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Ökonomisch ist Österreichs Sport weiterhin "Europameister"

21. Apr. 2022 · Lesedauer 4 min

Ökonomisch ist Österreichs Sport weiterhin "Europameister". Das geht aus der aktuellen Studie des Institutes für Sportökonomie hervor, die Donnerstag in Wien von Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler präsentiert wurde. In seiner Gesamtheit zeichnet der Sport für 24,1 Mrd. Euro Wertschöpfung und 357.000 Arbeitsplätze verantwortlich. Das schaffe anteilsmäßig kein anderes EU-Land, hieß bei der Zahlen-Präsentation von SportsEconAustria-Geschäftsführer Christian Helmenstein.

Den "Ökonomie-Europameistertitel" des Ö-Sports hatte 2019 schon der damalige Sportminister auf Basis der Zahlen aus 2016 (Österreich) bzw. 2012 (EU-Vergleich) bejubelt. Dass die alle vier Jahre erhobenen Zahlen nach weitestmöglicher Sport-Definition (also auch indirekte Effekte, Statistik Austria definiert anders) nun aus 2019 und nicht dem Vierjahres-Rhythmus folgend aus 2020 stammen, ist der hierzulande 2020 begonnenen Pandemie geschuldet.

Auf das Rekordjahr 2019 bezogen liege der Anteil des Sports am BIP (6,8 Prozent entstehen im Sport oder im Zusammenhang mit Sport) sowie an der Gesamtbeschäftigung (7,7 Prozent) jedenfalls in keinem anderen EU-Land auch nur ansatzweise so hoch wie in Österreich, hieß es. Mit Respektabstand folgen Deutschland, Kroatien und Polen. Sport im weiteren Sinne entspreche hierzulande etwa dem 2,7-fachen des Hochbaus, so Helmenstein. "Und 357.000 Beschäftigte, das ist so, als ob ganz Graz und Villach im Sport tätig sein würden." Arbeitsplätze im Sport im weiteren Sinn würden für ein zusätzliches Steueraufkommen von 8,4 Mrd. Euro sorgen.

Größter Profiteur der so großen Bedeutung des Sports hierzulande sei Beherbergung und Gastronomie und da am meisten der sportmotivierte Wintertourismus. Klar sei aber auch: Je reicher eine Volkswirtschaft, desto mehr wird auch für den Sport ausgegeben. Online-Handel wiederum schwäche die Wertschöpfung in Österreich. Rückläufig war zuletzt auch das Aktivitätslevel der Österreicherinnen und Österreicher hinsichtlich Mindestempfehlung der WHO für Ausdaueraktivität.

Kogler erklärte, dass die erhobenen, europaweiten Zahlen auch eine gute Guideline für Budgetverhandlungen wären. Die ökonomische und volkswirtschaftliche Bedeutung des Sports sei riesig und werde durch diese Zahlen untermauert.

Der Sportminister erinnerte daran, dass der Sport von den Pandemie-Einschränkungen massiv betroffen war, man hierzulande dem Sport in der Krise aber unter dem Motto "Comeback Stronger" sowohl durch NPO- (rund 150 Mio. Euro) als auch Spitzensportfonds (65 Mio. Euro) unter die Arme gegriffen habe. Mit Sportbonus sind bisher insgesamt 222,2 Mio. Euro an Sportvereine des Breiten- und Spitzensports geflossen. "Das wird aber noch steigen", so Kogler.

Auch die Maßnahmen zur Rückholung von Mitgliedern habe gegriffen. Dass man, was die gesunden Lebensjahre betreffe, im Europa-Vergleich aber nach wie vor im Hintertreffen sei, sei etwas paradox und müsse als Auftrag gesehen werden, so Kogler.

Hans Niessl, Präsident der Bundes-Sportorganisation Sport Austria, zeigte sich angetan von den Pandemie-Maßnahmen sowie den Zahlen zur Brutto-Wertschöpfung. "Die Bundesregierung hat während der Pandemie dafür gesorgt, dass die gesamte Sportbranche nicht finanziell verhungert." Investitionen in den Sport seien aber immer gewinnbringend, sagte Niessl und bezeichnete eine Erhöhung der Besonderen Sportförderung als "dringend nötig". Alleine durch die Inflation seien dem Sport in den vergangenen elf Jahren 90 Mio. Euro entgangen. "Elf Jahre Nullrunden sind einfach genug."

Auch die Leistungen der Gemeinnützigen und Freiwilligen sind gewaltig. Laut Helmenstein entsprechen sie einem Gegenwert von 1,1 Mrd. Euro. "Müsste man all diese Leistungen zukaufen, würde das eine Versechsfachung der Mitgliedsgebühren bedeuten."

Wichtigstes Ziel ist laut Niessl freilich, auch Europameister im Bewegen zu werden und die Menschen bei guter Gesundheit zu halten. "Da haben uns etwa die skandinavischen Länder viel voraus. Österreich ist ein Sportland, aber noch keine Sportnation", hofft Niessl, dass die täglichen Bewegungseinheiten einschlagen. Man müsse einfach sehen, um wie viele Millionen der Sport das Gesundheitswesen entlaste. "Prävention statt Rehabilitation. Die Voraussetzungen sind gegeben", sagte er.

Quelle: Agenturen