APA - Austria Presse Agentur

Olympia: Taifun nähert sich Tokio

23. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Kurz vor der Eröffnungsfeier der Sommerspiele in Tokio gehen die Corona-Zahlen in die Höhe. Und auch ein Taifun nähert sich der japanischen Hauptinsel.

Neben Corona-Fällen sind die ersten Tage der Olympischen Spiele auch von Wetterkapriolen geprägt: Über Tokio herrscht derzeit brütende Hitze, was unter anderem der russischen Bogenschützin Swetlana Gombojewa - sie erlitt in der Qualifikation einen Hitzschlag - und der deutschen Ruderin Leonie Menzel zum Verhängnis wurde. Unterdessen braut sich über dem Pazifik ein Taifun zusammen und sorgt bereits im Vorfeld für Verschiebungen.

Die Athleten bei den Olympischen Spielen müssen sich auf stürmische Zeiten einstellen. Eine subtropische Tiefdruckzone über dem Pazifik dürfte sich zu einem Taifun zusammenbrauen und Kurs auf die japanische Hauptinsel nehmen, wie die japanische Wetterexpertin Ai Hasebe am Freitag auf Twitter angab.

Demnach könnte der erwartete Taifun zu Beginn nächster Woche auf die Region Kanto um die Olympia-Stadt Tokio erreichen. 

Rudern wegen Sturm vorverlegt

Das hat bereits Auswirkungen auf die Ruderbewerbe. So muss Einer-Ruderin Magdalena Lobnig, die am Freitagvormittag ihren Vorlauf souverän gewonnen hatte, bereits am Sonntag zu ihrem Viertelfinale antreten, wie das ÖOC bekannt gab. Der Lauf war ursprünglich für Montag angesetzt. Für diesen Tag ist allerdings Wind mit 20 Knoten und mehr vorausgesagt, daher wurde das Viertelfinale um einen Tag vorverlegt.

"Das Programm vom Sonntag wird um eine halbe Stunde vorverlegt und dann die Rennen vom Montag im Anschluss gerudert. Man möchte den Athletinnen und Athleten möglichst faire Bedingungen bieten, deshalb ist das eine absolut richtige Entscheidung", sagte Lobnig-Trainer Kurt Traer zum neuen Termin. Auch die Achter-Vorläufe wurden vorverlegt.

30 Grad im Schatten

Vor dem Sturm kommt allerdings die Hitze und, mit ihr einhergehend, die Luftfeuchtigkeit. Und die macht den Athletinnen und Athleten bereits genug zu schaffen - auf dem Wasser ebenso wie auf dem Land. Beim Rudern hatte die Deutsche Menzel auf der olympischen Regattastrecke im Sea Forest Waterway am Ende Probleme und konnte nicht mehr mit voller Kraft agieren. Die 22-Jährige wurde nach ihrem Rennen mit einem Rollstuhl in ein nahe liegendes Funktionsgebäude gefahren, saß aber wenig später mit einer Kühlweste schon wieder auf einem Ergometer. Ihr Trainer gab Entwarnung, der Kreislauf sei immer stabil gewesen. Die Temperaturen um die Mittagszeit (Ortszeit) lagen bei knapp über 30 Grad im Schatten.

Auch bei der 23-jährigen Bogenschützin Gombojewa ist nach einer Twitter-Nachricht des Russischen Olympischen Komitees (ROC) wieder "alles in Ordnung". Sie sei im Yumenoshima Park von Ärzten mit Wasser versorgt worden, so das ROC. Zu Mittag sei sie gemeinsam mit dem russischen Team wieder ins olympische Dorf zurückgekehrt.

106 Corona-Fälle

Dunkle Wolken hängen auch schon vorher über dem Olympischen Dorf. Die Organisatoren haben 19 weitere Corona-Fälle im Zusammenhang mit Olympia veröffentlicht. Das ist der bisherige Höchstwert seit Beginn der Erfassung der Tests am 1. Juli. Damit stieg die Zahl der positiven Tests auf insgesamt 106. Wie das Organisationskomitee bekanntgab, sind unter den Betroffenen drei Athletinnen oder Athleten, die nicht aus Japan kommen. Namen oder Herkunftsländer werden nicht genannt.

Mehrheit gegen Spiele

Die umstrittenen Tokio-Spiele sollen am Freitag (13.00 Uhr MESZ) im Olympiastadion eröffnet werden. Tokio befindet sich noch bis weit nach Ende der Olympischen Spiele im vierten Corona-Notstand. Eine Mehrheit der Bevölkerung hatte sich in Umfragen immer wieder für eine erneute Verschiebung oder eine Absage der Spiele ausgesprochen. Die Einwohner Tokios demonstrierten vor der Eröffnung gegen das Großevent. 

Proteste zum Start der Olympischen Sommerspiele

"Von Euphorie oder Feststimmung ist in der Hauptstadt nichts zu spüren", schrieb die japanische Tageszeitung "Asahi Shimbun". "Viele wünschen sich einfach, dass die Veranstaltung ohne ernsthafte Probleme endet." Es seien "ungewöhnliche und bizarre" Olympische Spiele, die inmitten von "Spaltung und Misstrauen" beginnen, so das Blatt.

Bei der Eröffnungsfeier in der wegen des Zuschauerverbots weitgehend leeren Arena wird das österreichische Team als 37. der 206 Nationen einziehen. Angeführt wird die rund 30-köpfige ÖOC-Delegation von den Fahnenträgern Tanja Frank/Thomas Zajac. Als letztes betreten Japans Sportlerinnen und Sportler das Olympiastadion. Es wird erwartet, dass Japans Kaiser Naruhito als Schutzherr die Spiele auch offiziell für eröffnet erklärt.

Schon am Freitagvormittag hatte Einer-Rudererin Magdalena Lobnig ihren Vorlauf bestritten. Die Kärntnerin zog souverän ins Viertelfinale ein, das am Montag stattfindet. In den nächsten Tagen muss man sich in Tokio möglicherweise auf stürmische Zeiten einstellen. Eine subtropische Tiefdruckzone über dem Pazifik dürfte sich zu einem Taifun zusammenbrauen und Kurs auf die japanische Hauptinsel nehmen. Demnach könnte sich der erwartete Taifun zu Beginn nächster Woche auf die Region Kanto um die Olympia-Stadt Tokio auswirken.

Quelle: Agenturen