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ÖSV-Adler hoffen auf Ende der Tournee-Durststrecke

27. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Mit einem guten Gefühl und reichlich Selbstvertrauen starten Österreichs Skispringer in die 71. Vierschanzentournee. Die ÖSV-Adler um Stefan Kraft und Manuel Fettner gehören vor dem Auftaktspringen in Oberstdorf am Donnerstag (16.30 Uhr/live ORF 1) zum Favoritenkreis, die rot-weiß-rote Durststrecke von acht Jahren ohne Tournee-Triumph soll heuer endlich ein Ende nehmen. Damals hatte Kraft den letzten von sieben ÖSV-Siegen in Serie bei der Vierschanzentournee gefeiert.

ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl sieht seine Schützlinge jedenfalls im Favoritenkreis und erwartet eine offene Tournee bis zum abschließenden Dreikönigsspringen in Bischofshofen. "Es wird sehr spannend werden und bis zum Schluss offen sein", prognostizierte der Tourneesieger von 2000. Besonders Kraft gehöre zu den Mitfavoriten, aber: "Erzwingen kann man es nicht. Die Tournee zu gewinnen, das muss dir passieren", sagte Widhölzl am Dienstag in einer Medienrunde. Man müsse von "Station zu Station" und von "Sprung zu Sprung" schauen.

Der ÖSV-Tross bezog sein Quartier einen Tag vor der Qualifikation auf der Schattenbergschanze am Mittwoch (16.30 Uhr/live ORF 1) in Riezlern im Kleinwalsertal. Gut gelaunt sprachen die ÖSV-Adler über ihre Ambitionen, die vielen Fragen nach seiner Favoritenrolle störten Kraft überhaupt nicht. "Ich fühle mich sehr wohl in der Rolle. Am liebsten käme ich als Ober-Topfavorit hierher, denn das würde heißen, dass ich alles dominiert hätte", sagte der Salzburger, der mit einem Sieg in Kuusamo sowie insgesamt vier Podestplätzen den besten Saisonstart seiner Karriere erwischte.

Die Topfavoriten auf den Sieg beim Schanzen-Spektakel sind aber die beiden bisherigen Weltcup-Dominatoren Dawid Kubacki (Polen) und Anze Lanisek (Slowenien). Besonders Kubacki gilt es nach vier Siegen und zwei zweiten Plätzen in bisher acht Bewerben zu schlagen, der vom Österreicher Thomas Thurnbichler trainierte Tourneesieger von 2019/20 will seinen Coup wiederholen. Kubacki gab sich zuversichtlich. "Wir hoffen, dass die Vorbereitung passt. Dass ich im Gelben Trikot bin, heißt für mich, dass ich richtig gut gearbeitet habe", sagte der 32-Jährige, der am Dienstagabend verspätet ins Allgäu angereist war.

Lanisek gewann unterdessen drei Springen in dieser Saison und stand zuletzt vier Mal in Serie auf dem Stockerl. Der Norweger Halvor Egner Granerud, der Pole Piotr Zyla, der Deutsche Karl Geiger und Kraft zählen zu den ersten Jägern. "Wir können sie mit Raketensprüngen ärgern", hatte Kraft der APA - Austria Presse Agentur gesagt. Bei der Tournee wird traditionell im K.o.-Format gesprungen, einen expliziten Wunschgegner hat Kraft nicht. Aber: "Ein Deutscher wäre auch cool", sagte er und lachte. "Ein deutsch-österreichisches Duell ist immer etwas Besonderes."

An die Schattenbergschanze haben die ÖSV-Adler gute Erinnerungen. Kraft krönte sich 2021 im Allgäu zum Weltmeister, außerdem gewann der Salzburger 2014 und 2016 schon das Auftaktspringen der Tournee. Fettner, bei der Generalprobe in Engelberg kurz vor Weihnachten erstmals Zweiter bei einem Einzelspringen im Weltcup, sprang in Oberstdorf vor zwölf Jahren als Dritter zum bisher einzigen Mal bei einer Tournee aufs Podium.

Vor Weihnachten legten die rot-weiß-roten Skispringer noch zwei kurze Trainingstage auf dem Bergisel in Innsbruck sowie in Planica ein. Widhölzl nominierte insgesamt sieben Springer für die Tournee, neben Kraft und Fettner sind auch Philipp Aschenwald, Michael Hayböck, Jan Hörl, Clemens Leitner und Daniel Tschofenig im Aufgebot. So befreit wie selten geht Routinier Hayböck in die Tournee, seit "langer Zeit" habe der 31-Jährige wieder ein "sehr gutes" Gefühl. Tschofenig bezeichnete unterdessen Hörl, im Vorjahr mit Platz acht bester Österreicher, als "Geheimfavoriten".

Nach dem Auftaktspringen in Oberstdorf, wo etwa 25.000 Fans erwartet werden, geht es zum Neujahrsspringen nach Garmisch-Partenkirchen, ehe die beiden Heim-Springen in Innsbruck (4. Jänner) sowie Bischofshofen (6. Jänner) auf dem Programm stehen. Erstmals seit zwei Jahren sind wieder Zuschauer in den Skisprung-Stadien erlaubt. "Da ist ein ganz anderes Feuer drin", freute sich Kraft.

Quelle: Agenturen