der WM einzige Parallelrennen der Saison. Der Ski-Weltverband nennt es nicht mehr Parallel-Riesentorlauf, sondern will "PAR" als Marke etablieren. Das gleiche Format mit dem gleichen Torabstand - zwischen 16 und 21 m - wird auch bei den Weltmeisterschaften im Februar 2021 in Cortina d'Ampezzo zum Einsatz kommen.

"Deshalb haben wir uns schon speziell auch darauf vorbereitet, weil es ja auch Medaillen gibt. Wir haben auch einige Zeit investiert ins Training. Eine Prognose ist aber unmöglich, alleine schon beim Starten aus der Box raus kann viel passieren", weiß Puelacher. "Ich habe Vertrauen in die, die dabei sind. Aber es heißt, unter die 16 reinzukommen, um sich zu qualifizieren. Eines ist klar, es kann jeden treffen. Ich traue mich keine Prognose abzugeben."

Technik-Trainer Marko Pfeifer erklärte, dass man speziell auch den Torabstand trainiert habe. "Das ist eine eigene Disziplin und jedes Rennen eine knappe Kiste. Mit einem Re-Run ist es viel fairer geworden, denn nur ein Lauf wie letztes Jahr ist reine Lotterie. Um ins Hauptfeld zu kommen, muss man super performen."

Matthias Mayer weiß, dass der Parallelbewerb "nicht das wichtigste Rennen im Jahr" ist, aber es sei gut, dabei zu sein. "Ich habe Startübungen gemacht und geschaut, dass ich die Abstände hinkriege. Der Start ist eine wichtige Geschichte, aber vorbei ist es danach trotzdem nicht, es sind immer noch zwanzig Tore, da ist es wichtig, das Limit zu suchen und alles rauszuholen."

Christian Hirschbühl hatte als "Lokalmatador" eine sehr kurze Anreise. "Die Vorfreude ist groß, dass ich wieder Rennen fahren kann", sagte der von seiner Adduktorenverletzung wiedergenesene Technik-Spezialist. "Wenn es dann im Ländle auch noch ist, ist es natürlich speziell für mich. Ich freue mich auf die Rennanspannung und auf das Format."

Auch Roland Leitinger blickte mit Freude voraus. "Es ist immer schwierig, die Disziplin, aber natürlich auch herausfordernd, und das ist cool", meinte der Salzburger. "Grundsätzlich ist es wie ein 200-Meter-Lauf bei den Leichtathleten. Man kann sich nichts einteilen oder taktisch fahren. Gut starten, gutes Timing finden und dann den schnellsten Weg hinunter finden."

ÖSV-Aufgebot für Parallel-Rennen in Lech/Zürs am Freitag (10.00 Uhr Qualifikation/17.50 Finale): Matthias Mayer, Vincent Kriechmayr, Roland Leitinger, Michael Matt, Christian Hirschbühl, Fabio Gstrein, Adrian Pertl, Dominik Raschner

Quelle: Agenturen